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Es ist immer so schön mit dir

Andreas Merkel

Sachbuchautor über Romane in Berlin. Letzte Veröffentlichung: "Mein Leben als Tennisroman" (Blumenbar). Kolumne "Bad Reading" im Freitag (das meinungsmedium).

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Andreas MerkelDienstag, 17.08.2021
Die Erinnerung an das Treffen mit Heinz Strunk vor drei Jahren, backstage in der Berliner Volksbühne, ist noch relativ frisch zumindest in bezug auf folgende Details: Sein markantes Herren-Parfum, das schwer im Raum lag. Eine gewisse Bocklosigkeit, über Literatur zu reden (kann aber auch an meinen Fragen gelegen haben und obwohl er beispielsweise die Verkaufszahlen von Benedict Wells sofort parat hatte - Stichwort: what it takes to get into the Spiegel-Bestsellerliste). Dass der fleißige Strunk noch am Morgen der Lesung im Hotelzimmer den Text für seinen Auftritt in der ARD-Satire-Show "extra 3" geschrieben hatte (die ich mir daraufhin, glaube ich, sogar anguckte und enttäuschend fand). Das Versagen meines Panasonic Talking-Sticks (vergessen, die Pause-Taste noch mal zu drücken). Und wie hochenergetisch der eben noch so zurückhaltende Autor, ein Schnell-Leser vor dem Herren, dann aber onstage den ausverkauften Saal mit den Geschichten aus Das Teemännchen zum Toben brachte. Aus dem geplanten Portrait ist dann natürlich nichts geworden.

Was auf die weitere Karriere von Heinz Strunk jedoch ebenso überraschender- wie glücklicherweise keine Auswirkungen hatte.

In diesem Frühjahr sorgte die Vorschau für Furore, dass Heinz Strunk (persönliche Lieblingsbücher: Der goldene Handschuh, Nach Notat zu Bett) tatsächlich einen "Liebesroman" geschrieben haben soll. Wie sein Tagebuch-Kumpel Meyer-Schulau fragen würde: "Frage: Würden Sie für 22 Euro einen Liebesroman von Heinz Strunk lesen, der Es ist immer so schön mit dir heisst?"

Absolut. Zumal ja bereits die auf dem pinken Rowohlt-Cover zerlaufende Schrift darauf hindeutet, dass wir es hier mit einem Horror-Roman zu tun haben. Inhaltsangabe: Namenloser Er-Erzähler (Ende Vierzig, früher Musiker, heute Tonstudio-Betreiber) verliebt sich nach totgelaufener Beziehung im Gleichaltrigen-Milieu "noch mal neu" in superschöne, superschlanke Schauspielerin (Vanessa, Ende 20, essgestört, Missbrauchsgeschichte im Hintergrund). Zwischen den beiden stimmt von Beginn an nichts, pseudocooles Aneinander-Vorbei-Texten, absolut keine gemeinsamen Interessen inklusive. Sie liebt ihn, weil er angeblich ihr Kindheits-Idol ist (ihr Vater war mal Lichttechniker bei seiner Band und schleppte sie mit zu den Konzerten). Er kann nicht glauben, dass er sie überhaupt verdient hat. Und nichts stimmt stimmt natürlich auch nicht ganz: So toxisch die Beziehung, so "unbeschreiblich" der Sex ("rein technisch: Blümchensex")... - Womit sich E.i.i.s.s.m.d. ein bisschen wie das männliche Gegenstück zu W.m.m.e.M.u.w. liest, Wie man mit einem Mann unglücklich wird, Ruth Herzbergs großem Beziehungs-Abfucker des Frühjahrs.

Verliebt, verlobt, verheiratet, Haus und Kind und Kegel. Das allerneueste Ding: Sie hasst die Stadt, ist das entfremdete Leben (wo hat sie diesen anachronistischen Ausdruck bloß ausgegraben?) leid, will so schnell wie möglich aufs Land, genauer: ins Umland ziehen. Speckgürtel, Peripherie, Suburbia, verscharrt in der Hälfte eines Doppelhauses, in dem das Erdgeschoss behindertengerecht umgebaut wird, damit die Mutter einziehen kann. (...) Kann sie überhaupt schwanger werden bei ihrem BMI?

Der Ton und der schwarze Humor stimmen (es gibt auch noch großartige Vernichtungen von Pärchenabenden, Geselligkeit, guter Laune und reiselustigem Nichts-zu-erzählen-Haben). Die allgemeine Trostlosigkeit und das etwas vorhersehbar aufs Schlimmste programmierte Untergangs-Plotting wirken mitunter ein wenig zu forciert. Ebenso wie die Sinnlosigkeit der Dialogbemühungen zwischen Mann und Frau (Stichwort: Transparenz, keine Geheimnisse). Aber das bleibt trockene Außenperspektive auf das Herz des Horrors, das in diesem Buch heftig schlägt: L.i.e.b.e.

Oder wie sich die beiden Französinnen letzten Sonnabend in einem Berliner Strandbad neben uns lautstark hinterm Sonnenschirm auf Englisch über ihre Körper und Leben unterhielten: "We care too much. There will always be somebody to fuck us."

Ganz so schlimm wie Kollege Gerrit Bartels im Tagesspiegel (unten verlinkt) finde ich die Sache also nicht. Für ein Portrait würde ich ihn allerdings nicht noch mal treffen wollen (obwohl ich kurz überlegt hatte).


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