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Klima und Wandel

Nick Reimer
diplomierter Energie- und Umweltverfahrenstechniker, Wirtschaftsjournalist und Bücherschreiber
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piqer: Nick Reimer
Mittwoch, 08.06.2016

Schluss mit Eon — zumindest der alten

Er war einmal der größte Konzern Europas: Eon gehörte zum Beispiel das Gasnetz in Italien, große Teile der ungarischen Energieversorgung, Atomkraftwerke in Schweden, das britische Netzunternehmen „Central Networks“. Der Konzern hielt Anteile an der Energieversorgung Portugals, der Slowakei, in Bulgarien oder Finnland. Auf seinem Höhepunkt 2006 machte der Riese 37 Milliarden Euro locker, um den spanischen Konkurrenten Endesa zu übernehmen.

Soweit die Erfolgsgeschichte. Weil Eon sich jahrelang gegen die Energiewende stemmte, folgte der rasante Abstieg: Allein in den letzten beiden Geschäftsjahren machte Eon Miese in zweistelliger Milliardenhöhe. Deshalb ist heute Schluss mit Eon: Die Aktionäre haben den Konzern auf ihrer Hauptversammlung aufgespaltet. Aus dem großen Tanker sind zwei kleinere Unternehmen geworden, die sich auf ihr jeweiliges Terrain konzentrieren sollen: Uniper auf das alte Kohlegeschäft, die „neue" Eon auf den Vertrieb und das Ökostromgeschäft.

Die neue Gesellschaft Uniper wirtschaftet seit Jahresbeginn bereits selbständig. Mit der Aufspaltung erhalten die Eon-Aktionäre für jeweils zehn Eon-Papiere zusätzlich eine Uniper-Aktie. Doch ob die Aktionäre an diesen Freude haben werden, darf bezweifelt werden: Seit Jahresanfang ist der Börsenstrompreis noch einmal um ein Viertel gesunken, viele der fossilen Altkraftwerke arbeiten derzeit nicht wirtschaftlich. Das bedeutet: Die Verluste häufen sich an, nur eben jetzt nicht mehr bei Eon, sondern bei Uniper.

Aber auch Eon steht nun nicht automatisch besser da. Ein Problem konnte der Konzern nämlich durch die Aufspaltung nicht los werden: Auf Druck der Politik bleiben die Atomkraftwerke mitsamt der Folgekosten bei Eon. Und weil die Kassen leer, die Schuldenlast hoch sind, ist der Investitionsspielraum in neue Grünstromkraftwerke gering.

Umweltschützer haben jedenfalls vor der Hauptversammlung Flyer in Form von Aktienscheinen verteilt. Ihr Urteil: „Schmutzige Energie hat jetzt zwei Namen."

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