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Literatenfunk

Etel Adnans Zeit

Etel Adnans Zeit

Jan Kuhlbrodt
Autor und Philosoph

*1966 in Karl-Marx-Stadt
Studium in Leipzig und Frankfurt am Main
Redakteur bei EDIT und Ostraghege
freier Autor
letzte Veröffentlichungen: Kaiseralbum (Verlagshaus Berlin), Das Modell (Edition Nautilus), Die Rückkehr der Tiere (Verlagshaus Berlin)

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Jan KuhlbrodtSonntag, 14.11.2021

Dass Gott uns die Zeit geschenkt habe, dass wir an der Ewigkeit nicht verzweifeln, schreibt der spätmittelalterliche Philosoph von Ockham. Aber:

„Eine Widerfahrnis ist der Menschen und Eine Widerfahrnis des Getiers, eine einzige Widerfahrnis für sie, dem Sterben von diesem ist das Sterben von diesem gleich, und ein einziger Anhauch ist für alle, und da ist kein Vorrang des Menschen überm Tier, denn alles ist Dunst.“

Heißt es im Buch Kohelet im Alten Testament in Martin Bubers Übersetzung. 

Es ist dieser Text, der sich in bestimmten Situationen immerzu aufdrängt, und es ist einer der schönsten Texte, die je geschrieben wurden. Heute drängt er sich mir in besonderem Maße auf, denn heute ist Etel Adnan gestorben. 

Die Dichterin, die 1925 in Beirut geboren wurde, in Kalifornien und in Paris lebte, und ein Werk hinterlässt, was durchaus neben dem Kohelet Bestand hat. Auch ist die Herkunft Adnans ja nicht so weit entfernt von dem Ort der Entstehung des alten Testaments. Was dazwischen liegt, ist vor allem Zeit.

„Schreiben stammt aus einem Dialog/ mit der Zeit: es besteht/ aus enem Spiegel, in dem das Denken/ entblößt wird und sich/ nicht mehr erkennt.“

Das letzte, von ihr in diesem Jahr in der Edition Nautilus erschienene, Buch heißt "Zeit". Es umfasst sechs Zyklen, von denen die ersten datiert sind, beziehungsweise mit einer Zeitangabe versehen. Der Angabe zufolge sind sie jeweils im Verlauf eines Tages entstanden. 

Es hat den Anschein, als drängte etwas, als drängte etwas heraus. Und die Texte sind gerichtet, zuweilen an konkrete Personen, zuweilen aber auch an die Freunde im Allgemeinen. Die oben zitierte Passage stammt aus einem dieser Gedichte.

Dieses letzte Buch, was zu Adnans Lebzeiten in deutscher Sprache erschienen ist, wieder in einer großartigen Übersetzung von Klaudia Ruschkowski, reißt zugleich die Zeit auf, indem der Text Momente des vergangenen Jahrhunderts übereinanderlegt, und somit eine Öffnung schafft, in der der Stoff, die Materie durch die Vorstellung hindurch Geltung beansprucht: Das Diesseits des Stoffes, der bleibt.

„Es bleiben/ die Falten in den Hosen/ die gebogenen Wimpern/ und die Spannung der Muskeln/ er ist/ tot./

Der Zeilenbruch vor dem Wort, das die Endgültigkeit ausmacht. Der anwesende Körper als Zeichen einer Abwesenheit dessen, der dieser Körper einmal war. Aber:

„Es gibt Momente, in denen/ die Vergangenheit aufhört, eine Form/ der Gegenwart zu sein./ Regen und Tränen/ sind gleich./“

Es ist eine Feier des Lebens und des Widerstands, auch angesichts gegenwärtiger Verwerfungen.

"Syrien war immer die Mutter/ des Chaos. Ein Land parallel zu/ allen anderen. In der Erscheinung/ einer künftigen Sonne/ atemlos."

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Kommentare 1
  1. Achim Engelberg
    Achim Engelberg · vor 21 Tagen

    Danke für den guten piq mit dem prägnanten Einstieg.

    Ergänzend dieser Nachruf zum Hören und Lesen:

    https://www.deutschlan...

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