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Literatenfunk

Bettina Schnerr
Bettina Schnerr
Community piq
Montag, 21.01.2019

"Disruption" klingt innovativ - kann aber auch nur Kurzsichtigkeit sein ...

Eigentlich sind weder das Buch "Die Abwicklung" von George Packer noch Uwe Kalkowskis Text dazu allzu neu (von 2013 und 2017). Warum mir gerade die Buchbesprechung von Kalkowski wieder in den Sinn kommt? Weil das Onlinemagazin t3n soeben die aktuellen Wirtschaftszahlen der weltweit größten Handelsriesen veröffentlichte.

Auf Platz 1 rangiert Wal-Mart. Der Konzern schöpft jährlich 500 Mrd. Dollar Umsatz, schon der Zweitplatzierte schafft "nur noch" 130 Mrd. Dollar. Das sieht auf Anhieb nach hervorragendem Geschäftssinn aus. Doch die Entwicklungen in den USA von den 1970er-Jahren bis heute liefen anders und Wal-Mart-Gründer Sam Walton ruinierte durch eine gnadenlose Verdrängungspolitik die Infrastruktur des Mittleren Westens. Kalkowski schreibt:

"Die Erfolgsgeschichte Wal-Marts steht für das, was alles schiefgehen kann in einem Wirtschaftssystem, in dem das Survival of the Fittest oberstes Gebot ist."

Erst nach dem Tod Waltons verstanden die Menschen, was Wal-Mart angerichtet hatte, analysiert Packer. Zu diesem Zeitpunkt aber war schon alles auf billig abgewirtschaftet, inklusive der Löhne, sodass die Menschen erst recht auf Wal-Mart angewiesen waren — der wiederum davon profitierte. Eine endlose Spirale.

Uwe Kalkowski empfiehlt George Packer, weil dessen erzählendes Sachbuch sehr anschaulich schildere, was vermeintlich moderne, eben "disruptive" Handelshäuser auf lange Sicht auslösen können: Die Aushöhlung einer Gesellschaft und wirtschaftliche Instabilität. Uwe Kalkowski kommt darob ins Schimpfen, denn er sieht Parallelen zum mittlerweile etablierten, aber ebenso disruptiven Onlinehandel:

Was für eine Kurzsichtigkeit. Letztendlich trägt jeder, der die Dinge des täglichen Bedarfs nicht beim Händler vor Ort kauft, zur Destabilisierung unserer Gesellschaft bei.

"Disruption" klingt innovativ - kann aber auch nur Kurzsichtigkeit sein ...
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