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Liebe, Sex und Wir

Katrin Rönicke
Autorin und Podcasterin
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piqer: Katrin Rönicke
Dienstag, 15.08.2017

Alle reden von der offenen Beziehung - aber wie fängt man damit an?

In Friedemann Karigs Buch "Wie wir lieben", das ich gerade gelesen habe, kommen viele sympathische Menschen zu Wort, die vom Ende der Monogamie berichten und davon, wie gut es ihnen in offenen Beziehungen geht. Sie schwärmen, sie erzählen von den Schmerzen und sie zeigen recht gut, dass die Liebe in reiner Exklusivität für manche Paare keine Option ist. Das ist alles klug, interessant, inspirierend - aber wenn man nun einmal in einer monogamen Beziehung lebt, wie soll das dann plötzlich gehen?

Genau um diese Frage kümmert sich jetzt.de-Autorin Katja Lewina. In ihrer "Anleitung zum Öffnen einer Beziehung" beschreibt sie sechs wichtige Punkte oder Schritte, die man beherzigen sollte, wenn man gemeinsam in das Abenteuer starten will. Manche sind offensichtlich, wie die Grundvoraussetzung, dass beide es wollen müssen oder wie der Punkt, dass man unbedingt ganz viel miteinander reden muss. Andere sind zumindest meinen Beobachtungen nach nicht ganz so klar: Die Sache mit der Grenzpolitik etwa.

"Macht euch den Anfang so leicht wie möglich, indem ihr gemeinsam überlegt, was eure Grenzen für diesen Moment sind. Vielleicht bekommst du Bauchschmerzen bei dem Gedanken, dass jemand anderes sein Ding bei deiner Freundin reinsteckt – dann wird eben erst mal nur geknutscht."

Grenzen ausloten, dem anderen ein Veto einräumen und miteinander verabreden, was geht und was zu sehr weh tun würde - das sind so Punkte, an die viele gar nicht erst kommen. Auch weil sie vielleicht der Meinung sind ein "ich will es gar nicht wissen", sei der einfachere Weg für sie. Ich sehe es wie Katja: Wissen ist Macht. Aber:

"Ihr werdet euch also herantasten und ausprobieren müssen, wie viele Details Ihr euch zumuten könnt."

Und dann die Sache mit dem Ego-Trip und die Frage, wer der Boss ist: Ja, man darf jetzt ein paar Sachen - aber Arschlochverhalten gehört nicht dazu und den Partner vernachlässigen auch nicht. Und im Zweifel gilt ohnehin:

"Das hier ist eure Beziehung, und ihr schreibt die Regeln."

Eben.

Alle reden von der offenen Beziehung - aber wie fängt man damit an?
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Kommentare 6
  1. Nils Pickert
    Nils Pickert · vor 4 Monaten

    "Wer ist das und wo kann ich mehr von dieser Autorin lesen" dachte ich nach diesem Text und guck an,

    www.vice.com/de/articl...

    es lässt sich etwas finden. Auch gut geschrieben, mit einem feinen Gespür für Timing und Schnörkelosigkeit. Lässt aber dieses nette Listicle hier ein bisschen schwach aussehen, weil man nach der Lektüre des Vice Textes denkt, dass der erste wohl doch ein bisschen sehr nett und harmlos geraten ist.

    LG
    Nils

  2. Theresa Bäuerlein
    Theresa Bäuerlein · vor 4 Monaten

    Einen weiteren wichtigen Gedanken, der oft zu kurz kommt, sehe ich in der Frage, wie man eine einmal geöffnete Beziehung wieder "schließt". Sei es, weil man Kinder hat und ein stabileres Model braucht, oder weil die offene Beziehung nicht so gut funktioniert wie man sich das vorgestellt hat - oder weil man einfach auch die geschlossene Version mag. Das Problem, das ich oft sehe und auch selbst erlebt habe, ist, dass man sich die einmal gewährte Freiheit nicht gern wieder wegnehmen lässt. Dann kann es passieren, dass auf einmal einer wieder klassisch fremdgeht. Manche brechen auch die Regeln der offenen Beziehung, weil der Reiz für sie gerade im Verbotenen liegt. Ich denke, das ideale Modell für alle gibt es nicht, und selbst wenn man es gefunden zu haben glaubt, kann sich das auch wieder ändern - so wie Menschen sich ändern.

    1. Katrin Rönicke
      Katrin Rönicke · vor 4 Monaten

      das mag ich gerade so an diesem Text - Katja deckt genau das alles auch ab. es ist eben mal nicht wieder so eine "Anleitung", die alles als ganz einfach darstellt.

    2. Theresa Bäuerlein
      Theresa Bäuerlein · vor 4 Monaten

      @Katrin Rönicke Ich finde den Text auch gut, besser als viele in jedem Fall! Aber ich vermisse die Problemlösungsstrategien für die Punkte, die ich oben angesprochen habe.

    3. Katrin Rönicke
      Katrin Rönicke · vor 4 Monaten

      @Theresa Bäuerlein ja?
      in aller Ausführlichkeit vielleicht. aber ich finde, es ist angesprochen. wenn du fremdgehst, dich nicht an die Regeln hältst (oder der/die andere): "Denk dann gar nicht erst daran, es so zu halten wie die meisten Menschen, die etwas Unerlaubtes tun: Eine frische Unterhose anziehen und einfach so tun, als wäre es nie passiert. Auf Dauer schadet es deiner Beziehung, denn all das rumort weiter im Untergrund, dort, wo du keine Kontrolle über die Auswirkungen hast.

      Sei lieber ehrlich. Und überprüfe zusammen mit deinem Partner, warum du diesen Schwachsinn machen musstest."

      und es wieder beenden mit offen ist am Ende dabei.
      oder ist dir das nicht konkret genug?

      "Stellt ihr nach einer Zeit des Ausprobierens fest, dass euch die Offenheit mehr Stress als Spaß bringt? Dann Finger weg! Manchmal gibt es Zeiten, in denen man sich nur noch verkriechen und Streicheleinheiten genießen möchte. Dann geht es nicht ums Prinzip. "

    4. Theresa Bäuerlein
      Theresa Bäuerlein · vor 4 Monaten

      @Katrin Rönicke Du hast recht, teilweise wird es angesprochen. Es ist ja auch keine wissenschaftliche Abhandlung, sondern ein Text, der mindestens teilweise auch unterhaltend gemeint ist, deswegen will ich auch gar nicht zu viel rummäkeln. Aber was ich gar nicht sehe, ist ein Tipp, wie man eine offene Beziehung wieder schließt. Es geht ja dann nicht ums "verkriechen und Streicheleinheiten genießen", sondern darum, dass man zurück zur Monogamie will (ob phasenweise oder grundsätzlich). Das mit dem gleichen Partner hinzukriegen finde ich wirklich ziemlich schwierig.