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Klima und Wandel

Nick Reimer
diplomierter Energie- und Umweltverfahrenstechniker, Wirtschaftsjournalist und Bücherschreiber
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piqer: Nick Reimer
Mittwoch, 21.11.2018

Ein Pass gegen die Erderwärmung

Es war einmal ein Fünf-Mark-pro-Liter-Benzin-Beschluss, mit dem die Bündnisgrünen in den Wahlkampf zogen, um effizientere Motoren zu fördern und das Klima zu schützen. Später folgte ein Veggie-Day, weil der tägliche Fleischkonsum das Klima je bekanntlich anheizt. Nun kommen die Grünen mit dem Klimapass. Wird dies das nächste Kapitel vernünftiger Vorschläge, für die die Grünen abgestraft werden?

Claus Leggewie, ehedem Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen, argumentiert in der Süddeutschen stringent, warum der Status eines Klimaflüchtlings notwendig ist:

Wegsehen, die Tür zuschlagen, Flüchtlinge aus Vanuatu und Tuvalu bitten, lieber zu ertrinken? Klima-Migranten können sich nicht auf den internationalen Flüchtlingsschutz berufen, der nur vor absichtlichem Handeln schützt wie bei der Verfolgung wegen religiöser oder politischer Überzeugung, nicht aber vor Umweltveränderungen und Naturkatastrophen.

Andererseits: Was ist es denn, wenn nicht absichtliches Handeln? Seit dem Jahr 1990 verspricht die Bundesregierung Klimaziel um Klimaziel - und reißt es immer wieder. Leggewie plädiert für Aufnahmequoten nach dem Verursacherprinzip: Wer viel Schuld trägt, muss auch viele Klima-Flüchtlinge aufnehmen. Deutschland steht mit seiner historischen Schuld auf Platz sechs. Allein 2015 wurden fast 20 Millionen Menschen durch Wetterextreme aus ihrer Heimat vertrieben.

Dummerweise gibt es Journalisten, denen die Einsicht in das Thema fehlt. Zum Beispiel bei der Zeit. Dort urteilt der Kollege Ulrich Ladurner: Klimapass? Klingt gut, ist aber irre. Sein Argument: Was 2015 gut gemeint war, ist schließlich auch in die Hose gegangen.

Genau deshalb müssen wir jetzt über den Status des Klimaflüchtlings reden. Damit wir später nicht wieder überrollt werden wie 2015. Und genau deshalb müssen wir endlich anfangen mit engagiertem Klimaschutz: Fahrverbot in Deutschlands Innenstädten, Kohleausstieg sofort, 5 Euro der Liter Benzin und mindestens ein Veggie-Day pro Woche!

Ein Pass gegen die Erderwärmung
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Kommentare 2
  1. Susanna Sandvoss
    Susanna Sandvoss · Erstellt vor 8 Monaten ·

    Im Prinzip gut, wer Schaden verursacht, muss ihn bezahlen. Aber bei 5€/l Benzin denke ich sofort an die Abgehängten auf dem Land, wo es kaum Arbeit und immer weniger Anschluß mit dem öffentlichen Nahverkehr gibt. Das sollte parallel verbessert werden.

  2. Claas Goldenstein
    Claas Goldenstein · Erstellt vor 8 Monaten ·

    Wer sich dazu Fachliteratur geben will, dem*r sei der Text von Heyward und Ödalen: "A New Nansen Passport for the Territorially Dispossessed" wärmstens empfohlen.

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