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Judka Strittmatter
piqer: Judka Strittmatter
Donnerstag, 09.11.2017

Hollywood: Ridley Scott schneidet Kevin Spacey

Liebes Publikum, lasst uns diskutieren: Erfolgsregisseur Ridley Scott schneidet Kevin Spacey aus seinem neuesten Film "Alles Geld der Welt" – und das sechs Wochen vor der Kinopremiere. Ist das noch angemessen? Oder dreht Hollywood da gerade durch? Sind die Belästigungsvorwürfe gegen den Schauspieler nur ein Vorwand, weil die Studios lediglich Angst haben Geld an der Kinokasse zu verlieren? Fürchtet man, die Preiswürdigkeit des Filmes fällt aus, wenn Spacey drin bleibt? Kann und darf das alles passieren, ohne dass Spacey rechtskräftig verurteilt wurde? Galt nicht gerade in Amerika ganz besonders "in dubio pro reo"? Und wann bitte schön tauschen wir uns darüber aus, dass es ohne Persönlichkeitsstörungen, Narzissmus und Größenwahn GAR KEINE Kunst gäbe? (siehe auch Borwin Bandelow "Celebrities") Für alle Zweifler: Ich könnte dazu persönliche Angaben machen, ich habe es selbst erlebt in der Familie. 

Hollywood: Ridley Scott schneidet Kevin Spacey
7,7
11 Stimmen
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Kommentare 24
  1. Achim Engelberg
    Achim Engelberg · vor 8 Monaten

    »Wladimir: Nun wird es wirklich sinnlos.
    Estragon: Noch nicht genug.«
    Warten auf Godot, Samuel Beckett

    Ab wann wird die Filmgeschichte neu gedreht?

  2. Marcus von Jordan
    Marcus von Jordan · vor 8 Monaten

    Netflix hat ja einen ganzen Spielfilm mit Spacey in der Nachproduktion und hat angekündigt ihn einzubehalten. Abgesehen von seinem Ende bei House Of Cards. Es sind 2 Themen: einmal die Verurteilung ohne Urteil und einmal die Frage wie geht man mit dem kulturellen Werk von Arschlöchern um. Den Institutionen würde ich schon auch eher raten zumindest rückwirkend die Füße still zu halten. Oder hängt das Moma jetzt auch die Bilder von Gauguin ab? Tatsächlich belastet es meine Freude an seinen Bildern schon, wenn ich weiß von seinen päderastischen Eskapaden. Und Kinski freut mich auch nicht mehr, seit dem seine Tochter ausgepackt hat. Letztlich überlass ich das dann auch Scott und Netflix zu entscheiden, wie sie damit umgehen wollen. Aber die "usual suspects" fallen mir grad ein - muss ich unbedingt mal wieder anschauen!

    1. Judka Strittmatter
      Judka Strittmatter · vor 8 Monaten

      ich auch! die usual suspects! neulich noch gedacht.

    2. Dirk Liesemer
      Dirk Liesemer · vor 8 Monaten

      Tja, aber es gibt immer auch Überhitzungen der Debatte, siehe Caravaggio und aktuell Egon Schiele www.welt.de/reise/sta...

    3. Judka Strittmatter
      Judka Strittmatter · vor 8 Monaten

      @Dirk Liesemer Ist doch alles nicht wahr....

    4. Dirk Liesemer
      Dirk Liesemer · vor 8 Monaten

      @Judka Strittmatter Ähm, wie ist das gemeint?

    5. Judka Strittmatter
      Judka Strittmatter · vor 8 Monaten

      @Dirk Liesemer Ich finde das skandalös, den Schiele zu verprüdern. Freiheit der Kunst.

    6. Dirk Liesemer
      Dirk Liesemer · vor 8 Monaten

      @Judka Strittmatter In der Tat, aber die Werbeindustrie wird auch immer bigotter.

  3. Fabian Goldmann
    Fabian Goldmann · vor 8 Monaten

    Liebe Judka, danke für den Piq, den Zeit-Text hab ich nicht gelesen, aber deine Diskussionsaufforderung finde ich gut. Ich versuchs mal:
    *Dreht Hollywood durch?
    Ja, bestimmt, aber eigentlich ja auch immer.
    *Sind Belästigungsvorwürfe nur ein Vorwand?
    Erst einmal sind Belästigungsvorwürfe Belästigungsvorwürfe. Bevor man den mutmaßlichen Opfern falsches Spiel unterstellt, sollte man selbst paar gute Indizien haben.
    *Geht's den Studios nur um Geld und Preise?
    Bestimmt.
    *Vorverurteilung?
    Einer der ungeachtetsten Nebenschauplätze dieser und vergangener Debatten ist m.E. tatsächlich der Verfall der (gesellschaftlichen) Unschuldsvermutung. Bei Fällen wie Cosby wo gefühlt 100 Vergewaltigungsvorwürfe über Jahre nicht ausreichen, um überhaupt nur ein Verfahren zu eröffnen, kommt der Verweis auf die Unschuldsvermutung auch an seine Grenzen. Aber in Fällen wie Spacey, wo eine handvoll Anschuldigungen nach ein paar Tagen schon das Karriereende bedeuten, habe ich auch ein ungutes Gefühl
    *Braucht Kunst das?
    Naja, das ist mir zu beliebig. Kunst gedeiht sicherlich auch prächtig in einem Größenwahn aus unbewiesene Anschuldigungen, die Hollywood-Monumente zum Einsturz bringen. ... 1/2

