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Liebe, Sex und Wir

Jennifer Sutholt
Blogger

Seit zwei Jahren habe ich mit einem Co-Vater eine kleine Tochter und blogge über unsere etwas andere Familie. Anderen Frauen und Männern Mut machen, neue Ansätze finden, das Aufbrechen verkrusteter Strukturen, das ist meine Intention.

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piqer: Jennifer Sutholt
Mittwoch, 28.11.2018

Nachhaltige Schuldgefühle

Der Tag, an dem Twitter in der Elternbloggerblase abbrannte, begann mit einem kleinen Retweet eines Zitates aus Milenas Rede auf dem Heldenmarkt. Und daraus entstand  der Krieg zwischen denjenigen, die mit erhobenem Finger warnen, dass es kurz vor Zwölf ist und jeder Verantwortung gegenüber der Umwelt hat und denjenigen, die sanft schieben und informieren wollen oder die Entscheidung lieber  jedem selbst überlassen. In Milenas Text versucht sie zu erklären, warum sie diesen Weg gewählt hat

Denn ich bin es leid Leuten, die mit mir das Gespräch suchen, Absolution zu erteilen für fadenscheinige Argumente warum sie nicht nachhaltig konsumieren bzw. auch nur darüber nachdenken wollen.

Nora Imlau argumentierte in ihrem Artikel gegen den Druck. Es sei nicht in Ordnung, Schuldgefühle bei sowieso schon überlasteten Eltern zu erzeugen.

Ich hatte immer ein schlechtes Gewissen... Es war erschöpfend. Es war ermüdend. Es war ein Kampf, den ich nicht gewinnen konnte. Für mich persönlich war es deshalb eine ganz wichtige Botschaft, in diesem Moment zu hören: Du bist gut, so wie du bist. Und du hast jedes Recht, dir deinen Alltag so leicht zu machen, dass du und deine Familie glücklich leben können. Bevor du gut für die Welt sorgen kannst, musst du erstmal gut für Dich selbst und Deine Kinder sorgen. Das ist jetzt deine Aufgabe.

Eine weitere Meinung dazu ist hier zu finden. Die Autorin spricht sich ebenfalls gegen das deutliche Aufzeigen von Fehlverhalten aus, findet aber den gefundenen Konsens auch zu wenig.

Jede_r soll machen, was er_sie kann. Das ist oft der kleinste gemeinsame Nenner in der Eltern-Mütter-Social-Media-Blase. Alle sind scheinbar zufriedengestellt. Aber dieser Allgemeinplatz ist mir wiederum zu wenig. Damit ist zum einen nämlich die Schuldfrage nicht gelöst, die sich beim Blick in den vollen Wegwerfwindeleimer dann ja trotzdem stellt. Zum anderen wird der Blick darauf verdeckt, dass es in unserer Gesellschaft eben vieleviele Baustellen gibt. 

Nachhaltige Schuldgefühle
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Kommentare 5
  1. Moritz Orendt
    Moritz Orendt · Erstellt vor 7 Monaten ·

    Klar Team Milena.

    Der letzte Satz von Nora Imlau "Ihr tut genug." ist halt einfach Realitätsverweigerung. Das kann man sich natürlich einreden, ist dann wie bei Matrix, wenn man die andere Pille wählt.

    Das hier für mich durchscheinende Wettrüstten unter Eltern, wer der ökologischste ist, ist natürlich auch abzulehnen. Aber ökologischer Konsum muss auch nicht schwer sein: Nicht fliegen, kein eigenes Auto, wenig Fleisch.

    1. Marcus von Jordan
      Marcus von Jordan · Erstellt vor 7 Monaten ·

      ...aber hallo. Erst mal können wir uns darauf einigen, dass wir alle sowieso nicht genug tun können. Das Mindeste, was man aber tun muss, ist dass man denjenigen, die sich bemühen die Stange hält und sie stark macht und nicht rum mimimiht, wenn man den Spiegel vorgehalten bekommt.

  2. Jennifer Sutholt
    Jennifer Sutholt · Erstellt vor 7 Monaten ·

    Ich glaube auch, das gegenseitige Niedermachen ist genauso falsch wie das komplette Ignorieren.
    “Ich kann mich mit zwei Kindern nicht im Supermarkt hinstellen und Inhaltsstoffe lesen”, lautete ein Tweet und das genau die Ausrede, auf der sich so viele ausruhen. Das finde ich sehr schade. Gerade mit Kind macht man sich doch sowieso um alles und jedes Gedanken, da schaden ein paar mehr auch nicht. Sicher muss sich keiner den Schlaf stehlen lassen von seinem schlechten Gewissen, weil er Wegwerfwindeln benutzt, aber wissen, dass das eigentlich falsch ist, das sollte man schon. Kann man ja an anderer Stelle versuchen zu kompensieren. Aber einfach wegschauen ist einfach nicht mehr drin.

  3. Claas Goldenstein
    Claas Goldenstein · Erstellt vor 7 Monaten ·

    Weder noch!

    Contra:
    Es ist tatsächlich nicht sinnvoll, dass Leute ne Viertelstunde ihr Shampoo googeln müssen, um eine bewusste Kaufentscheidung zu treffen, die ohne Bachelor kaum allein zu treffen ist.

    Normale Leute müssen, indem sie in normale Läden gehen und dort aus dem mittleren Regal ohne viel spezielles Vorwissen ein Produkt greifen, eine nachhaltige Kaufentscheidung treffen __können__. Dafür braucht es vor allem Gesetze und Vorschriften. Erst danach wird Konsument*innenethik wirklich interessant.

    Pro:
    Natürlich gibt es auch jetzt schon Dinge, die man relativ einfach tun (oder besser lassen) kann, um damit schon einen sehr großen Unterschied zu machen. Dafür können und müssen alle auch jetzt schon im Sinne Milenas in die Verantwortung genommen werden:

    Keine Flugreisen/Kreuzfahrten, nachhaltige Bankkonten/Geldanlagen (!), wenig Fleisch, Ökostrom, weniger Wohnfläche, kein Auto im Stadtbereich.

    Damit ist schon viel getan und das ist jeder*m zuzumuten.

    1. Jennifer Sutholt
      Jennifer Sutholt · Erstellt vor 7 Monaten ·

      Dem Pro stimme ich uneingeschränkt zu, beim Contra muss ich sagen, ja, es sollte bessere Gesetze geben, natürlich, die Lobbyarbeit, die die Lebensmittelindustrie leistet, um ihr ganzes Zeug unter die Leute bringen zu dürfen, gehört verboten. Aber trotzdem sind wir doch mündige Verbraucher, denen man ein bisschen Recherche schon zutrauen kann. Zumal man sich in der heutigen Zeit mit Internet, Fernsehen und Organisationen wie Foodwatch und Greenpeace schwer herausreden kann, dass man das aber nicht gewusst hat. Bessere Gesetze ja, gerne auch von kritischen Verbrauchern erzwungen.

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