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Literatenfunk

Das Kleine und Ganze
Jan Kuhlbrodt
Autor und Philosoph

*1966 in Karl-Marx-Stadt
Studium in Leipzig und Frankfurt am Main
Redakteur bei EDIT und Ostraghege
freier Autor
letzte Veröffentlichungen: Kaiseralbum (Verlagshaus Berlin), Das Modell (Edition Nautilus)

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piqer: Jan Kuhlbrodt
Montag, 28.05.2018

Das Kleine und Ganze

„Mein Parkplatz, da ist er wieder – Gott sei Dank, hätte ich beinahe gesagt, da ist er wie ein Gegenstand, an dem man sich festhalten kann.“

Dass Prosa mehr ist als Roman ist bekannt. Dennoch scheint diese Epopöe der bürgerlichen Gesellschaft, wie Hegel den Roman nennt, die einzige literarische Prosaform zu sein, die von Verlagen, Publikum und Kritik in einem gehörigen Maß wahrgenommen, gelesen, geliebt wird, und am beliebtesten sind die dicken Romane, die Schmöker, die zum Lesen einen Lehnsessel verlangen, einen Kamin und lange Winterabende.

Aber wer hat schon einen Lehnsessel und einen Kamin? Lange Winterabende, gut, die kommen vor, und sie sind gemeinfrei wie die Rechte an den Werken von Autoren, die seit über siebzig Jahren tot sind, wahrscheinlich kann man sie inzwischen sogar schon kostenfrei aus dem Netz herunterladen.

„An Sonntagen kommt mir immer wieder der Verdacht, dass alles ziemlich unbeweglich ist, die sichere Erkenntnis, dass alles vor langer Zeit schon festgelegt wurde. Sogar das Glas mit Orangensaft lässt sich – ich habe mich wirklich bemüht – nicht um einen Zentimeter verschieben.“

Dieses Zitat stammt aus dem Buch „Aus meinem Fenster“ des Bremer Autoren Klaus Johannes Thies und bezieht sich natürlich nicht auf eine Theorie der Prosa, wenngleich man es als Initial für eine solche benutzen könnte. Im Untertitel heißt das Buch im übrigen „Parkplatz-Rhapsodien“, und es ist im kleinen und eher auf Lyrik spezialisierten Verlag edition AZUR erschienen, einem jener Häuser, in denen die kleinen, vielleicht innovativsten Prosaformen noch immer eine Chance haben.

Das Buch ist im Grunde das Tagebuch einer Beobachtung. Vor dem Haus des Erzählers befindet sich ein Parkplatz, den er durch das Küchenfenster betrachtet. Er berichtet über Anzahl und Art der Fahrzeuge, die dort zu den jeweiligen Zeiten abgestellt sind, hinzukommen oder das Gelände verlassen:

„Fünfundzwanzig Fahrzeuge. Das ist ja so etwas wie ein Rekordergebnis.“, so beginnt zum Beispiel der Eintrag vom 21.07.2005. Aber da es sich hier ja um Literatur und nicht um Statistik oder Spionage handelt, erstehen aus der nüchternen Beobachtung kleine Geschichten und Reflexionen.

Der Parkplatz bekommt gewissermaßen Charakter. Und er wird zum Spielfeld verschiedenster Personen, die ihn streifen, als Streit-, Warte- oder Aufenthaltsort benutzen, und ihrerseits die mutmaßende Fantasie des Beobachters in Bewegung setzen.

„So viele Dinge passieren hier vor meinem Fenster, obwohl die Anzahl von neun Pkw auf dem Parkplatz unverändert Bestand hat. Es ist bei neun Fahrzeugen geblieben, obschon der eine oder andere dazugekommen ist. Als hätten sie sich abgesprochen, kommen die einen, während die anderen abgehen. Eine Art Lastenausgleich.“

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