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Klima und Wandel

Ralph Diermann
Energiejournalist

Strom, Wärme und Mobilität – das sind meine Themen. Ich arbeite seit 2008 als freier Energiejournalist u.a. für die Süddeutsche Zeitung, Spiegel Online, die Neue Zürcher Zeitung sowie für einige Fachzeitschriften.

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piqer: Ralph Diermann
Dienstag, 30.10.2018

Wir besteuern Alkohol und Zigaretten – warum nicht auch Fleisch?

Die Deutschen essen im Schnitt sechzig Kilogramm Fleisch pro Kopf und Jahr. Sechzig Kilogramm: Das sind rund 400 dicke Leberkäs-Semmeln. Oder 666 Big Macs. Also fast zwei pro Tag. Wahnsinn. Nicht nur, weil diese Menge die Empfehlungen von Ernährungswissenschaftlern um das Drei- bis Vierfache überschreitet. Sondern auch, weil der Verzehr von Schnitzel, Salami und Steak ganz erheblich zur Erderwärmung beiträgt.

Wir besteuern Alkohol und Zigaretten – warum nicht auch Fleisch? Das fragt Melanie Hall in einem Text für dw.com mit Blick auf mehrere Studien zum Zusammenhang von Klimawandel und Fleischkonsum. Um mehr als 90 Prozent müsste der Verzehr von Rindfleisch in den Industrienationen sinken, um das Zwei-Grad-Ziel einzuhalten. Ein Weg dahin, so die Autorin, könnte in der Besteuerung von Fleischprodukten liegen. Sie sieht dafür auch deshalb Spielraum, weil Fleisch bei uns extrem günstig ist – unter anderem wegen der großen Mengen importierter Billig-Futtermittel aus Südamerika, für deren Anbau nicht selten Regenwald gerodet wird.

Hall führt eine Studie der Uni Augsburg an, nachdem konventionell erzeugtes Fleisch fast drei Mal so teuer sein müsste, wenn alle Umweltschäden mit eingepreist würden. Eine Steuer könnte diese Lücke zumindest etwas schließen. Zugleich räumt sie auf mit der Illusion, Fleisch aus Öko-Landwirtschaft sei eine klimafreundliche Alternative. Denn hier sind die von der Gesellschaft zu tragenden Umweltschäden immer noch fast doppelt so hoch wie der Preis, den die Kunden im Bioladen zahlen. Wer es ernst meint mit dem Klimaschutz, kommt also nicht umhin, seinen Fleischkonsum drastisch zu reduzieren.

Wir besteuern Alkohol und Zigaretten – warum nicht auch Fleisch?
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Kommentare 17
  1. Theresa Bäuerlein
    Theresa Bäuerlein · vor fast 2 Jahre

    Ich bin absolut dafür, Fleischkonsum zu reduzieren. Aber es gibt das unsympathische, aber leider valide Argument, dass die Fleischexporte einen enormen Teil dessen ausmachen, was in Deutschland an Fleisch erzeugt wird. Platt gesagt: Die Massentierhaltung in Deutschland wird auch durch Exporte nach China ermöglicht. Das heißt nicht, dass zwei Burger am Tag dann doch egal sind, aber es ist ein wesentlicher Aspekt des Problems.

    1. Laura Schäfer
      Laura Schäfer · vor fast 2 Jahre

      Richtig! Ich bin auch der Meinung, dass eine nationale Fleisch-Steuer letzten Endes zu kurz greift. Zum einen Aufgrund der Exporte, die dadurch vielleicht sogar für die Produzenten noch attraktiver werden, zum anderen aber auch, weil ein weiterer wichtiger Teil der Massentierhaltung einzig und allein andere tierische Produkte (Eier, Milch, Käse) zum Ziel hat. Es gilt meiner Meinung nach den Wert ALLER Lebensmittel neu zu überdenken und so zu besteuern, dass ihre umweltverträgliche Produktion gesichert ist.

    2. Theresa Bäuerlein
      Theresa Bäuerlein · vor fast 2 Jahre

      @Laura Schäfer Interessanter Gedanke. Man würde also alle Lebensmittel so besteuern, dass ihr "tatsächlicher" Preis einkalkuliert wäre, also inklusive der Umweltkosten

    3. Daniela Becker
      Daniela Becker · vor fast 2 Jahre

      @Theresa Bäuerlein In die Richtung geht ja die CO2-Steuer, die Dirk erwähnt hat.

    4. Laura Schäfer
      Laura Schäfer · vor fast 2 Jahre

      @Daniela Becker Die CO2-Steuer würde doch aber jedes Produkt betreffen, verstehe ich das richtig? Sprich alles würde sofort teurer werden. Wie könnte man das rechtfertigen? Die Gegenwehr wäre doch sicherlich noch größer!