    1. Fabian Goldmann
      Fabian Goldmann · vor 8 Monaten

      2/2 Ich hab auch noch ein paar Fragen:
      Warum stellen wir uns diese Fragen (das gilt auch für mich) bei Spacey, aber nicht bei Weinstein oder anderen?
      Weil wir Spacey in der Rolle eines schwulen Mannes normalerweise als Opfer und nicht als Täter wahrnehmen? (vielleicht)
      Weil wir Spaceys mutmaßliche Opfer (Männer) normalerweise als Täter und nichts als Opfer wahrnehmen? (glaube schon)
      Weil wir Spacey aus so tollen Filmen kennen? (auf jeden Fall)

    2. Judka Strittmatter
      Judka Strittmatter · vor 8 Monaten

      @Fabian Goldmann Ich glaube vor allem, weil wir Spacey eigentlich sehr mochten. Und es fällt mir schwer, hier das Präteritum zu verwenden – ganz ehrlich. Ich dachte auch immer (aber so sind wir Menschen wohl), dass einer, der so gnadenlos gut die Verkommenheit der Politik im Weißen Haus dargestellt hat, ein Guter sein muss. Ist natürlich naiv. Es zeichnet sich immer mehr ab, dass man Künstler und Privatmensch trennen muss. Wenn man denn kann. Hierzu auch gut: www.zeit.de/kultur/fi...

    3. Jan Paersch
      Jan Paersch · vor 8 Monaten

      @Judka Strittmatter Natürlich muss man Künstler und Privatmann trennen. Fela Kuti ist eines der größten Genies der Musikgeschichte, aber wenn jemand heute Frauen auch nur halb so mies behandeln würde, säße er längst im Knast (hoffentlich auch in Nigeria). Das gleiche gilt für Kinski. Ich muss zugeben, dass ich mich schwertue, die Postkarte von ihm, die seit langen Jahren an meinem Spiegel hängt, zu entfernen. Ich habe großen Respekt vor seinem filmischen Werk.

    4. Judka Strittmatter
      Judka Strittmatter · vor 8 Monaten

      Lieber Fabian, danke! Ich habe gepatzt, natürlich sind Belästigungsvorwürfe das, was sie sind. Der Satz muss richtig heißen: "Sind die Belästigungsvorwürfe gegen den Schauspieler nur ein Vorwand, weil die Studios lediglich Angst haben, Geld an der Kinokasse zu verlieren?"

    5. Dirk Liesemer
      Dirk Liesemer · vor 8 Monaten

      Gut, dass hier mal auf den Verfall der Unschuldsvermutung hingewiesen wird. Nicht zuletzt im Falle von Spacey sollte man vorsichtig formulieren. Sonst gibt es nämlich schnell Applaus von einer Seite, mit der man eigentlich nichts zu tun haben möchte.

  4. Achim Engelberg
    Achim Engelberg · vor 8 Monaten

    Ein guter Kommentar.
    www.berliner-zeitung.de/kultur/fi...
    Ich finde die Reaktion der Scheinheiligen eklig, gefährlich und zerstörisch. Die IS der Kulturindustrie, Fundamentalisten des Gewinns.
    Bislang gibt es nur Anschuldigungen, wovon einige wahrscheinlich berechtigt sind. Ob die Taten das Ausmaß von Kinski annehmen, der hier immer wieder genannt wird, weiß ich nicht und zweifle, ob das einer von uns angemessen beurteilen kann.
    Apropos Kinski:
    Seine Wutausbrüche fand ich immer abstoßend, aber das bleibt groß, selbst wenn noch größere Verbrechen, die er begangen hat, rauskommen:
    www.youtube.com/watch
    Wer glaubt, dass Villon das ohne kriminelle Energie dichten und Kinski das so vortragen konnte, ist wahrscheinlich dumm, sicher versteht er nichts von den Voraussetzungen von Kunst.

    1. Judka Strittmatter
      Judka Strittmatter · vor 8 Monaten

      Ich mag auch diesen besonnenen Text vom Zeit-Kollegen Soboczynski: www.zeit.de/2017/46/s...

      Zitat: "Man hat jedenfalls selten eine Debatte erlebt, auf die unter Freunden oder in der Familie mit größerem Befremden geblickt wird."

      Stimmt leider absolut. Ein Mediending. Absolution für uns sendungsgeile Medienfuzzis!

  5. Judka Strittmatter
    Judka Strittmatter · vor 8 Monaten

    Liebe Alle, mir gefällt sehr gut der Kommentar von Peter Richter in der Süddeutschen. Wie immer auf den Punkt, der Mann.

    www.sueddeutsche.de/kultur/us...

    Vorspann: "Keiner ist gezwungen, die Arbeit eines Menschen anzuschauen, den er verabscheut. Kevin Spacey aus einem Film zu schneiden, ist kein besonders tröstliches Zeichen für das kulturelle Klima der Gegenwart."

  6. Judka Strittmatter
    Judka Strittmatter · vor 8 Monaten

    Und danke auch Thea Dorn für ihren Beitrag im Deutschlandfunk.
    www.deutschlandfunkkultur.de/thea-dorn...

    Zitat: "Vor 30, 40 Jahren hat man dem Künstler zugestanden, gewissermaßen ein 'halber Outlaw' zu sein. Mittlerweile, in unserer eben – wie ich sagen würde – hysterisch-bigott hypermoralisierten Gesellschaft, wo wir angeblich so viel toleranter sind und libertärer, erwarten wir von einem Künstler, dessen Antriebskraft natürlich auch das Abgründige sein muss, die Lust daran, über die Stränge massiv zu schlagen, - dass sollen auf einmal alles brave Schwiegersöhne und Benimmlehrer sein?"