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Literatenfunk

Belgrad 2: Laufen in Belgrad

Quelle: (c) Jochen Schmidt "Novi Beograd - Block 63"

Jochen Schmidt
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piqer: Jochen Schmidt
Montag, 28.10.2019

Belgrad 2: Laufen in Belgrad

Die Wortlisten in "Serbokroatisch in 100 Lektionen" von Alois Schmaus, dem Lehrbuch von 1960, das mich hier immer noch täglich beschäftigt, sind manchmal etwas einschüchternd konzentriert:

  • ječati - ächzen
  • hujati - brausen
  • šuštati - rascheln
  • brujati - dröhnen
  • bučati - tosen
  • zujati - summen
  • zviždati - pfeifen
  • vrištati - laut schreien

Dafür wird man mit schön altmodischen Formulierungen entschädigt: "Besondere Aufmerksamkeit erheischt der Instrumental, der dem Deutschen fehlt." (Was haben wir uns im Russischunterricht in der 5. Klasse über den Instrumental gewundert, wozu gab es diesen zusätzlichen Fall? Heute bin ich für meinen Russischunterricht dankbar, er hätte allerdings anders gestaltet sein müssen, wenn er damals meine Aufmerksamkeit erheischen wollen hätte.)

Man möchte noch mal 18 sein, und sich für Serbokroatisch "einschreiben". Aber es hat ja keinen Sinn, nur diese Sprache zu lernen und nicht auch die anderen Südslawischen, um den Überblick zu bekommen, eigentlich auch Altkirchenslawisch, um die Herkunft der jeweiligen grammatischen Eigenheiten zu verstehen (wenn man die Sprachgeschichte kennt, gibt es ja keine Ausnahmen), aber neben Bulgarisch natürlich auch Albanisch, Türkisch, Griechisch und Rumänisch, um die über Sprachfamilien hinweg bestehenden Gemeinsamkeiten der Balkansprachen zu bewundern, und um ein Gefühl für das Dialektkontinuum zu bekommen, in dem man sich hier bewegt. Ein guter Balkanologe ist man erst mit 80 Jahren, wenn das Gedächtnis so lange mitmacht. (In diesem Nachruf auf Alois Schmaus bekommt man einen Eindruck vom Tätigkeitsbereich großer Philologen.)

Leider ist ein unangenehmer Nebeneffekt des Sprachstudiums, daß man die Zeitung immer besser versteht, und damit auch mehr von der politischen Realität vor Ort mitbekommt. Man wird sozusagen vom Kind, das sich die Welt selbst erklärt und sie völlig zu Recht als potentiellen Spielplatz betrachtet, zum Erwachsenen, der zu viel weiß, um noch unbeschwert zu sein. Die Kunst ist, dann wieder, bei vollem Bewußtsein, zum Kind zu werden, das nenne ich subversiv.

Immerhin gibt es aus der Zeitung auch Skurriles zu berichten. In einem Boulevardblatt wurde noch einmal ein Gerücht aufgewärmt, das mich schon immer fasziniert hat, nämlich daß Tito bei einem Rußlandbesuch gegen einen russischen Agenten ausgetauscht worden sei. Der Informant beruft sich darauf, daß dem echten Tito, den er noch gekannt habe, der Zeigefinger und der Mittelfinger der linken Hand gefehlt habe, außerdem sei er nicht gebildet gewesen und konnte nicht Klavier spielen, er sei auch 1,60 statt 1,80 groß gewesen. Der echte Tito sei 1937 in Rußland gegen einen KGB-Agenten ausgetauscht worden, beim falschen Tito, der einen russischen Akzent gehabt habe, habe es sich um den russischen General Nikolaj Lebedew gehandelt. (Was für ein Job, seinem Land damit zu dienen, jahrzehntelang Staatschef eines anderen Landes zu sein!)

Als Tito monatelang im Sterben lag, erhielt er von Kindern aus ganz Jugoslawien ca. 400.000 Briefe. Aus einigen davon zitiert Aleksandar Zograf in einer seiner Comic-Kolumnen: "Ich war auch im Krankenhaus im letzten Jahr ... Sei ein guter Patient und mach, was dir der Doktor sagt, dann wirst du gesund." "Schreiben Sie mir, wenn sie Geld für Essen und Trinken brauchen." "Das erste Wort, das ich sprechen konnte, war 'Mama!' Und meine Mama sagt, daß ich als zweites 'Tito' gelernt habe." Nach Titos Tod (sein Herzschlag wurde im Radio übertragen) prägte man eine unschlagbar-tautologische Losung: "I posle Tita, Tito!" ("Auch nach Tito, Tito!"). Ich habe mal eine Tito-Biographie gelesen, um mehr über seine Jugend zu erfahren, aber es lag vieles im Dunkeln. Erwiesen ist wohl, daß er vor dem Ersten Weltkrieg eine Zeitlang in Mannheim bei Benz gearbeitet hat.

