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Klima und Wandel

Nick Reimer
diplomierter Energie- und Umweltverfahrenstechniker, Wirtschaftsjournalist und Bücherschreiber
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piqer: Nick Reimer
Donnerstag, 12.10.2017

Warum der Ausstieg aus der Braunkohle ganz einfach ist

Die "Stromlücke" ist ein Kampfbegriff, den die fossile Energiewirtschaft einst erfand, um ihre Atomkraftwerke länger am Netz zu halten: Werden die - wie im Jahr 2000 von Rot-Grün beschlossen - wie geplant abgeschaltet, dann geht in Deutschland das Licht aus.

Heute wissen wir, dass die Behauptung glatt gelogen war: Neun Atomkraftwerke sind seitdem vom Netz gegangen und noch immer brennen alle Lichter in diesem Land. Die "Stromlücke" aber ist immer noch lebendig - hier zum Beispiel, hier und hier. Man könne nicht gleichzeitig aus der Atomkraft UND der Braunkohle aussteigen, wird argumentiert. 

Nun sind die Bündnisgrünen angetreten, im Falle einer Regierungsbeteiligung die 20 ältesten Kohlekraftwerke still zu legen. Deutschland ist mit Abstand der größte Förderer und Verbrenner von Braunkohle, Braunkohle ist der mit Abstand klimaschädlichste Energieträger den es gibt. Über die Chancen, das Klimaziel der Bundesrepublik noch irgendwie zu schaffen, hat meine Kollegin Daniela Becker hier gerade gepiqd.

Dankenswerterweise hat nun Michael Bauchmüller von der Süddeutschen einmal nachgerechnet: Nie werden bundesdeutsche Kraftwerke so viel Strom ins Ausland exportieren wie in diesem Jahr. Der Überschuss entspricht in etwa der Stromproduktion von - tata! - 20 Kohle-Kraftwerksblöcken. Zitiert wird Felix Matthes, Energieexperte beim Öko-Institut in Berlin: "Dieser Export kostet sechs Prozentpunkte des deutschen Klimaziels".

Es gibt also keine Stromlücke, das ist eine reine Stromlüge!

Dummerweise hat sich das noch nicht bis in die Gewerkschaft IGBCE herum gesprochen. Die tagt derzeit in Hannover auf ihrem 6. Ordentlichen Gewerkschaftskongress. Dort behauptet der alte und neue IGBCE-Chef Michael Vassiliadis: "In Deutschland jedoch geht mehr und mehr sichere Kraftwerksleistung verloren." Und: "In der kommenden Legislaturperiode wird sich die Politik aber auch mit dem Thema Versorgungssicherheit befassen müssen." Sie wissen schon: Wegen der Stromlücke!

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