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Klima und Wandel

Wie unser Landschaftsbild von 1830 den Klimaschutz behindert

Ralph Diermann
Energiejournalist

Strom, Wärme und Mobilität – das sind meine Themen. Ich arbeite seit 2008 als freier Energiejournalist u.a. für die Süddeutsche Zeitung, Spiegel Online, die Neue Zürcher Zeitung, für Riffreporter sowie für einige Fachzeitschriften.

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Ralph DiermannDienstag, 18.01.2022

Die Umweltbewegung ist im Kern eine konservative: Sie will Natur und Umwelt vor menschlichen Eingriffen bewahren – sei es vor der Autobahn, die Wälder durchschneidet, oder dem Kohlekraftwerk, das CO2 und andere Schadstoffe emittiert.

Der Klimawandel allerdings lässt sich mit der alten Formel des Bewahrens nicht aufhalten, schreibt Jörg Häntzschel in einem Essay für das Feuilleton der SZ. Vielmehr sind drastische Eingriffe in die Landschaft – sprich der massive Zubau von Wind- und Solarparks – nötig, um das Klima zu schützen.

Dabei ist die Idee von der unberührten Natur in unseren Breiten ohnehin Quatsch, weil wir sie seit Jahrhunderten massiv verändern. Nichtsdestotrotz ist das Bild der "intakten" Landschaften tief in uns verankert. Schuld ist die Kunst, so Häntzschel: Die Grundlage unserer Naturvorstellungen beziehen wir sehr weitgehend aus der Malerei, zitiert er den Philosophen Bruno Latour. So ist das Landschaftsideal bis heute geprägt durch das Bürgertum des 19. Jahrhunderts, bei dem romantische Motive hoch im Kurs standen.

Um zu belegen, wie wirkmächtig diese Bilder bis heute sind, zieht er unter anderem die mit Glyphosat und Stickstoffen getränkten Maisäcker heran – als "Teil der Natur" werden sie trotz ihrer monströsen Monotonie vielerorts weit weniger als visueller Frevel empfunden als ein Windrad.

Auch die Genehmigungsbehörden hängen Häntzschel zufolge der Idee des Bewahrens vermeintlich "intakter" Landschaften an. Das ist auch deshalb fatal, weil die Installation von Windrädern in Wäldern damit weitgehend unmöglich wird. Stattdessen stellt man sie lieber zwischen die Dörfer, ungeachtet der jeweiligen Topographie – und schafft damit "Gegenstrukturen" zur Landschaft. Häntschel plädiert dafür, Windräder stattdessen als Gestaltungselement der ohnehin von massiven Eingriffen geprägten Landschaften zu begreifen. Dafür müsse man sich aber von den alten Heile-Welt-Bildern lösen.

Wie könnte das konkret aussehen? Das hat die Landschaftsarchitektin Gudrun Beneke vor einigen Jahren in der SZ beschrieben.

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Kommentare 6
  1. Cornelia Gliem
    Cornelia Gliem · vor einem Jahr

    "Glyphosat und Stickstoffen getränkten Maisäcker ... weit weniger als visueller Frevel empfunden als ein Windrad" - das ist so wahr.
    wenn man zb bedenkt wie schön wir heutzutage etwa Windmühlen auffassen!

  2. Michael Praschma
    Michael Praschma · vor einem Jahr

    EIN DISKUSSIONSBEITRAG, JA SCHON ABER …
    Die Kritik an der Zupflasterung der Landschaft mit der Einengung auf "Bullerbü-Nostalgie" und verwandte Schlagseiten im deutschen Gemüt zu diskreditieren, ist zu einfach. Nicht, dass es das nicht gäbe; auch NIMBYs gibt es, und beides ist kein Grund, die Energiewende auf zu spät zu verschieben.
    Allerdings: Man wird den Verdacht nicht los, dass das Ausmaß, mit dem Windräder und Co allüberall installiert werden sollen, irgendwie auch mit der völllig irren Vorstellung zusammenhängt, auf diese Weise einen ungebremst weiter steigenden Energieverbrauch bedienen zu können, also quantitatives Wachstum fortzuführen – statt endlich radikal gegen nicht einmal Lebensqualität hebende Energieräuber vorzugehen (Retourwaren-Vernichtung, Fast Fashion usw. usw.).
    Mit Bullerbü-Sehnsucht hat es nichts zu tun, Landschaft zu erhalten, die (um nur einen Aspekt zu nennen) nachgewiesenermaßen erheblich für das psychische Wohlergehen sorgt. Das kann durchaus auch gestaltete Landschaft sein, aber du erholst dich nicht in einem Windpark.

    1. Philip Gorzalka
      Philip Gorzalka · vor einem Jahr

      Sorry, aber den „ungebremst steigenden Energieverbrauch“ gibt es in Deutschland seit 30 Jahren nicht mehr. Klar gibt es Effizienzpotenziale, aber die Windräder braucht man trotzdem. Und Wohlergehen okay, aber du erholst dich auch nicht in einer 3 Grad wärmeren Welt.

    2. Michael Praschma
      Michael Praschma · vor einem Jahr · bearbeitet vor einem Jahr

      @Philip Gorzalka Danke und ebenfalls sorry, das war Schlamperei meinerseits. Ich hatte den weltweit steigenden Energieverbrauch im Hinterkopf. Es geht aber trotzdem um mehr als Effizienzpotentiale. Was ich gemeint habe ist industrielles und Verbraucherverhalten, das die theoretisch massiven Energieeinsparungen unterm Strich durch direkte und indirekte Rebound-Effekte auffrisst.
      Einverstanden mit "der völllig irren Vorstellung, auf diese Weise einen ungebremst gleichbleibenden Energieverbrauch bedienen zu können"? (Bzw. weltweit steigenden)

    3. Philip Gorzalka
      Philip Gorzalka · vor einem Jahr · bearbeitet vor einem Jahr

      @Michael Praschma „Ungebremst gleichbleibend“, genial 😂 Naja, glaube, dass wir den aktuellen Verbrauch mit lokaler EE und Wasserstoffimporten decken können, ist so irre nicht. Global ist das natürlich ne andere Geschichte, aber puh, Leute zur Einschränkung zu zwingen birgt halt extremes Konfliktpotenzial, auch das ist nicht so wahnsinnig erholsam. Viel mehr vegane Ernährung und vernünftige Kreislaufwirtschaft wär allerdings schon machbar, wenn man sich mal ordentlich bemüht.

  3. Hartmut Bischoff
    Hartmut Bischoff · vor einem Jahr

    Danke für den Aufschlag. Das ist immer wieder wichtig!

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