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Liebe, Sex und Wir

Katrin Rönicke
Autorin und Podcasterin
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piqer: Katrin Rönicke
Dienstag, 10.05.2016

„Ich habe das Gefühl, auf unserer Stirn steht: Bitte schlag mich.“

Liebe kann blind machen - blind für Probleme, für Gewalt gar. Immer wieder hört man Geschichten, in denen Frauen Jahre oder gar Jahrzehnte bei ihren Peinigern bleiben. 

Häusliche Gewalt - wie viele Menschen sind betroffen? Warum entsteht sie? Was sagen Psychologen und was die Statistik? Und vor allem: Wie sehen die Geschichten hinter der Statistik aus? 

Das Rechereche-Büro correkt!v hat sich diesen vielen Fragen gewidmet. Vor allem aber wird eine Geschichte erzählt, die von Anja, anhand derer all die seltsamen Mechanismen zu beobachten sind, die für Außenstehende oft merkwürdig scheinen: Aushalten, hoffen und vertuschen - obwohl die Gewalt unverkennbar längst Grenzen überschreitet. Und was ist mit dem Umfeld?

"Die Nachbarn haben einen Schlüssel, kommen in die Wohnung und holen das Kind. Das tun sie gelegentlich, wenn es bei ihnen laut wird. Die Polizei rufen sie nie."

Anja, die geschilderte Frau im Text, hat selbst Gewalt in ihrer Kindheit erlebt und setzt in ihrem eigenen Leben dieses Muster mit ihrem Partner und Vater ihrer Kinder fort. Jahrelang pendelt sie zwischen Frauenhaus und erneuter Hoffnung, zwischen Liebe und Flucht, zwischen einem Idealbild von Familie und der bitteren Realität:

"Die Wörter 'eine Familie' sind wichtig für sie."

Leider hangelt sich der Artikel fast nur an diesem einen Fall entlang - mehrere verschiedene Geschichten hätten mir gut gefallen. Doch auch diese eine zeigt in ihren vielen Facetten, wie häusliche Gewalt entsteht und warum es wichtig ist, dass wir alle gut auf unsere Freunde und Bekannten achten - denn nicht immer sind diese in der Lage, sich in solchen Situationen selbst zu schützen. Die Einschätzungen von Psycholog_innen und Polizei runden den Text ab, Hilfsangebote und Gesetzeslage werden außerdem ausführlicher erläutert - auch das ist wichtig, um die Opfer zu ermächtigen sich aus ihrer scheinbar ausweglosen Lage zu befreien. 

„Ich habe das Gefühl, auf unserer Stirn steht: Bitte schlag mich.“
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