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Literatenfunk

Der Roman U5 von Pol Sax

Quelle: Lenze

Ulla Lenze
Schriftstellerin
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piqer: Ulla Lenze
Samstag, 07.11.2015

Der Roman U5 von Pol Sax

Manche Bücher kommen mit einigen Jahren Verspätung zu einem, denn als 2008 der Debütroman des Luxemburger Autors Pol Sax erschien, bekam ich davon nichts mit. Plötzlich liegt das schmale gelbe Buch in meinem Briefkasten. Grund: Ich durfte einen Abend der luxemburgischen Literatur co-moderieren. Luxemburg hat übrigens so viele Einwohner wie etwa zwei Stadtteile Berlins, was die Sache übersichtlich machte. In Berlin ist auch der Roman „U5“angesiedelt, genauer: entlang der U5 (von Alexanderplatz nach Friedrichsfelde fährt sie). Es geht um Großes: Liebe, Tod, Krankheit, Kunst, aber die Sprache ist spektakulär schlicht, ja geht teils ins mündlich Notizenhafte („Von da an sah ich Paul jede Woche. Irgendwie mochte ich ihn sehr.“). Der Roman schafft dabei etwas, das selten ist: Er ist supereinfach und superkomplex zugleich. Fast scheint die schlichte Oberfläche nur die äußere dünne Verkleidung zu sein für etwas, das Pol Sax in den Roman geschmuggelt hat, was aus den Worten, den Seiten aufsteigt - nicht greifbar, aber es greift beim Lesen um sich. So etwas wie Rührung, Staunen, Stille. Diese vom Leben zerzausten Figuren gehen einem nah, vielleicht weil sie so schutzlos auf der Sprache aufliegen und von dort direkt in einen hineingehen: Barbara, die mit Männern schläft, um die Behandlung ihres krebskranken Bruders finanzieren zu können. Der Künstler Paul, der seine Frau bei einem Unfall verloren hat und auf Barbara trifft (die beiden verlieben sich). Und der gescheiterte und psychisch kranke Künstler Heinrich, der sich den beiden in so etwas wie unschuldigem Stalkertum aufdrängt. Alle Figuren befinden sich zu diesem Zeitpunkt in einem inneren Niemandsland, und sie suchen Halt aneinander. Ein fesselndes leises Kammerspiel auf 172 Seiten. 

8,8
6 Stimmen
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