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Literatenfunk

Ann Beattie

Andreas Merkel

Sachbuchautor über Romane in Berlin. Letzte Veröffentlichung: "Mein Leben als Tennisroman" (Blumenbar). Kolumne "Bad Reading" im Freitag (das meinungsmedium).

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Andreas MerkelDienstag, 31.08.2021

Auf das Buch mit dem schicken Cover wurde ich durch einen Beitrag von Marius Goldhorn im Logbuch Suhrkamp aufmerksam, in dem es um sein Schreiben und Künstliche Intelligenz ging.

Dort schrieb Goldhorn:

Meine Lieblingsdialoge schreibt Ann Beattie. – Ich könnte tagelang nur solche Dialoge schreiben:

Marius Goldhorn sagte: Ja.

Jacob Teich sagte: Und?

Marius Goldhorn sagte: Und?

Jacob Teich sagte: Haha.

Erst wenn ich die Figuren kenne, ergibt das Sinn.

Ann Beattie kannte ich irgendwie als Name (in etwa so wie in der Frühstücksszene am Anfang von Reservoir Dogs: "Ann Munroe? Ann-Joyce Oates? Ann Sexton?..."), hatte aber nie was von ihr gelesen und stieß im Internet (hochdekorierte US-Autorin in ihren Siebzigern mit ein paar Romanverfilmungen) dann zunächst auf das unten verlinkte Andy-Warhol-Gespräch zwischen Heidi Julavits und ihr, in dem sie sich wie folgt über Dialoge äußert:

I guess I should confess that I think only very limited things can be gotten from conversation. Similarly, in my fiction, I think of dialogue primarily as filler, not as something to “advance the plot.” I don’t think that people do address things of substance head-on, and even when I listen to them in less anxious states, I both listen and don’t listen. I don’t think it’s only in fiction, of course, that meaning appears between the lines and off the page. I almost always assume there’s a disconnect, and a significant one, between what anyone is talking about and who they are, what they’d ideally talk about, what they mean to hide, what they don’t even realize they’re hiding, etc. They’re saying something, and then there’s always that Something Else that they’re not saying. But this makes it sound like it’s all a show for me. Since I distrust talk so much, I tend to express myself in other ways.

Die hohe Kunst des Lieblingsdialoge-Schreibens besteht also darin, nicht wirklich an Reden zu glauben. Das interessierte mich, und ich besorgte mir einen ihrer auf Deutsch erschienen Romane gebraucht. Damals in New York kam mit dem Trash-Cover (die Skyline bei Nacht? Seriously?) 2014 bei Atlantik raus, in der Übersetzung von Werner Löcher-Lawrence (im Original Walks With Men, 2010).

Der Roman spielt in einem superelitären New York der 80er, wo alle Harvard- und Juillard-Absolventen sind und wunderhübsche 20-jährige Autorinnen der New York Times Interviews über ihre eigene lost generation geben und dann von schwerreichen, berühmten 20 Jahre älteren Autoren geheiratet werden, die versprechen, ihnen im Gegenzug "alles über Männer" beizubringen ("eine andere Spezies") –  ... give me a break (man denkt natürlich sofort an Joyce Maynard und Salinger).

Das Buch könnte also unsympathischer nicht losgehen und ist auf 140 groß dedruckten Seiten eigentlich auch eher eine Short Story. Die Dialoge haben mich nicht gerade umgehauen, aber der Stil ist interessant. Ann Beattie treibt die amerikanische Kurzgeschichten-Lakonie so weit, dass einem ständig der Kontext verloren zu gehen und der ganze Minimal-Plot um die Ohren zu fliegen droht. Was zu einem eigenartigen "Was bleibt"-Rückschau-Effekt führt: Klischees werden plötzlich wieder so fremd, als hätte ein wortkarger Chinese mit einem westlichen Luxus-Problem die Untertitel zu einer amerikanischen Romantic-Dramedy aus dem Akademiker-Milieu verfasst (narzisstisch und selbstbezogen ist dann schnell der Vorwurf: Beatties Romane "make people hate academics", fand New York Times-Kritikerin Michiko Kakutani).

Am Ende ist der reiche, berühmte, ältere Ehemann in geheimnisvoll-verschwiegener Absprache mit der Ich-Erzählerin (sie erbt alles) verschwunden und wird für tot erklärt. Begleiteter Suizid bei schwerer Krankheit? Zeugenschutzprogramm? Nobody knows, und alle schreien Gatsby.

Ann Beattie

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