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Liebe, Sex und Wir

Oskar Piegsa
Redakteur bei "Zeit Campus" & Autor für "Die Zeit"
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piqer: Oskar Piegsa
Mittwoch, 03.08.2016

Wieso Kleinkinder sich in einigen Kitas unter Aufsicht der Erzieher ausziehen und anfassen dürfen

Wenn von Kindern und Sex die Rede ist, wird mir unwohl. Das ist ein Reflex, der ursprünglich vielleicht allein in meiner Prüderie begründet war, der aber genährt worden ist durch immer neue Enthüllungen von Erwachsenen, die ihre sexuellen Bedürfnisse an Kindern auslebten, ohne Rücksicht auf deren Gesundheit und Wohlergehen.

Noch bevor ich an etwas anderes denken kann, fallen mir die Priester und Reformschullehrer ein, die ihre Schutzbefohlenen missbrauchten. Der Politiker, der Nacktfotos von Kindern kaufte, offenbar um dazu zu masturbieren, und der sich bis heute nicht richtig dazu äußert. Und die Jahre, in denen Kindesmissbrauch in Deutschland bis in angesehene Zeitungen hinein verharmlost wurde.

Das ist mein erster Gedanke. Der zweite: Es ist falsch, Sexualität mit sexualisierter Gewalt zu verwechseln. Kindliche Lust zu leugnen und zu tabuisieren, weil einige Erwachsene mit ihrem eigenen Begehren nicht angemessen umgehen, ist eine Form von victim blaming, die vermutlich niemandem hilft, sondern weitere Probleme schafft.

Deswegen hat mir der Text von Katrin Zeug imponiert, der sachlich, knapp und unaufgeregt schildert, wie in einigen Kitas sowie in den Erziehungs- und Sexualwissenschaften über frühkindliche Sexualität nachgedacht wird.

Dort heißt es:

Man darf kindliche Sexualität niemals durch die Brille der erwachsenen Sexualität sehen.

Und:

Man muss Kinder nicht aktiv zum Doktorspielen anleiten oder sie bei der Entwicklung in diese Richtung unterstützen, wie es zum Teil in den siebziger Jahren noch proklamiert wurde. Aber man muss es ihnen ermöglichen und ihnen dafür Rückzugsecken bieten.

In einigen Kitas ist es deshalb okay, wenn Kinder sich ausziehen und gegenseitig anfassen – solange dabei Regeln gewahrt bleiben, die eine Erzieherin schildert:

1. Niemand steckt einem anderen Kind etwas in die Nase, ins Ohr, in den Po oder in die Scheide.

2. Nein heißt nein.

Ganz ausgetrieben hat mir das mein Unwohlsein nicht – aber ich bin dankbar für diesen Denkanstoß.

Wieso Kleinkinder sich in einigen Kitas unter Aufsicht der Erzieher ausziehen und anfassen dürfen
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Kommentare 3
  1. Nils Pickert
    Nils Pickert · vor etwa einem Jahr

    Lieber Oskar,
    guter piq zum Einstand in diesen Kanal.

    LG
    Nils

    1. Oskar Piegsa
      Oskar Piegsa · vor etwa einem Jahr

      Danke!

  2. Katrin Rönicke
    Katrin Rönicke · vor etwa einem Jahr

    wichtig!