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Liebe, Sex und Wir

Antje Schrupp
Politikwissenschaftlerin, Journalistin
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piqer: Antje Schrupp
Samstag, 07.01.2017

Ist die Pubertät ein Grund zum Feiern? Für Mädchen in Deutschland eher nicht.

Wie eine Kultur den Übergang von der Kindheit ins Erwachsenenalter praktiziert, sagt viel über ihre Vorstellung von Geschlecht, von Sex und Liebe, von Körperlichkeit und Beziehungen aus. Entsprechend haben kulturelle Faktoren einen starken Einfluss darauf, wie Jugendliche die Pubertät erleben. In Indien zum Beispiel freuen sich vor allem Jungen aufs Erwachsenwerden, weil sie glauben, dass man alles erreichen kann, wenn man groß und stark ist. Wenn Mädchen ihre erste Menstruation bekommen, wird das Verwandten und Freunden stolz am Telefon erzählt, sie bekommen Geschenke und Lebenstipps. In Kenia hingegen bewerten vor allem Jungen die Pubertät negativ, sei es aus Angst vor der dann üblichen Beschneidung oder weil sie erwachsenes Mannsein mit Perspektivlosigkeit und Gewalt verbinden.

In einer internationalen Studie erhebt Karina Weichold, die Leiterin des Lehrstuhls Entwicklungspsychologie an der Universität Jena, solche kulturellen Unterschiede - zwölf Länder hat sie bereits untersucht, acht weitere sollen im Lauf des Jahres folgen.

Vor allem eines der bisherigen Ergebnisse muss uns nachdenklich stimmen: Nirgendwo sonst bewerten Mädchen die Pubertät so negativ wie in Deutschland. Sie glauben nicht, dass ihr Körper schöner wird, sondern sehen ihn eher hässlicher werden. Eine erwachsene Frau zu sein, das scheint hierzulande aller Emanzipation zum Trotz offenbar noch immer nicht erstrebenswert. Da könne man fast neidisch werden auf die Mädchen in manchen Regionen Ghanas: Wenn sie zum ersten Mal ihre Tage bekommen, wird das vom ganzen Dorf bei einer festlichen Prozession gefeiert. 

Vielleicht müssen wir ja nicht gleich wieder komplexe Initiationsriten erfinden. Aber es stimmt, was Weichold sagt: "Wir sollten unseren Kindern vermitteln, dass Erwachsenwerden nichts Schlimmes ist – sondern ein Grund zu feiern."

Ist die Pubertät ein Grund zum Feiern? Für Mädchen in Deutschland eher nicht.
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