Ich habe meine Nagelschere vergessen, deshalb sind meine Fingernägel schon so lang, daß es beim Tippen stört, es erinnert einen daran, daß man, obwohl man ein Geistesmensch sein will, ein Stück Natur ist. Der Aufenthalt hier dauert schon so lange, daß es binnennostalgische Gefühle gibt. Ich war gestern noch einmal in dem Mini-Supermarkt, in dem ich in den ersten Tagen immer war, weil ich damals noch nicht wußte, daß es in der anderen Richtung viel näher einen anderen gibt. Ich wurde ganz nachdenklich in meinem "alten Einkaufsladen", und ich dachte an den Menschen, der ich vor zwei Wochen noch gewesen bin. Was nützt es mir jetzt, wo ich nicht mehr hier einkaufe, daß ich schließlich doch noch herausgefunden hatte, wie ich die Codenummern für Obst und Gemüse an der Waage eingeben konnte (man muß die Ziffern sehr schnell drücken, sonst bricht der Prozeß jedes Mal ab). Der Sicherheitsmann hat mich vielleicht wiedererkannt, ich bildete mir ein, daß er mir vertraute. Es ist auch schon kein Abenteuer mehr, die Chipkarte für den Bus ans Ablesegerät zu halten, ich habe inzwischen beobachtet, daß man, wenn man sich in der Tarifzone 1 bewegt, vorher nicht erst die Tarifzone auswählen muß, wie ich es immer getan habe, sondern die Karte gleich ans Gerät halten kann, bis es piepst. Mit diesem Wissen falle ich noch etwas weniger auf, ich bin hier sogar schon ein paar Mal nach dem Weg gefragt worden.

Es wird alles zur Routine, wenn ich mir vorstelle, daß ich die Strecke bis zur Endstation in Novi Beograd, die ich manchmal zum Spaß fahre, jeden Tag zur Arbeit fahren müßte, verfliegt ein bißchen die Euphorie, sich in der Fremde zu befinden, denn Bussen und Straßenbahnen wird hier vom durch die Autos verursachten, rund um die Uhr herrschenden Verkehrschaos ein ständiges Stop&Go aufgezwungen. Am besten, man stellt sich nach dem Einsteigen neben den Fahrer, dann kann man wenigstens aus dem Fenster gucken. Oft steigt ein Kollege oder Verwandter ein und sie unterhalten sich ein paar Stationen. Soweit ich verstehe, was sie sagen, geht es häufig um den Stundenlohn.

Beim Warten an einer Bushaltestelle kann man immer irgendeine Beton-Vorhangfassade skizzieren, um die geometrischen Muster zu analysieren und die Konstruktionsweise zu verstehen. Diese seriellen Ornamente sind oft von einer überlegen-nüchternen Schönheit. Im Jugoslawien der Vorkriegszeit hat man die Bauhaus-Mode aufgegriffen, was man an zahllosen Gebäuden sieht, um die sich niemand kümmert, aber auch nach dem Krieg hat man an einer strengen, überzeugenden Formensprache festgehalten (die meisten Gebäude der Jugo-Moderne sind in einem schlechten Zustand, sie werden nicht als Kulturgut betrachtet, mein Taxifahrer sorgte sich dafür um die serbischen Kirchen im Kosovo.) Überall werden die Lücken aber auch schon von vollständig mit Spiegelglas verkleideten Bankgebäuden gefüllt, oder von vernakulärer Postmoderne, wenn z.B. Autowerkstätten Portale mit neoklassizistischen Gipssäulen haben. (In Almaty sah man oft, daß Geschäfte im Parterre von Plattenbauten mit antikisierenden Eingangsportalen aufgewertet wurden, gerne auch mit der Venus von Milo.)

