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Klima und Wandel

Nick Reimer
diplomierter Energie- und Umweltverfahrenstechniker, Wirtschaftsjournalist und Bücherschreiber
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piqer: Nick Reimer
Freitag, 16.09.2016

(K)ein Fluchtgrund: Der Anstieg des Meeresspiegels

Die Zahl der Klimaflüchtlinge steigt: Schon mehrere zehn Millionen Menschen sind betroffen, erklärte der UN-Flüchtlingskommissar António Guterres 2015. Das Problem daran ist: Es gibt gar keine Klimaflüchtlinge. Also, rein rechtlich.

Die Genfer Flüchtlingskonvention, die rechtsbindend den Umgang mit Flüchtlingen definiert, ist zu eng gefasst: Zu anerkannten Fluchtgründen zählt die Verfolgung aufgrund von Rasse oder Religion – nicht aber wegen mehr Extremwetter oder Bodenversalzung. Das verwundert nicht, stammt doch die Konvention aus den Jahren 1951 bis 1967 – lange bevor der Klimawandel auf der internationalen Agenda stand.

Mittlerweile aber müssen immer mehr Menschen wegen der Erderwärmung ihre Heimat verlassen: Die taz interviewt in ihrer heutigen Ausgabe Sigeo Alesana, der den Pazifikstaat Tuvalu verlassen musste, als Klimaflüchtling. Alesana lebt heute in Neuseeland, aber er ist - „ich fühle mich so" - eben kein anerkannter Klimaflüchtling. Weil es diesen Status nicht gibt und speziell Australien und Neuseeland auch alles dafür tun, damit international der Klimawandel nicht als Fluchtursache anerkannt wird. Die beiden Länder fürchten, dann überrannt zu werden von Klimaflüchtlingen. 

Nicht einmal das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR will die Debatte um Klimaflüchtlinge beschleunigen. Michael Lindenbauer, UNHCR-Vertreter für Deutschland, sagte 2010: „Eine Neuverhandlung der GFK zwischen den Teilnehmerstaaten birgt die Gefahr, dass am Ende nicht ein besserer Flüchtlingsschutz herauskommt, sondern die Konvention aufgeweicht wird."

Immerhin haben sich 2012 einige Staaten auf Initiative Norwegens und der Schweiz zur sogenannten Nansen-Initiative – benannt nach dem ersten UN-Flüchtlingskommissar Fridtjof Nansen – zusammengeschlossen. In diesem Rahmen diskutieren sie darüber, wie sie mit Menschen umgehen sollten, die ihr Land aufgrund von Naturkatastrophen verlassen müssen. Deutschland trat 2013 der Initiative bei, es gibt noch kein rechtsbindendes Resultat der Initiative.

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