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Klima und Wandel

Mit der Zukunft handeln: "Carbon Removal Obligations" vorgeschlagen

Dominik LennéSonntag, 25.07.2021

Natürlich wollen wir Alle (nun ja, jedenfalls fast Alle) das Pariser Klimaziel, also das entsprechende Welt-Emissionsbudget, eingehalten sehen. Wir Alle (also fast Alle) erkennen auch an, dass dieses gleichmäßig auf alle Menschen aufzuteilen sei. Wenn wir uns aber auf den Standpunkt eines außerirdischen Beobachters stellen und eine Prognose wagen, lautet diese, dass die Menschheit das nicht tun wird. Sie wird (sehr wahrscheinlich) ihr Emissionsbudget überschreiten. 

Hier kommt das "Netto" von "Netto-Null" ins Spiel: die Überschreitung des Emissionsbudgets soll ausgeglichen werden durch eine entsprechende Menge CO2-Entfernung, durch Pflanzen und Maschinen. 

Das wird eine Belastung für unsere Nachkommen darstellen, die diese nicht zu verantworten haben, und das Gerechtigkeitsgefühl (sowie eine Menge bereits sehr lebendiger junger Menschen) sagen uns, dass wir die Budgetüberschreitung so gering wie möglich halten sollten. 

Findige Ökonomen um den Österreicher Johannes Bednar haben nun ein finanzielles Werkzeug dafür erfunden (Nature): "Carbon Removal Obligations", eine Erweiterung für Cap & Trade - Systeme. Sie sollen Emissionszertifikaten entsprechen, indem sie die Emission je einer Tonne CO2 erlauben. Diese würde nicht von der Emissionsobergrenze abgezogen, dafür enthielte sie die Verpflichtung zur zukünftigen Entfernung dieser Tonne aus der Atmosphäre, die von staatlichen Stellen eingefordert würde. 

Sie würden etwa von einer Zentralbank mit einem Zinssatz (in Euro pro Tonne und Jahr) kreïert und über Geschäftsbanken wie Kredite ausgegeben werden, wobei diese einen weiteren Zins je nach Kreditrisiko aufschlagen würden. Die Firmen müssten diese "geliehenen" Emissionen in ihre Bilanz einstellen, mit den geschätzten Kosten für die Reabsorption (Entfernung des CO2 aus der Atmosphäre) des emittierten CO2. Sie muss also so wirtschaften, dass sie sicherstellen kann, die Reabsorption bezahlen zu können.  

Die vollzogene Reabsorption verursacht jährliche Kapitalkosten durch zu zahlende oder ausgefallene Zinsen. Die CRO-Zinsen müssen also gleich hoch oder höher sein, um einen Anreiz zu einer möglichst frühzeitigen Reabsorption herzustellen. (Sie müssten auch die erhöhten Umweltschäden durch eine spätere Reabsorbtion wiederspiegeln. Wenn ich mein CO2 später einsammele, verursacht es in der Zwischenzeit Schäden und - durch die positiven Rückkopplungen im Klima - ein überproportionales Risiko. D.L.) 

Für die CRO-Inhaber besteht ein hoher Anreiz, möglichst billige und schnelle Methoden zur CO2-Entfernung zu entwickeln und in Betrieb zu nehmen. 

Die Gefahr ist nicht von der Hand  zu weisen, dass so ein System zu Unterminierung der jetzigen Reduktionsziele verwendet wird. Die CRO-Inhaben können in der Zwischenzeit in Konkurs gehen oder niemals die für die Reabsorption nötigen Beträge erwirtschaften. Auch wenn wir es noch so gut finanziell untermauern, besteht das Risiko, dass die CO2-Entfernung niemals im nötigen Ausmaß Wirklichkeit wird. 

Man muss diesen Vorschlag im Kontext der umlaufenden Simulations-Szenarien für eine +1,5- oder +2°C-Welt sehen, die fast alle von CO2-Entfernung in großem Maßstab ausgehen. Dann ist er ein Mechanismus, um die Verantwortung für die Atmosphären-Dekarbonisierung bereits bei der Emission einer Adresse zuzuordnen, anstatt sie weitschweifig-allgemein zu belassen. 