Ich arbeite noch am perfekten Stadtrundgang, der ein ästhetisches Erlebnis wäre, im Sinne des Kölner Künstlers Boris Sieverts, dessen Methode ich hier beschrieben habe, und bei der es um Intensitäten geht, jenseits eines ja stets subjektiven Schönheitsbegriffs. Belgrad scheint mir die Stadt der Schleichwege zu sein, man findet oft Durchgänge, die man nicht erwartet hätte. Am besten, man folgt den Menschen, die sich, wenn sie aus dem Bus ausgestiegen sind, zügig über Trampelpfade davonmachen, kaputte Betontreppen hochsteigen, durch einen Durchgang verschwinden, den man gar nicht gesehen hatte, oft begeistert einen dort, wo man wieder auftaucht, eine überraschende Perspektive oder das angenehme Mikroklima eines Innenhofs. Man wird beim Laufen mit Intensitäten belohnt, vielleicht gehe ich deswegen kaum noch in Museen oder Galerien, weil ich dort selten dasselbe empfinde, als wenn ich z.B. auf einer wackligen Fußgängerbrücke eine Autobahn überquere, die kilometerlang bis zum Horizont von Hochhäusern gesäumt ist. Städtische Schnellstraßen sind Relikte des Autozeitalters, Monumente des Individalverkehrs, Menetekel des Egoismus. Natürlich gibt es heute hier keinen politischen Willen, den öffentlichen Nahverkehr bevorzugt auszubauen, obwohl selbst Autofahrern klar sein müßte, daß das die Situation entspannen würde. Der Bau neuer Autobahnen wird hier noch als politischer Erfolg gefeiert, statt in die Schiene oder den öffentlichen Nahverkehr oder den Bau von Radwegen zu investieren, aber damit würde man keine Wahlen gewinnen. Ein Mann teilte meine Freude am Blick von der Autobahnbrücke, er stand hier mit seinem Hund und beobachtete die Dämmerung, offenbar beruhigte ihn das Rauschen der Autos, wenn man schon nicht angeln konnte.

Stadtplanerisch und ökologisch gesehen ist das abzulehnen, aber das Raumerlebnis ist beeindruckend. Ähnlich geht es mir mit den monumentalen Hochhäusern von Novi Beograd, man findet ja hier auch schon viele Beispiele für Gebäude aus den 80er Jahren, als man nicht mehr so hoch baute und die Häuser angedeutete Spitzdächer bekamen, was, vor allem wenn so ein Gebäude Patina ansetzt, jämmerlich aussieht. Dagegen gibt es Hochhäuser mit Sichtbeton von großer brutalistischer Klarheit, unter denen man sich wie am Fuß eines Bergmassivs fühlt. Auch hier gibt es oft Durchgänge, Betonrampen, seltsame Pfade aus verschachtelten Treppen, in die Jahre gekommenen Stadtmöbel, wie eine kreisförmige Beetumrandung aus hochkant gestellten U-Elementen. Ich könnte stundenlang das Mosaik der Balkons betrachten, die oft als Stauraum dienen und voller interessanter Objekte stehen.

Ich laufe auf Trampelpfaden neben der Autobahn, an Schulhöfen vorbei, auf denen Kinder lärmen, durch das Botschaftsviertel mit seinen Villen, auf Straßen ohne Bürgersteig, zwischen jugoslawischen Neubauten mit ihrem beeindruckenden Formenreichtum und einem reichen, informellen Leben zu ihren Füßen. Manche Bereiche verkommen, obwohl sie als Aufenthaltsorte geplant waren, in anderen spielen Kinder, oft auf Beton und an alten Klettergerüsten aus bunt gestrichenen Stahlrohren. Wenn man genauer hinsieht, erkennt man bei manchen Häusern nachträglich ergänzte Balkons und Dachkonstruktionen, oder es wurde im 30. Stock eine Terrasse zum Häuschen ausgebaut. Wie großartig muß der Blick von dort oben sein! Wie beim Biwakieren auf einem Bergplateau. Die "Blöcke" genannten Viertel teilen sich in kleinere Einheiten, überall gibt es Kioske, Spielplätze, Autowerkstätten, sehr häufig auch Friseure, Schuster und Läden, in denen Mobiltelefone repariert werden. Wenn man aus der Enge, der schlechten Luft und dem Verkehrschaos der Innenstadt mit Glück nach 10-15 Minuten Straßenbahnfahrt, mit Pech nach 45 Minuten, in die Weite der Neustadt kommt, für mich ist das immer wieder ein Erlebnis. Ich habe hier auch nicht so stark das Gefühl, an der Peripherie zu sein, wie in einem ostdeutschen Neubauviertel, die soziale Mischung scheint noch zu bestehen, aber ich kann mich auch irren.

