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Klima und Wandel

Ist der Kampf gegen den Klimawandel jetzt verloren?

Nick Reimer
diplomierter Energie- und Umweltverfahrenstechniker, Wirtschaftsjournalist und Bücherschreiber
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Nick ReimerDienstag, 26.10.2021

Normalerweise verabscheue ich journalistische Überschriften, die ein Fragezeichen enthalten. Der Leser erwartet Antworten, Fragen hat er in der Regel in seinem Leben selbst genug (weshalb ich damals als Chefredakteur auch Fragezeichen in der Überschrift im Regelfall verbot).

In diesem Falle setze ich aber selbst ein Fragezeichen: "Ist der Kampf gegen den Klimawandel jetzt verloren?"

Erstens würde ich ungern die letzte Hoffnung der Spezies Mensch begraben - und aus dem Fragezeichen ein Ausrufungszeichen machen müssen. Zweitens ist die Faktenlage unklar, obwohl es starke Indizien für das Ausrufungszeichen gibt. Zum Beispiel die Treibhausgas-Konzentration in der Atmosphäre: 2020 wurde ein neuer Rekord gemessen. Das erschreckende daran: Wegen der Corona-Pandemie ist die Nutzung fossiler Energie durch den Menschen insgesamt zwar zurück gegangen. Trotzdem aber stieg die Treibhausgas-Konzentration in der Atmosphäre - auf 413,2 ppm (Teilchen pro Million Teilchen). Das entspricht 149 Prozent des vorindustriellen Niveaus. Im Jahr 2019 waren es 410,7 ppm.

Woher also stammt das zusätzliche Treibhausgas? Volker Mrasek, Wissenschaftsjournalist beim Deutschlandfunk, führt aus, warum der Mensch den Klimaschutz gerade aus der Hand gibt. Tatsächlich nämlich ist im Corona-Jahr 2020 der Kohlendioxid-Ausstoß aus der menschgemachten fossilen Verbrennung um 5,6 Prozent zurück gegangen. Trotzdem aber steigt nun die Konzentration in der Erdatmosphäre.

Das könnte an den Kippelementen liegen: Bislang war etwa der Amazonas-Regenwald ein gigantischer Kohlendioxidspeicher. Offenbar ist aber der Kipp-Punkt überschritten, der Wald stößt inzwischen mehr Kohlendioxid aus als er aufnehmen kann. Das belegen nun aus Messungen der Treibhausgas-Konzentration per Flugzeug in verschiedenen Regionen und Höhen über dem Amazonas-Gebiet und über mehrere Jahre.

Eine grußlige Vorstellung: Wir müssen hinter der Formulierung "Ist der Kampf gegen den Klimawandel jetzt verloren?" ein Ausrufungszeichen machen. Tatsächlich nämlich bedeuten die neuen Daten, wir müssten doppelt so schnell agieren, als die Staaten der Welt jetzt Klimaschutz verweigern. Auf Erdgas verzichten, auf Beton, auf Straßen und Stahl etc. Schlechterdings undenkbar.

Mir fallen Gespräche mit meiner Großmutter ein, die vor einem Jahr kurz vor ihrem einhundertsten Geburtstag gestorben ist. Ich fragte sie: "Habt ihr nicht gewusst, was Hitler macht?"

Definitiv werden unsere Enkel uns fragen: Habt ihr nicht gewusst, was der Klimawandel mit unserem Leben macht? Anders als die Großmutter werden wir antworten müssen: "Wir wussten es!"

Ist der Kampf gegen den Klimawandel jetzt verloren?

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Kommentare 4
  1. Gabriele Feile
    Gabriele Feile · vor einem Monat · bearbeitet vor einem Monat

    Ich würde das Wort "Kampf" in Überschriften und auch in Texten verbieten, wäre ich Chefredakteurin. Gegen wen kämpfen wir denn die ganze Zeit?

    Ist es nicht angenehmer, sich FÜR etwas stark zu machen, statt gegen etwas zu kämpfen?
    Sollten wir uns nicht besser einsetzen FÜR die Realisierung von Klimazielen?
    Können wir uns nicht FÜR den Erhalt unseres Planeten engagieren?

    Das sind noch mehr Fragen, sorry.

  2. Marcus von Jordan
    Marcus von Jordan · vor einem Monat

    ...mir ist auch hier nicht wohl mit dem Holocaust-Vergleich...er hinkt halt immer. Verharmlost und verzerrt eigentlich in beide Richtungen.

    1. Nick Reimer
      Nick Reimer · vor einem Monat

      So kann man das sehen. Aber auch genau andersrum: Wir als Demokraten werden zigzig Millionen mehr Menschen umbringen als die Nazis - obwohl wir anders als unsere Großeltern eine Chance zur freien Entscheidung hatten. Und natürlich hinkt der Vergleich: Das Gas, das wir freisetzen, wirkt nicht direkt.

    2. Marcus von Jordan
      Marcus von Jordan · vor einem Monat

      @Nick Reimer ehrlich gesagt Nick - jetzt finde ich es auch noch geschmacklos.
      Und alles ist falsch an dem Bild für mich. Damals alles Opfer? Jetzt alles Täter? Das gezielte, unmittelbare, mörderische Ausrotten definierter Gruppen und der kollektive Selbstmord auf der Basis kollektiver Unvernunft?
      Mal anders gefragt: was versprichst du dir von so einem Vergleich? Für was brauchst du ihn?

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