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Literatenfunk

Blindgehen
Jan Kuhlbrodt
Autor und Philosoph

*1966 in Karl-Marx-Stadt
Studium in Leipzig und Frankfurt am Main
Redakteur bei EDIT und Ostraghege
freier Autor
letzte Veröffentlichungen: Kaiseralbum (Verlagshaus Berlin), Das Modell (Edition Nautilus)

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piqer: Jan Kuhlbrodt
Freitag, 30.08.2019

Blindgehen

Die Sowjetunion ist vielleicht untergegangen, aber damit nicht verschwunden. Als Mythos geistert sie noch durch die Diskurse und tröpfchenweise enthüllen sich auch noch ihre Wahrheiten, die über die Jahre bedeckt gehalten wurden, verschwiegen, vergessen oder verdrängt. Das Schicksal der Emigranten beispielsweise, die in stalinistischen Lagern verschwanden und auch nach ihrer Rückkehr, zumeist in die DDR, nichts von ihrem Schicksal preisgaben. Wie Zenzl Mühsam beispielsweise, die die Tagebücher ihres Mannes Erich in die Sowjetunion gerettet hatte, wo sie lange archiviert lagen, so dass sie in den letzten Jahren im Verbrecherverlag erscheinen konnten. Die Retterin verbrachte aber viele Jahre in einem Arbeitslager.

Diese Verschränkungen von Kommunismus, Emigration, Zerstörung und Erfindung von Biografien sind schon lange Thema in Romanen des Schweizer Slawisten, Erzählers und Lyrikers Felix Phillipp Ingold. Auch in seiner zuletzt bei Ritter erschienenen Erzählung Die Blindgängerin entwickelt er ein Verwirrspiel um Identitäten und Dokumente, Nationalitäten und politische Verwerfungen. Der Schweizer Journalist Goldin, der gut das Alterego des Autoren sein könnte, reist zur Recherche in die untergehende UdSSR und bekommt dort die blinde Dolmetscherin Theodora Minzenberg an die Seite gestellt, die von kommunistischen deutschen Emigranten abstammt.

Minzenberg ist natürlich ein sprechender Name, weil er an den kommunistischen Zeitschriftenverleger Willi Münzenberg erinnert, der in den Zwanzigerjahren in Deutschland eine Art kommunistisches Imperium für Druckerzeugnisse schuf.

Aus dem Arbeitsverhältnis zwischen dem Protagonisten Goldin und Theodora Minzenberg wird ein Liebesverhältnis, und gemeinsam durchforsten sie Bibliotheken und Archive, die sich gerade zaghaft öffnen, bestechen Angestellte und Funktionäre, die aus der Verschlossenheit, aber auch der Öffnung ihren Profit schlagen wollen. Wie die Materialien und Lagen verschränkt sind, wechselt auch der Text seine Perspektiven, erzählt auktorial und nimmt zuweilen die Perspektive Goldins ein, einen Berichtston, dem nicht zu trauen ist, in seiner verdeckten Subjektivität, die dennoch immer an der Wahrheit schrammt. Ein kolossales Lesevergnügen.

Dem Buch ist eine Bildstrecke beigegeben, die weniger illustrativ wirkt, sondern vielmehr als Spin-off zu ausgewählten Sätzen einen Weg ins Visuelle bahnt. 

8,3
4 Stimmen
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