    5. Daniela Becker
      Daniela Becker · vor fast 2 Jahre

      @Laura Schäfer Das kommt darauf an, wie man sie definiert. Der Zertifikatehandel klammert ja auch bestimmte Bereiche komplett aus. Politisch würde ich so argumentieren, dass eine solche Steuer auch die regionale Landwirtschaft fördert. Aber ja, die Gegenwehr wird enorm sein.

    6. Marcus von Jordan
      Marcus von Jordan · vor fast 2 Jahre

      @Laura Schäfer man müsste dann aber halt unbedingt auch an einer anderen Steuer in die andere Richtung drehen...einfach als Mehrbelastung ist das nicht machbar.

    7. Laura Schäfer
      Laura Schäfer · vor fast 2 Jahre

      @Marcus von Jordan Im europäischen Vergleich geben die Deutschen einen sehr geringen Anteil ihres Einkommens für Lebensmittel aus. Deshalb glaube ich, dass diese „Mehrbelastung“, die in anderen Ländern (beispielsweise Frankreich) selbstverständlich ist, auch hier sicherlich verkraftbar wäre, aber Sie haben sicherlich recht: Der Aufschrei wäre erstmal riesig. An welchen Stellen ließen sich denn „nachhaltig“ Steuererleichterungen vornehmen?

    8. Marcus von Jordan
      Marcus von Jordan · vor fast 2 Jahre

      @Laura Schäfer bin alles aber kein Experte für Staatsfinanzen. Oft hört man aber vom wichtigen Verhältnis zwischen Ausgaben für Essen und Wohnen. Das hat sich umgedreht in den letzten 50 Jahren und es wäre interessant wie das im europäischen Vergleich aussieht.
      Aber wie dem auch sei - wenn es einen politischen Willen gäbe, gäbe es garantiert auch Möglichkeiten realistische Preise für Nahrungsmittel zuzulassen und die Bürger ganz offiziell entsprechend zu entlasten.

    9. Julia Schwam
      Julia Schwam · vor fast 2 Jahre

      @Laura Schäfer Ist es denn nicht so, dass ein Anreiz zur Konsumänderung nicht mehr wirklich vorhanden wäre, wenn praktisch alle Lebensmittel teurer würden? Oder misinterpretiere ich das jetzt?

  2. Marcus von Jordan
    Marcus von Jordan · vor fast 2 Jahre

    Unglaublich schwierig in der Sache weiterzukommen in dieser politischen Kultur. Nicht nur, dass ein politischer Player sich dazu durchringen müsste, seinen Wählern reinen Wein einzuschenken und sie mit unangenehmen Einschränkungen zu konfrontieren. Nein, er müsste zusätzlich auch noch fest damit rechnen, dass der politische Gegner das brutal ausnutzt und ihn als Verbotspartei verunglimpft...es ist so gesehen etwas, was die Grünen in eine Koalition mitbringen müssten. Etwas was eine relativ breite politische Grundlage bräuchte....allein mir fehlt der Glaube.

    1. Ralph Diermann
      Ralph Diermann · vor fast 2 Jahre

      Ja, mir auch. Siehe die Erfahrungen der Grünen nach dem Veggie-Day-Vorschlag...

    2. Daniela Becker
      Daniela Becker · vor fast 2 Jahre

      @Ralph Diermann Ich glaube, dass ist eines dieser Themen bei denen große Teile der Bevölkerung schon viel weiter ist als die Politik. Man gucke nur auf die rasante Entwicklung die die Veganer-Szene in den letzten 10 Jahren durchgemacht hat.

  3. Dirk Liesemer
    Dirk Liesemer · vor fast 2 Jahre

    Vielleicht wäre es am einfachsten, keine Fleischsteuer, sondern gleich eine CO2-Steuer einzuführen, was dann ja nicht nur zu realistischeren Fleischpreisen führt.

  4. Daniela Becker
    Daniela Becker · vor fast 2 Jahre

    Ich muss einfach fragen: Gibt es im Internet etwa einen Fleischmengenumrechner?

    1. Ralph Diermann
      Ralph Diermann · vor fast 2 Jahre

      :) - die Hamburger-Patties von McDonald wiegen laut ihrer Website 45 Gramm, macht also 90 Gramm pro Big Mac. Das mal 666 ergibt 60 Kilogramm. Und das Gewicht bei der Leberkässemmel leite ich aus meiner persönlichen Erfahrung ab (abgesichert durch eine Chefkoch-Recherche, wo jemand rät, auf keinen Fall mehr als 150 Gramm Leberkäse auf eine Semmel zu packen).

    2. Daniela Becker
      Daniela Becker · vor fast 2 Jahre

      @Ralph Diermann Verstehe, also traditionelles Umrechen-Handwerk. Dachte kurz, es gibt vielleicht tatsächlich etwas vergleichbares wie den Saarland-Umrechner: https://der-umrechner....

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