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Bücherbox – frische Bücher: Der Tod und das dunkle Meer

Bücherbox – frische Bücher: Der Tod und das dunkle Meer

Anne Hahn
Autorin und Subkulturforscherin
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Anne HahnSonntag, 29.08.2021

Dass etwas derart Gewaltiges überhaupt auf dem Wasser schwimmen konnte, war eine so unglaubliche bauliche Meisterleistung, dass es einer Teufelei gleichkam, und Arendt hatte das Gefühl, in der Gegenwart des Schiffes in sich zusammenzuschrumpfen.

Ein gewaltiges Schiff – ein Ostindienfahrer namens Saardam – ist im Jahre 1634 von Batavia gestartet, um nach Amsterdam zu segeln. An Bord sind neben den kostbaren Handelsgütern wie Muskatblüten, Pfeffer und Seidenstoffen noble Passagiere wie der Generalgouverneur (der ostindischen Handelskompagnie mit Sitz in Batavia) Jan Haan, seine Frau Sara Wessel und seine Tochter Lia, seine Geliebte Creesjie Jens – und sein Neffe Leutnant Arendt Hayes.

Er streckte die Hand aus und ließ die Fingerspitzen über die rauen Planken gleiten. Im Holz war ein dumpfes Vibrieren zu spüren. Er versuchte sich vorzustellen, was sich auf der anderen Seite befand: jenes Labyrinth aus Treppenaufgängen, in das hier und da vereinzelt Sonnenstrahlen fielen.

Neben den leitenden Offizieren reisen ein Hochbootsmann, ein Konstabler und etliche Soldaten sowie ein Prädikant (Laienprediger) mit seinem Mündel Isabel auf der Saardam, und tief in den Eingeweiden des Schiffs eingesperrt vegetiert der wichtigste Mann dieser Reise – und dieses Romans: Samuel Pipps.

Es bedurfte Hunderter von Mannschaftsmitgliedern, um ein Schiff dieser Größe zu segeln, und es würden noch einmal so viele Passagiere mitreisen. All diese Menschen waren in Gefahr. Und selbst in seinem in Ketten geschlagenem, zerschundenen und misshandelten Zustand war Sammy der Einzige, der ihnen helfen konnte.

Der Tod und das dunkle Meer ist der zweite Roman des 1980 in Widnes/England geborenen Philosophen, Lehrers und Reisejournalisten Stuart Turton. Schon sein Debüt-Roman Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle waren ein Verkaufsschlager und brachten ihm Preise ein. Der soeben im Tropenverlag erschienene, 600 Seiten fette Roman hat mich in jeder Zeile überzeugt. Vom düster schillernden Schutzumschlag über die Zeichnung des aufgeklappten Schiffes im Innencover bis hin zur aufwändigen, sprachlich hochwertigen Übersetzung von Dorothee Merkel hat sich hier ein Verlag richtig ins Zeug gelegt. Den Rest schafft der Autor – mit der Installation eines Ermittlerduos (Arendt und Samuel Pipps/Sammy) contra der mystisch gruseligen Figur des Alten Tom. Eines untoten Einflüsterers, welcher auf dem Schiff sein Unwesen treibt, mordet, Angst und Schrecken verbreitet. Arendt und Sammy enthüllen ein Detail nach dem anderen, ohne die Verhängnisse stoppen zu können. Wird das Schiff jemals Amsterdam erreichen?

Mich hat das Buch besonders durch seinen Witz und die starken Frauenfiguren gefesselt. Sie können heilen (Sara und Isabel), komplexe Maschinen und filigrane Schiffsmodelle bauen (Lia), beherrschen Magie und singen göttlich (Isabel), bezaubern Männer und sind Erzählgenies (Creesjie) – und sind solidarisch miteinander. Dicke Männer sind sexy und Gewalt eine vermeidbare Nebensache. Es ist so elegant wie modern, wie Turton das 17. Jahrhundert zur Folie seines Romans um-schreibt. In seinem humorvollen Nachwort wünscht sich der Autor, sein Roman möge nicht eingeordnet werden und mit Etiketten versehen, das unterschreibe ich. Dies ist kein Abenteuerroman, kein Thriller, kein Liebes- und Historienroman, sondern das alles auf einmal und noch viel mehr. Es ist pralle, echte, wunderbare Literatur!

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