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Literatenfunk

Alles fließt

Quelle: Jan Kuhlbrodt

Jan Kuhlbrodt
Autor und Philosoph

*1966 in Karl-Marx-Stadt
Studium in Leipzig und Frankfurt am Main
Redakteur bei EDIT und Ostraghege
freier Autor
letzte Veröffentlichungen: Kaiseralbum (Verlagshaus Berlin), Das Modell (Edition Nautilus)

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piqer: Jan Kuhlbrodt
Donnerstag, 02.05.2019

Alles fließt

sich in Bettdecken einhüllend dreischichtig, ein unordentliches rechtssubjekt, eine eigenwillige handim abflussbecken der februartage.

Worte verraten. Worte sagen, neben dem, was sie bedeuten, etwas aus über den, der sie benutzt. Allein das Wort Rechtssubjekt verrät, dass der Autor einmal mit einer Sprache in Kontakt gekommen sein muss, die jegliche Daseinsweise unter juridischem Gesichtspunkt betrachtet. Der Dichter jedoch holt das Wort aus seinem angestammten Soziotop und implantiert es in den bettzerwühlten Alltag. Sprachverschiebungen.

Zunächst ein Wort zu einem kleineren Problem der Globalisierung, das mit ähnlichen Phänomenen einhergeht. Mit den Menschen kommen die Sprachen und mit den Sprachen kommen die Namen zueinander. Und beides, Namen und Sprachen bringen ihre Schreibweisen mit, und mit den Schreibweisen die Sonderzeichen, die mich im Umgang mit meiner Tastatur zuweilen überfordern. Aber somit sorgt die Globalisierung und die damit verbundene Verschiebung der Lebensmittelpunkte der Menschen auch dafür, dass ich mich in meinen typografischen Gewohnheiten nicht allzu bequem einrichten kann. Sie hält mich gewissermaßen auf trapp und fordert von meinem Hirn Beweglichkeit ein. Wenn ich dann allerdings die biografischen Angaben zum Autor des Buches Lese, komme ich mir doch vor wie ein schwerfälliger Dickhäuter, der seinen Lebensmittelpunkt kurzzeitig von Sachsen nach Hessen und wieder zurück verlegte.

Safak Sariçiçek, geboren 1992 in Istanbul. Abitur an der Deutschen Schule Istanbul und anschließendes Biowissenschaftsstudium. Ab 2012 Studienfachwechsel zu Jura, Redakteur der Studentischen Zeitschrift für Rechtswissenschaft. Auslandsjahr in Kopenhagen. Examenskandidat der 1. Juristischen Staatsprüfung an der Universität Heidelberg. Mitbegründer des jungen Literaturtreffs echolot.heidelberg.

Diese Beweglichkeit schlägt sich auch in seinem zweiten in Deutschland veröffentlichten Gedichtband wieder. Der erste erschien 2017 im Elif Verlag und hieß Spurensuche, in diesem Band initiierte Sariçiçek gewissermaßen das, was er im Buch „der gestaute und der frei fließende fluss“, das im Verlag Brot und Kunst erschienen ist, nun fortsetzt. 

Die Gedichte setzen sich sowohl mit geografisch Kleinteiligem, mit einer Betrachtung in Hamburg beispielsweise,

grafitti als habe ein geriebener rieseeinen eimer farben durch die stadt getragen.

aber auch mit der politischen Großwetterlage auseinander. Der Band ist aber auch durchsetzt mit Liebesgedichten.

Ein schönes Buch und schön gestaltet unter Verwendung von Zeichnungen des Bruders der Autors Deniz Sariçiçek. Es handelt sich dabei um kleine skurril anmutende Arbeiten, Weiß auf Schwarz, filigran und verspielt.

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Kommentare 1
  1. Uwe Protsch
    Uwe Protsch · Erstellt vor 3 Monaten ·

    War das jetzt Absicht mit "auf trapp" statt "auf Trab"?

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