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DER KÖRPER DES DEBÜTS

Quelle: privat

DER KÖRPER DES DEBÜTS

SABINE SCHOLL
Autorin
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SABINE SCHOLLMontag, 21.10.2019

Bevor man diesen Roman gelesen hat, hat man bereits gehört, dass seine Autorin eine Sensation ist. Man hat gehört, dass die junge Frau von Rezensenten mit Attributen, wie hübsches Mündchen, Blick wie ein Reh, beschrieben wurde, welche vorerst nichts mit dem Inhalt oder der Qualität des Buches zu tun hatten. Es hatte sich Protest dagegen geregt. Man hat die Fotos in Zeitungen und Magazinen studiert, in denen die junge Autorin tatsächlich mit dunklen Augen cool blickte und tatsächlich einen schönen Mund hatte. Man musste das immerhin prüfen, nachdem die Diskussion um ihr Debüt damit durchsetzt war. Man hat gehört, dass sie die Stimme ihrer Generation ist und dass sie feministisch ist, ohne überhaupt erwähnen zu müssen, dass sie feministisch ist. Bevor man zu lesen begann, waren bereits so viele Urteile gefällt, dass man eigentlich gar nicht mehr lesen wollte, tat es aber dann doch und war überrascht, wie leicht und flüssig sich der Roman las. „Man“ meint in diesem Fall „Ich“.

Neben der Lektüre dachte ich darüber nach, warum es nötig scheint, dass die Gerüchte um eine junge Autorin und ihr erstes Buch fast wichtiger sind als die Beschäftigung mit dem, was sie schrieb. Wahrscheinlich ist das auch auf Faulheit und Desorientierung zurückzuführen. Schließlich hat der Kritiker keinen Vergleich mit früheren Werken und kann ihre Entwicklung daher schwer einschätzen. (Ich schreibe absichtlich „der Kritiker“, nachdem ich kürzlich aus einer Studie erfahren habe, dass 90 Prozent der literarischen Debüts von männlichen Feuilletonisten besprochen werden.) Der Kritiker stürzt sich also mangels Vorwissen auf das Material, das die PR-Maschine des Verlages bereitstellt. Der Körper der jungen Frau ist hierbei das wichtigste Asset. Dazu kommt die hechelnde Hoffnung, einen Hype zu kreieren, in dem genau all das Drumherum eine tragende Rolle spielt und die Verkaufszahlen hochtreiben soll. Dass die junge Autorin, in diesem Fall, Sally Rooney, sicherlich gut ausgebildet und talentiert ist, hilft.

Schließlich las ich ihren Roman „Gespräche mit Freunden“, in dem Küsse und Sex vorkommen, ein problematischer Vater, eine aufmerksame, aber doch weitgehend abwesende Mutter. Eine Unterleibskrankheit wird verschwiegen, Schmerzen spielen eine Rolle, innere und äußere, von anderen und sich selbst zugefügte, es gibt Tränen. Es gibt einen Aufenthalt in einem Ferienhaus in Frankreich mit Wein, Diskussionen, außerehelichem Sex. Der Roman ist souverän aus der Perspektive einer jungen Frau auf der Suche nach (Selbst)Bestimmung erzählt, enthält aber auch nicht mehr Welt als die Protagonistin zu tragen vermag. Wir befinden uns im Künstlermilieu, Verleger, Agenten, Jungautoren, Schauspieler. Es wird viel gesprochen, nicht nur über Beziehungen und Vorstellungen von Liebe, sondern auch übers Schreiben. Der Roman liest sich schnell, das sagt auch Sarah Jessica Parker - die schreibende Protagonistin der berühmten Serie „Sex in the City“ - auf der Rückseite des Buchs. Rooneys Roman hebt sich ab von Herzschmerzgeschichten, von konventionellen und konventionell erzählten Geschlechterverhältnissen. Die sprachliche Originalität jedoch hält sich in Grenzen. Die in begeisterten Besprechungen zitierten Metaphern sind auch schon die einzig bemerkenswerten.

Wäre die Autorin meine Studentin, hätte ich mich über ihre Bestimmtheit und Klugheit gefreut. Mir hätte gefallen, dass sie vor allem die Liebe zu ihrer Freundin glaubhaft darstellt, dass sie ein Gewebe aus verschiedenen Personen schafft, einen Resonanzraum für die Hauptperson, die sich durch diesen Austausch, ob verfehlt oder gelungen, entwickelt. Dass in der Summe mehr ausgesprochen wird als verheimlicht oder monologisiert. Diese Bereitschaft und die Fähigkeit zum Dialogischen, hätte ich außerordentlich gefunden. Aber Rooney ist keine Studentin, sie ist Vollprofi und ihr nächstes Buch wird bereits ins Deutsche übersetzt.

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