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Liebe, Sex und Wir

Oskar Piegsa
Redakteur bei "Zeit Campus" & Autor für "Die Zeit"
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piqer: Oskar Piegsa
Sonntag, 11.09.2016

Die Mutter als Sex-Ikone: Ist die Milf eine revolutionäre Figur?

Im Sommer veröffentlichte die Pop-Sängerin Fergie ihren Song M.I.L.F.$ (unten gepiqd). Im Musikvideo wird sie unterstützt von einigen der erfolgreichsten Frauen der amerikanischen Unterhaltungsbranche. Von Frauen, die sich nicht bloß als sexy inszenieren, sondern ganz ausdrücklich als sexy Mütter.

Es ist kein ganz neues Phänomen, aber abschließend geklärt ist es noch nicht: Wie wurde die Mutter zur sexuellen Ikone der Gegenwart? Was hat es zu bedeuten, dass Mütter nicht mehr (nur) als selbstlos und asexuell idealisiert werden, sondern (auch) als hedonistisch und sexualisiert?

Ich glaube, ich hörte den Begriff der Milf ("Mother I'd Like to Fuck") erstmals um die Jahrhundertwende, in der Teenie-Komödie American Pie. 15 Jahre später galt er schon als der Top-Suchbegriff auf US-Pornoseiten und wurde von einigen Frauen kokettierend übernommen. Britney Spears etwa trug als werdende Mutter den T-Shirt-Aufdruck "Milf in Training".

Manche, die das zu deuten versuchen, sagen: Der Siegeszug der Milf ist Symptom veränderter Befindlichkeiten junger Männer. Die fühlen sich demnach überfordert durch Körperideale, die auch für Männer belastender werden, durch die pornografische Leistungsethik, etc. Sich einer älteren, dominanten Frau zu überlassen, wäre die (imaginierte) Befreiung von all dem (vgl. hier & hier).

Wenn das stimmt – ist die Milf dann eine revolutionäre Figur, die patriarchalische Gesellschaften auf den Kopf stellt?

Ich glaube nicht. Die popkulturellen Inszenierungen der Milf sind von der Lebensrealität real existierender Mütter weit entfernt. Reich und beruflich erfolgreich sein, Kinder haben, fantastisch aussehen (was paradoxerweise auch in diesem Zusammenhang jung aussehen bedeutet), nebenbei die Zeit und Lust haben, die Verführerinnenrolle auszufüllen? Eher unrealistisch.

Vielleicht ist genau das der Punkt der Fergie-Videos, das in so einer Barbie-Plastikwelt spielt: Pop hat wohl mehr mit Fantasien zu tun als mit Realitäten. Bemerkenswerte Fantasien sind es jedenfalls.

Die Mutter als Sex-Ikone: Ist die Milf eine revolutionäre Figur?
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Kommentare 2
  1. Judka Strittmatter
    Judka Strittmatter · vor etwa einem Jahr

    lieber oskar, trotzdem sagen studien und diverse sexualforscher, dass immer mehr männer im netz (sic!) genau diesen frauentyp suchen. ist leider kein popkulturelles phänomen. best, judka

    1. Oskar Piegsa
      Oskar Piegsa · vor etwa einem Jahr

      Ja, eben! Ich würde pornografische Inszenierungen aber genauso unter (m)einen nicht-normativen Begriff der Popkultur fassen wie Musikvideos.