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Liebe, Sex und Wir

Thomas Rehehäuser
Thomas Rehehäuser
Community piq
Montag, 04.02.2019

Führst Du ein Leben im Kühlschrank?

Unsere Kultur verführt zur Distanz. Smartphone, soziale Medien, Wochenendbeziehungen, über 40 % Singlehaushalte, hohe Reisetätigkeit ... Dabei ist Nähe, Beziehung und Berührung ein UR-menschliches Bedürfnis, welches unabhängig von der Kultur ist.

Biologisch ist es Oxytocin, welches zentral dafür ist:

»Oxytocin ist ein Peptid, das im Hypothalamus gebildet wird, einem uralten Teil unseres Gehirns. Es ist sowohl ein Hormon, das im Blutkreislauf seine Wirkung entfaltet, als auch ein Neurotransmitter, der im Gehirn Prozesse in Gang setzt, die unser Empfinden, Denken und Handeln steuern. Das Oxytocinsystem ist somit die Schaltstelle zwischen unserem Sozial- und unserem Innenleben. Es bewirkt die Fähigkeit, zu vertrauen, in sozialen Austausch zu treten, neugierig zu sein und sich zu entspannen. Kurz: Eine Gesellschaft ohne Oxytocin funktioniert nicht.«

Beziehungen mit Nähe, mit Berührung fördern das Oxytocin. Doch wir trennen einander immer mehr: Die Kinder von den Eltern, den Kinder von den Geschwistern, die Alten von den Jungen, die Gesunden von Kranken ...

Uvnäs Moberg beschäftigt sich seit 40 Jahren damit, sie meint:

»Der Mensch ist weniger dafür gemacht, jemand zu sein, als vielmehr, zu jemandem zu gehören“, lautet das Fazit der Physiologin. In einer Welt, in der Unabhängigkeit als wichtig erachtet wird, ist das ein provokantes Statement.«

Damit wird klar, dass vor allem Männer damit ein Thema haben. Viele leben in dieser Hinsicht im Kühlschrank. Sie nehmen ihr Nähebedürfnis gar nicht mehr wahr, das von anderen ebenfalls nicht mehr. Es ist kalt in ihrem Leben!

Kuschelpartys als Lösung?

»Dass Berührung und Nähe nicht mehr selbstverständlich zum Leben vieler gehören, spiegelt sich darin, dass es inzwischen in jeder größeren europäischen Stadt Kuschelpartys gibt. 2004 veranstalteten ein Sexualtherapeut und seine Partnerin in New York das erste dieser Treffen.«

Uvnäs Moberg meint Nein:

»Was wir brauchen, ist Nähe in unseren eigentlichen Beziehungen.«

Hast Du genügend Nähe?

Führst Du ein Leben im Kühlschrank?
9,4
15 Stimmen
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Kommentare 5
  1. Moritz Orendt
    Moritz Orendt · Erstellt vor 3 Monaten ·

    Wichtiger Text. Wir wollen Hühner und Schweine artgerecht halten (das finde ich natürlich gut), aber bei den Menschen machen wir uns da wenig Gedanken, was sie eigentlich brauchen.

    Dass wahrscheinlich die meisten Menschen unterkuschelt sind, ist mir das erste Mal bei der Lektüre eines Baby-Buchs aufgefallen. Wichtiges Buch: https://www.randomhous...

    1. Thomas Rehehäuser
      Thomas Rehehäuser · Erstellt vor 3 Monaten ·

      Danke Moritz für den Buchtipp!

  2. Worti Martens
    Worti Martens · Erstellt vor 3 Monaten ·

    Ich lebe definitiv im Kühlschrank und weiß erst seit kurzem, dass ich depressiv veranlagt bin. Depressionen sind zwar nicht die monokausale Ursache von Kühle, aber Depressionen sind oft die Folge von den eigentlichen tief liegenden Ursachen. Es liegt mir zwar fern, andere Menschen im Vorbeigehen zu diagnostizieren, aber ich bilde mir ein, im Alltag nicht wenigen Menschen zu begegnen, die wie ich oft innerlich leer sind und denen es folglich an einer ganz bestimmten Nähe mangelt, der Nähe zu sich selbst.

    Klar ist ein nahes soziales Umfeld wichtig, es bringt aber nichts, wenn man es nicht an sich ran lässt. Deshalb halte ich Kuschelpartys nur bedingt für hilfreich. Dem einen oder anderen mag es Mut machen und positive Erfahrungen bringen, aber entscheidend ist meiner Ansicht nach, dass man sich dem Gegenüber öffnen kann. Und das gelingt nur, indem man sich vor sich selbst öffnet und all das aushält oder besser: begrüßt, was zum Vorschein kommt. In einem Umfeld, das die Haltung in sich trägt, man habe zu glänzen, möglichst fehlerfrei zu sein und sich generell ständig zu messen und zu vergleichen, fällt das natürlich schwer. Ich behaupte mal, dass die Art und Weise, wie die Menschen das Internet nutzen, diese Haltung unbewusst fördert.

    1. Thomas Rehehäuser
      Thomas Rehehäuser · Erstellt vor 3 Monaten ·

      Hallo Worti,
      als ich Deine Worte las kam folgende Frage in mir zum Ausdruck: Fördert das Internet die innere Leere? Auf der einen Seite ermöglicht das Internet den Austausch mit Menschen, die ich im "realen" Leben nie gehabt hätte (wie jetzt mit Dir). Eine große Bereicherung! Auf der anderen Seite fehlt die physische Präsenz, dass vorbei kommen, die Begegnung.
      Als ich noch auf Facebook war, und jemand schrieb, es geht ihm oder ihr nicht gut, da kam postwendend sehr viel positive - verbale - Unterstützung und Aufmunterung. Doch wer war wirklich da, wer kam vorbei, kochte zwei Tassen Tee und hörte einfach nur zu?
      Danke für den Gedanken-Austausch mit Dir.
      Thomas

  3. Judka Strittmatter
    Judka Strittmatter · Erstellt vor 3 Monaten ·

    Großartiges Thema! Danke dafür!