Manchmal betrete ich beim Laufen schwitzend ein Gebäude, um das Atrium zu bestaunen, so bin ich in der National-Bibliothek gelandet, weil ich sie von vorne für ein leerstehendes Regierungsgebäude gehalten hatte. Im Foyer gab es eine Ausstellung zu den Illustrationen von Ljubica Cuca Sokić, einer Künstlerin, die 2009 mit 95 Jahren gestorben ist. Neben Märchenbüchern sah ich dort lebensfrohe Titelbilder der Pionierzeitschrift "Proletarac" (ein Mädchen mit einem Strauß Mohnblumen, Kinder, die mit Kreide etwas über den Tag der Republik an einen Lattenzaun schreiben, ein Hubschrauber, aus dem an Fallschirmen ein Teddybär und eine Spielzeugeisenbahn herabsegeln). Ich weiß nicht, ob es richtig ist, als Künstler für solch eine Zeitschrift zu arbeiten, aber ästhetisch stehen diese Bilder weit über dem, was man hier (und bei uns) heute am Kiosk oder in den Buchhandlungen für Kinder kaufen kann.

Mein Haus ist 1959 gebaut worden, von außen sieht es grau und heruntergekommen aus, aber die Wohnungen haben standardmäßig Terrazzo-Fußboden und Parkett. Das Datum der Fertigstellung "1959" haben die Bauarbeiter als Kieselstein-Intarsie in die erste Treppenstufe im Flur eingearbeitet. Das Haus grenzt direkt an ein viel höheres Neubaumassiv, das an der Hauptstraße steht, und aus den 70ern sein müßte, mit großartigen, vorkragenden, achteckigen Guckkastenbalkons. Diese Häuser sind so nah an mein Haus gesetzt worden, daß es mit einer Kante die Rückseite der neuen Nachbarn berührt. Solch eine "robuste" Stadtplanung ist eigentlich barbarisch, fasziniert mich aber, weil der Anblick so ungewöhnlich ist. Durch einen Durchgang kann ich zur Hauptstraße gehen, vor meiner Tür hatte dort neulich ein Rentner auf einem Campingtisch einen Stand für Kaugummis und Cola improvisiert. Ich fragte mich, mit welchen Kunden er hier rechnete, da leiteten Polizisten eine Gruppe Jugendlicher um die Ecke, um Leibesvisitationen vorzunehmen. Der Durchgang ist eine Abkürzung von der Bushaltestelle zum Pionier-Sportkomplex, in dessen Eisstadion man durch die Scheiben von außen reinsehen kann. Nach meinem Lauf hörte ich aus der anderen Halle laute Anfeuerungsrufe und fragte einen älteren Mann, es stellte sich heraus, daß dort ein Basketballspiel zwischen Partizan Belgrad und Lokomotive Krasnodar lief. Von außen klang es so laut und aggressiv wie bei einem Fußballspiel. Später ging der Strom von Zuschauern schwatzend unter meinem Balkon vorbei zurück zur Bushaltestelle. Bei einem anderen Lauf habe ich im sehr verfallenen "Stadion der Jugend" spontan ein Spiel beobachtet, es gibt verschiedene Aussichtspunkte in der Umgebung, von denen aus man kibitzen kann, einen guten Blick müßte man von einem der östlichen Balkons dieses "Toblerone" genannten Hochhauses gleich nebenan haben. (Hier werden andere markante Belgrader Neubauten beschrieben). Ungefähr 50 Fans "füllten" die Tribünen und machten einen Krach, als handle es sich um ein Champions-League-Spiel.

Nach längeren Läufen fühle ich mich manchmal wie der "Boy with a sore footeine Skulptur von Simeon Roksandić, die man im Nationalmuseum sehen kann, und die ein Denkmal des unbekannten Läufers sein könnte. Sonst hat mich dort am meisten eine Ausstellung mit von Kindern gemalten Bildern interessiert, Porträts im Stil von Picasso oder Papierschnipselkollagen wie von Matisse. Jedes dieser Bilder strahlte mehr Lebensfreude und Originalität aus als die deprimierenden Historienschinken und nachgemachten Impressionisten aus den oberen Räumen.

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Kommentare 3
  1. J. Schneider-Maessen
    J. Schneider-Maessen · Erstellt vor 20 Tagen ·

    Vor einiger Zeit bin ich damit begonnen, erst die Kommentare der Piqs zu lesen.

    Anhand der Kommentare zu erraten worum es in dem Piq gehen könnte ist nicht immer ganz einfach; aber auf diese Art habe ich neue interessante Themen und Texte entdeckt, die ich sonst nicht gelesen hätte.

