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Klima und Wandel

Nick Reimer
diplomierter Energie- und Umweltverfahrenstechniker, Wirtschaftsjournalist und Bücherschreiber
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piqer: Nick Reimer
Dienstag, 22.01.2019

Grönlands Eispanzer droht zu kollabieren

Höher als die Zugspitze: Grönlands Eismassen sind stellenweise mehr als 3.000 Meter dick, sie bedecken einen erheblichen Teil der größten Insel der Welt. Nach dem antarktischen Eisschild ist der grönländische der zweitgrößte Eisberg der Welt; würde das Eis hier komplett abtauen, stiege der Meeresspiegel um sieben Meter an.

Was das bedeutet, kann man HIER sehen. Das Problem beim grönländischen Eisschild: Beginnt er einmal mit dem Tauen, hört er nicht mehr auf, weshalb das Schild auch als so genanntes Kippelement gilt.

"Schneller als erlaubt", titelte Zeit Online vor Jahresfrist: Grönlands Eis schmilzt mit höherem Tempo, als die Modelle es vorhersagen. Grönlands Eisschild "verliert heute täglich eine Milliarde Tonnen Eis", meldete ntv. Schmelzende Seen auf den Gletschern würden Kettenreaktionen in Gang setzen.

Nun berichtet ein internationales Team von Geowissenschaftlern der Ohio State University: Der Rückgang der Eismenge Grönlands hat sich in seinem Tempo vervierfacht. Mithilfe von Daten des GRACE-Satelliten und Messstationen vor Ort haben sie ermittelt, wie viel Eis Grönland in der Zeit von 2003 bis 2015 verloren hat und in welchen Regionen die Schmelze besonders schnell voranschreitet. "Anfang 2003 verloren der grönländische Eisschild und seine ausgelagerten Eiskappen noch 102 Gigatonnen Eis pro Jahr", berichten die Forscher. "Nur zehneinhalb Jahre später ist die Rate des Eisverlusts um das fast Vierfache angestiegen – auf 393 Gigatonnen pro Jahr." Das sind 393 Milliarden Tonnen. Jedes Jahr!!

Das Problem ist aber nicht nur der steigende Meeresspiegel: Süßwasser im salzigen Arktischen Ozean lässt zunehmend den Golfstrom versiegen, der dafür sorgt, dass Großbritannien so mild im Winter ist und die größte Energiepumpe der Welt darstellt. Leute, die höher als 7 Meter wohnen, sollten sich deshalb dringend Gedanken über ihre Zukunft machen: Die schmelzenden Eismassen Grönlands werden die Winter hierzulande radikal verändern (und in Großbritannien und Norwegen sowieso).

Grönlands Eispanzer droht zu kollabieren
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Kommentare 1
  1. Dominique Lenné
    Dominique Lenné · Erstellt vor 7 Monaten ·

    Der Originalartikel ist sehr interessant, wenn man in die Feinheiten der Eisschmelzung einsteigen will, danke dafür.

    Jedoch noch eine kleine Kritik:

    Man sieht die Steigerung der Schmelzrate, aber mit Gigatonnenzahlen ohne Referenz kann kein Mensch etwas anfangen, es sei denn er sei Spezialist, und der hat die Info längst. Hilfreicher ist hier eine Prozentzahl, d.h. wieviel Prozent der Gesamtmasse des Grönlandeises abschmilzt, und wieviel mm Meeresspiegelerhöhung pro Jahrzehnt das verursacht.

    Das Grönlandeis hat eine Fläche von 1,8 Mio km² und eine mittlere Dicke von 1,7 km (wikipedia), macht ein Volumen von etwa 3,1 Mio km³ was etwa der gleichen Anzahl von Gt entspricht. Ein Jahresverlust von 400 Gt sind also grob 0,13 promille pro Jahr. Daraus ergibt sich eine Abschmelzdauer von einigen tausend Jahren. Leider wird sich wahrscheinlich die Schmelzrate erhöhen, dennoch ist die Zeitskala vorläufig weiterhin sehr lang anzunehmen.

    100 Gt/a entspricht 0,25 mm/a mittlerer Meeresspiegelanstieg, 400 Gt/a also etwa 1 mm/a.
    Der gesamte Anstieg des mittleren Meeresspiegels ist im Moment 3,2 mm/a. (wikipedia)
    Man sieht also, dass das Grönlandeis früher einen Anteil von weniger als 1/10 hatte, heute aber etwa 1/3 Anteil am Meeresspiegelanstieg hat. Der Rest mehr oder weniger thermische Ausdehnung des Meerwassers.

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