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Die Nerven des Torwarts in der Weltliteratur und der 11. September

Andreas Merkel

Sachbuchautor über Romane in Berlin. Letzte Veröffentlichung: "Mein Leben als Tennisroman" (Blumenbar). Kolumne "Bad Reading" im Freitag (das meinungsmedium).

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Andreas MerkelFreitag, 10.09.2021

Weite Teile dieses Sommers verbrachte ich mit Nachdenken über die Angst des Torwarts im Angesicht der Weltliteratur bei Nabokov, Camus, Handke undsoweiter. Ich tat das, weil mich die Zeitschrift 11Freunde eingeladen hatte, einen Text für ihr gerade erschienenes Torwart-Spezialheft zu schreiben.

Außerdem hatte ich mir bei einer mißglückten Parade den linken Daumen verletzt - aus kurzer Distanz den Ball draufgekriegt, keine richtige Spannung in der Hand gehabt, Ball im Netz. Das passiert Torwärten (oder Torwärterinnen) natürlich dauernd. Der Daumen ist als Antagonist gewissermaßen die Achilles-Ferse des Torwarts. Bei all den Paraden, die es dauernd im Fernsehen und live zu bewundern gibt, vergessen neutrale Außenstehende oft (oder wissen es logischerweise nicht), welchen Belastungen die Hände und Finger des Torwarts dabei ausgesetzt sind. Eine meiner nervigsten Operationen war vor 13 Jahren, als ich einen extrem harten Freistoß zwar fangen konnte, mir dabei aber den rechten Daumen brach: ein Teil des Knochens war abgesplittert und musste bei einem maximalinvasiven Eingriff mit einer kleinen Schraube wieder "angeschraubt" werden (ist bis heute drin und sorgt dafür, dass ich an der rechten Daumenspitze schnell friere).

Wenn man an der Story weiterschraubt (was ich in dem 11Freunde-Text nicht gemacht habe), kommt man mehr oder weniger schnell darauf, dass die Hände des Torwarts vergleichbar mit den Nerven des Autors sind. Beide müssen für auf Laien abstruse Weise trainiert und geschützt, gleichzeitig sensibilisiert und abgehärtet werden, die sie für den normalen Alltag fast untauglich macht (in einem Interview schilderte ausgerechnet Roman Weidenfeller mal, was für Handcrèmes er verwendet und wie er auf gar keinen Fall irgendwelche handwerklichen Aufgaben mit Hämmern, Nägeln und Schrauben im Haushalt übernehmen dürfe).

... Okay, sonst keine Probleme? Als gäbe es die gerade tatsächlich nicht, wird seit Wochen medienweit des 11. Septembers (USA, nicht Chile) gedacht. Und als ich im Netz nach einem Link für diesen Text suchte, stieß ich bei 11Freunde.de unvermittelt auf den Erinnerungs-Aufsatz von Andreas Bock (s.u.): Einer der wenigen Artikel zu Nine-Eleven, die allein schon wegen der anti-besserwesserischen, von Radiohead geschickt geklauten Überschrift (We might be wrong - genau!) nicht sofort abgrundtief nerven.

Andreas Bock betreute nicht nur meinen Torwartliteratur-Text im oben erwähnten Spezialheft, sondern war auch am 11. 9. 2001 zeitgleich mit mir beim Radiohead-Konzert in der Wuhlheide. Thom Yorke machte an diesem unvergesslichen Abend allerdings sehr wohl Zwischenansagen: ein fünftes Flugzeug kreise über Amerika, infrastructure will collide soon. In dem Text stellt Bock die Frage, ob es gut ist, dass alles (Popmusik, Fußball, Kapitalismus, Literatur) immer weitergehen muss. Ich habe keine Ahnung, ob sich das abschließend beantworten lässt, denke aber, dass ein sensibles Fehlerbewußtsein, mit dem dieser Text hier heute endet, immer hilft.

Die Nerven des Torwarts in der Weltliteratur und der 11. September

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