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Klima und Wandel

Nick Reimer
diplomierter Energie- und Umweltverfahrenstechniker, Wirtschaftsjournalist und Bücherschreiber
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piqer: Nick Reimer
Mittwoch, 17.08.2016

Warum Flüchtlinge relevant für den Klimaschutz sind — was die ZEIT aber nicht erklärt

Die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen hat ihre Zahlen für das erste Halbjahr 2016 vorgelegt. Demnach legten die Erneuerbaren um 2,8 Prozent zu, der Verbrauch bei der Steinkohle, Braunkohle und der Atomkraft ging zurück. Klingt gut, oder?

Dummerweise hat diese Bilanz einen Haken: Insgesamt nämlich ist der Energieverbrauch in Deutschland im ersten Halbjahr um fast 233 Millionen Tonnen Steinkohleeinheiten höher als im Vorjahreszeitraum – exakte 1,6 Prozentpunkte mehr. Und weil Deutschlands Strommix immer noch stark kohlebasiert ist, bedeutet dies mehr Treibhausgas-Emissionen, mehr Klimaschuld. Obwohl doch die Erneuerbaren um 2,8 Prozent zulegten.

Gründe gibt es auch: Die AG Energiebilanzen führt die kühlen Temperaturen zum Jahresanfang auf, natürlich den Zusatztag des Schaltjahres 2016 am 29. Februar, das Wirtschaftswachstum und den Bevölkerungszuwachs.

Stopp mal: Deutschlands Gesellschaft schrumpft doch Jahr für Jahr, weil mehr Deutsche sterben, als geboren werden? 1966 gab es 2,5 Babys pro Frau (und Mann), 2012 waren es nur noch 1,38 Neugeborene pro Frau (oder Familie — hoffentlich). Wo kommt also das Bevölkerungswachstum her?

Na, von den Vertriebenen: Wenn fast 1 Million mehr Menschen in diesem Land ihre Handys aufladen wollen, dann steigert das natürlich den Verbrauch! Das bedeutet erstens, dass zur Integration auch „Energiewende" gehört — liebe Ökostromanbieter: Wie wär's mit einer Umlage für einen Geflüchteten-Tarif, den alle eure Kunden beisteuern, damit sich die Zugezogenen aus der fossilen Falle befreien können? Und das bedeutet - zweitens - dass wir, die Alteingesessenen, mehr Klimaschutz betreiben müssen! Weil die Geflüchteten nun wirklich andere Probleme als die Treibhausgasbilanz haben. Und weil noch sehr, sehr, sehr viel mehr zu uns flüchten werden, wenn wir unsere Treibhausgasbilanz nicht schnell in Ordnung bringen.

PS: Warum die Flüchtlinge hierzulande wesentlich klimafreundlicher als wir - die Leser und Schreiber - leben, erläutert der vorherige Beitrag.

Warum Flüchtlinge relevant für den Klimaschutz sind — was die ZEIT aber nicht erklärt
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