Mit der Zukunft handeln: "Carbon Removal Obligations" vorgeschlagen

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Kommentare 4
  1. Dominik Lenné
    Dominik Lenné · vor 3 Monaten

    Artikel nach Kommunikation mit dem Autor überarbeitet.

    1. Norbert Simon
      Norbert Simon · vor 3 Monaten

      Es wäre schön (gewesen), hätten Sie die Änderungen gekennzeichnet, damit „vorher ↔ nachher“ erkennbar ist.
      Ich werde mir jetzt keine Mühe machen, um meinen ursprünglichen Kommentar daraufhin zu prüfen, ob er noch „passt“. Auch auf die Gefahr hin, dass Lesende sich deshalb womöglich fragen, „was ich da erzähle“.
      Wären Änderungen mit dem weit verbreiteten »Update« markiert, würde sich das erklären.

    2. Dominik Lenné
      Dominik Lenné · vor 3 Monaten

      @Norbert Simon Die Kritik ist gerechtfertigt.
      Die Änderung betrifft i.W. den Punkt, dass die CROs nicht versteigert, sondern wie normale Bankkredite ausgegeben werden und dann auch als solche in die Bilanzen der Unternehmen als Verbindlichkeiten eingestellt werden müssen. Die Belastung mit Zinsen muss dann hoch genug sein, um das Unternehmen zu motivieren, diese Schuld nicht über einen langen Zeitraum zu halten.

  2. Norbert Simon
    Norbert Simon · vor 3 Monaten · bearbeitet vor 3 Monaten

    »Verpflichtung zur zukünftigen Entfernung dieser Tonne aus der Atmosphäre«

    „Zukünftig“ ist im Kontext mit CO₂ das Synonym für „später, andere“. Solange es eine Parkreinigung gibt, werden Leute ihren Mist vor Ort wegwerfen – selbst wenn sie es in dafür aufgestellte Eimer tun, ändert es wenig am produzierten Müll.

    Sicherlich lässt es sich nur mit einer Form von Gas-Handel realistisch lösen, »jetzt« anfallendes CO₂ auszugleichen. Doch sobald dieser Handel Staatsgrenzen oder Wirtschaftsräume verlässt, was der aktuelle Zertifikatshandel tut, lassen sich „Kosten umlegen“. Was für wirtschaftlich gut gestellte Staaten kein Problem ist. Doch wie realistisch ist die Annahme, dass (Industrie-)ärmere Staaten einer „abgekauften CO₂-Belastung“ eine Neutralisierung entgegenstellen können?

    Wenn z.B. ein Großverbraucher gezwungen wären, für ihre Emissionen zeitnah (max. 1 Jahr) entsprechend Wald aufzuforsten und diesen zu schützen (!), wäre das transparent nachvollziehbar, als auch ein Lehrstück für die Wirtschaft: Es kann unmöglich immer weiter nach oben gehen, irgendwann ist „Ende der Fahnenstange“. Aktuell kauft „die Wirtschaft“ zulasten aller jetzt und zukünftig lebenden „Flugtickets“, die Gewinne sichern, Folgen dieses Handelns sind „Fragen für irgendwann später mal“.

    Solange „Umweltbelastung“ lediglich ein Bestandteil betriebswirtschaftlicher Gewinnermittlung oder Abschreibung ist, wird es nur in Ausnahmefällen das Handeln von Gewinn-orientierten Managern beeinflussen. Erst wenn Entscheider gezwungen sind, eine lebenswerte Umwelt in ihre Überlegungen einzubeziehen, diese ein zwingendes Geschäftsziel eigenen Handelns ist, wird vielleicht sogar eine Autoindustrie sich die Frage stellen, wofür sie E-Autos mit x-hundert PS baut. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h ist kein ausschlaggebender Maßstab für Innovation.

    Wie weit ich mit möglichst wenig Energie und Produktionsressourcen bei einer für durchschnittlich Fahrende beherrschbaren Reisegeschwindigkeit in einer insgesamt möglichst kurzen Zeit komme (also inkl. →realistischer← Ladeszenarien), hat bisher – soweit ich das mitbekommen habe — kein E-Auto-Hersteller „massenkompatibel“ als Ziel gesteckt. Doch damit begänne „Nachhaltigkeit“. Und ganz nebenbei würde es massiv auf den CO₂-Ausstoß drücken…

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