    Vielleicht liesst ja noch jemand diesen Kommentar, der genauso wie ich unterwegs ist.

    Dann, viel Spass beim Lesen.

  2. Flavia Berger
    Flavia Berger · Erstellt vor 20 Tagen ·

    Ich kann nicht anders und denke an Miljenka Jergovic: "So viele Sprachen, das war ganz normal. In der Welt, in der mein Grossvater geboren wurde, war Mehrsprachigkeit nichts Besonderes. [...] Sein Europa war die Familie Europa, [...] mein Europa ist nur die Erinnerung an sein Europa [...] Ich hatte mir das vereinigte Europa, das war der Fehler, als vervollkommnetes, modernisiertes Österreich-Ungarn vorgestellt, ein Land, dessen Herrscher, unser guter alter Franz Joseph I., es für unabdingbar hielt, sämtliche Sprachen seines Reiches zu sprechen. [...] Bei allem Spott - Kakanien war eine Kulturgemeinschaft. Es zerfiel, weil es als Kulturgemeinschaft nicht mehr funktionierte. Wäre es als kapitalistisches Unternehmen angelegt gewesen, würde es wohl heute noch existieren [...]" (Die unerhörte Geschichte meiner Familie)

  3. Andreas Schabert
    Andreas Schabert · Erstellt vor 20 Tagen ·

    Dein Artikel ist großartig!

    Er erinnert mich daran, wie ich vor 6 Jahren ohne jegliche slawischen Sprachkenntnisse nach Belgrad kam. Ich hatte über airbnb für 4 Tage ein Zimmer in einer WG. Zum Glück sprach mein „Host“ recht gut Englisch und lieh mir sein Fahrrad. So bin ich mit dem Rad unter anderem nach Novi Beograd gefahren. Ich war überrascht, wie gut mir das Viertel gefallen hat, da es voller Leben, und nicht so verkehrs-gestresst war, obwohl ich als erstes an den Begriff Brutalismus dachte, der bis dahin für mich noch einen sehr negativen klang hatte.
    Die Wohnung war im 3 Stock eines herunter gekommenen Plattenbaus, das Treppenhaus hatte keine Kieselstein-Intarsien, sondern ausgetretene Treppenstufen und anstatt Parkett gab es abgeratzten Teppichboden. Die Tür meines kleinen Zimmers ließ sich nicht schließen, aber der Host und seine Freundin waren total nett und wir saßen öfters zusammen auf dem Balkon, schauten auf die Hinterhöfe und genossen die erste Sommerhitze (es war Ende April und es war über 30 Grad heiss).

    Zum Laufen suche ich wo es gibt, das Wasser. Ich habe mir also überlegt wie ich an die Donau komme und bin dann frühmorgens durch die halbe Stadt gerannt, an den Hafenanlagen vorbei, bis ich einen schönen Weg am Donauufer gefunden habe. Dummerweise war das Mündungsgebiet der Save völlig überflutet und hier war Schluss, ich konnte und durfte nicht weiter.

    In der gigantischen Hallen-Arena spielte Rammstein, der eigentliche Anlass für meinen Trip nach Belgrad. In der Straßenbahn dorthin wurde mir erklärt wie das System der Tickets funktioniert. Es erschien mir so kompliziert, dass ich beim Aussteigen schon wieder alles vergessen hatte. Natürlich auch weil ich so aufgeregt war, alleine in dieser fremden Stadt zu Rammstein! Inmitten von jugendlichen Rammstein-Fans! die es nicht fassen konnten, dass es sooo alte Rammstein Fans gibt (ich war damals 53 und wie alle Läufer bilde ich mir ein, deutlich jünger auszusehen…). Während in Deutschland vor der Halle viel getrunken wird, gab es in Belgrad Sonnenblumenkerne zum Knabbern aus kleinen Tüten aus Zeitungspapier. Da ich als Nicht-Balkanese nicht geübt war im Sonnenblumenkerne knabbern, und auch viel zu ungeduldig, gab ich es schnell auf, sie zu schälen und as sie händevoll mit Schale. Das Konzert selbst war nicht viel anders wie in Stuttgart, aber toll war der Heimweg. Ich war völlig aufgeladen vom Konzert, und bin den ganzen Weg zurück gegangen. Die ganze Stadt war voller Energie, und obwohl schon fast Mitternacht, waren die Straßen voller Menschen, die die erste laue Nacht genossen.

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