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Klima und Wandel

Dirk Liesemer
Autor und Reporter
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piqer: Dirk Liesemer
Dienstag, 07.06.2016

Weil es so gemütlich ist, im brennenden Bett einfach weiterzuschlafen

Wir halten den Klimawandel für sehr gefährlich. Das geben wir jedenfalls gern bei Umfragen an. Aber wenn es hart auf hart kommt, sind andere Themen auf einmal doch wichtiger. Etwa die Sorge vor Terroranschlägen, vor dem IS ganz allgemein oder die Angst um den Arbeitsplatz und so weiter. Seit langem rätseln Forscher über die Ursachen solcher Verdrängung und legen in Diskussionen darüber alle möglichen Erklärungen vor. Meist heißt es dann, wir wüssten nicht genug über die Auswirkungen. Der Zuschauer bräuchte mehr Fakten, mehr Wissen, mehr Beispiele.

Einer solchen Einschätzung widerspricht nun George Marshall, einer der Pioniere der Klimaschutzbewegung. Es fehle nicht an Wissen, sondern an Offenheit, dieses auch aufzunehmen. Anders gesagt: Wir hören nur, was wir wollen. Und wir machen uns nur zu eigen, was uns ohnehin in den Kram passt. Zweifler lassen sich daher nicht mit neuen Fakten überzeugen. Sie schlafen auch im brennenden Bett seelenruhig weiter.

Marshalls Lösungsansatz klingt ungewöhnlich: In der Klimadebatte müssen wir eine Möglichkeit finden, „das fühlende Gehirn anzusprechen". Nur wie? Dazu bräuchte es nicht mehr Naturwissenschaftler, argumentiert er, sondern mehr Psychologen und Geisteswissenschaftler, die sich mit dem Klimawandel auseinandersetzen.

Seine Forderung, die er schließlich stellt, mag paradox klingen, hat aber etwas für sich: Wir müssen eine neue Rahmenerzählung schaffen, in der Begriffe wie Klimawandel am besten gar nicht mehr auftauchen. Am Ende könnten dann Zweifler überzeugt und zum Handeln gebracht werden, ohne dass sie es merken.

Weil es so gemütlich ist, im brennenden Bett einfach weiterzuschlafen
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