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Klima und Wandel

Kai Schächtele
Journalist, Buchautor und Fachmann für den Blick hinter die Kulissen von Gesellschaft und Klimawandel
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piqer: Kai Schächtele

Macht uns die Fixierung auf CO2 blind für die Diskussionen, die wir eigentlich führen müssten?

Es war Ende Januar, als im großen Konferenzsaal der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin eine Frage wie eine schwere Wolke über den etwa 30 Workshop-Teilnehmern hing: Lässt sich der Klimawandel in den Griff kriegen, solange wir ihn allein als CO2-Reduktions-Party begreifen?

Vier Stunden lang diskutierten Wissenschaftler, NGO-Vertreter und Politikberater über ein auf den ersten Blick reichlich abstraktes Thema. Die moderne Welt denkt und agiert in Metriken – in quantifizierbaren Größen, die uns in Relation zueinander setzen und Wettbewerb wie Vergleichbarkeit erst möglich machen. Doch was naturgegeben scheint, ist die Folge von politischen Entscheidungen und historischen Entwicklungen. Das Bruttoinlandsprodukt etwa entstand erst zur Zeit des Zweiten Weltkriegs. Bei seiner Einführung hielten Wirtschaftswissenschafter dieses Instrument für denkbar ungeeignet, um Volkswirtschaften miteinander zu vergleichen. Bei seiner Berechnung bleibt alles außer acht, was sich nicht in Geld ausdrücken lässt. Diese Einschätzung hielt sie allerdings nicht davon ab, sich selbst an der Berechnung von BIPs und damit an dessen Erfolgsgeschichte zu beteiligen.

Die Autoren des Artikels „Avoiding the trap of carbon metrics: Lässt sich Klimapolitik in CO2-Ausstoß bemessen?“ haben die zentralen Argumente des Workshops vom Januar nun zusammengefasst. Ihre Befürchtung: Beim Klimawandel schlittern wir im Moment in dieselbe Sackgasse wie beim BIP. Die Fixierung auf CO2-Reduktionen, wie sie etwa der Pariser Klimavertrag festgeschrieben hat, engt unseren Blick ein, reduziert den Kampf gegen den Klimawandel auf den Feldzug gegen CO2 und verhindert, über die Ursachen des CO2-Rausches nachzudenken.

Was abstrakt klingt, wird mit einem Mal sehr greifbar, führt man sich die Diskussionen vor Augen, die wir jetzt eigentlich führen müssten: Können wir unseren westlichen, konsumnarrischen Lebensstil wirklich beibehalten? Müssen wir wirklich zum Shoppen nach New York fliegen? Braucht es jeden Mittag Hackbraten?

Macht uns die Fixierung auf CO2 blind für die Diskussionen, die wir eigentlich führen müssten?

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Kommentare 1
  1. Frederik Fischer
    Frederik Fischer · vor 10 Monaten

    Ich frage mich immer, warum wir von "Aufgeben" und "Verzicht" sprechen, wenn es um die Abkehr vom Konsum-Fetisch geht? Klar, das gehört dazu. Aber kein Auto zu haben, sich nicht um sein Eigentum kümmern zu müssen, kurzum reduziert zu leben, ist für viele Menschen bereits jetzt schon kein Opfer mehr, sondern Lebensqualität. Klingt naiv, weil ich so früh am Tag noch nicht mit Zynismus vollgelaufen bin, aber ich halte es für möglich, dass dieser Wandel sich bei vielen Menschen völlig verlustfrei und ohne Druck vollzieht. Ist jetzt natürlich eine westliche Wohlstandssicht - aber an die ist die Verzichts-Botschaft wohl auch primär gerichtet.

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