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Klima und Wandel

Die Amazonas-Wälder wirken gegen den Klimawandel. Das ändert sich.

Alexandra Endres
Journalistin
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Alexandra EndresFreitag, 16.07.2021
Es ist innerhalb kurzer Zeit mindestens die dritte Studie, die in die gleiche, besorgniserregende Richtung weist: Der Amazonas-Regenwald könnte bald schon mehr Treibhausgase in die Atmosphäre abgeben, als er aufnimmt.

Für das Klima wäre das ziemlich dramatisch. Wenn der Amazonas-Regenwald kippt, verliert die Welt eine ihrer wichtigsten Kohlenstoffsenken. Und wenn der Wald weiter schrumpft, könnte er auch irgendwann die Fähigkeit verlieren, seinen eigenen Regen zu erzeugen. Er würde austrocknen, womöglich zu einer Savanne. 

Zur Fähigkeit des Waldes, Treibhausgase zu speichern, erschien vor vier Monaten bereits eine erste Warnung: (Hier ein piq dazu). Die Untersuchung war eine Art Generalinventur, die nicht nur die Kohlenstoffbilanz des Waldes versuchte zu erfassen, sondern auch andere Treibhausgase integrierte. Das war neu.

Kurz danach kam eine Studie heraus, die besagte: Innerhalb eines bestimmten Zeitraums setzt der Wald mehr CO2 frei als er aufnimmt. (Kleine Werbeeinblendung: Wie diese Ergebnisse einzuordnen sind, darüber habe ich damals für ZEIT ONLINE mit der Waldökologin Kirsten Thonicke vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung gesprochen.)

Die neue Veröffentlichung ist auf ihre Art besonders. Lars Fischer ordnet auf Spektrum.de ein, warum:

Bisher deuteten bereits Satellitendaten darauf hin, dass die Kohlendioxidaufnahme und -abgabe der Amazonasregion empfindlich auf Dürre und Brände reagiert. Allerdings verstellen Wolken oft die Sicht, so dass die Daten meist lückenhaft sind. Das IPEN führte deswegen von 2010 bis 2018 insgesamt 590 Messflüge mit Flugzeugen durch und maß die Konzentration der beiden Spurengase Kohlendioxid und Kohlenmonoxid von Bodennähe bis in 4,5 Kilometer Höhe. ... Diese Daten verglichen sie mit den Konzentrationen über unbesiedelten Gebieten am Südatlantik.

Quintessenz: Weil große Teile des Waldes trotz eines sich verändernden Klimas noch rund ums Jahr sehr feucht und auch noch unberührt sind, nimmt der Regenwald derzeit noch mehr Kohlendioxid auf, als er ausstößt. Es gibt aber mehrere Trends, die diese Fähigkeit empfindlich reduzieren.

Nimmt man alle drei Studien zusammen, heißt das: Die Anzeichen dafür, dass der Amazonas-Regenwald kippen könnte, verdichten sich mehr und mehr.

Ergänzung vom 20.07.2021:

Im brasilianischen Amazonasgebiet wurden in den vergangenen elf Monaten 50 Prozent mehr Fläche abgeholzt als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Bußgelder wurden kaum noch vergeben.

Die Amazonas-Wälder wirken gegen den Klimawandel. Das ändert sich.

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Kommentare 2
  1. Silvio Andrae
    Silvio Andrae · vor 17 Tagen

    Die drei Studien sind in der Tat sehr wichtig. Es ist der Verdienst des brasilianischen Wissenschaftler Carlos Nobre, schon sehr frühzeitig auf den Kipppunkt hingewiesen zu haben. Nobre sieht diesen Punkt erreicht, wenn 20% bis 25% des Regenwaldes abgeholzt sind. Der Amazonas hat aktuell etwas 18% seiner Bäume verloren. Im brasilianischen Teil ist der Anteil schon höher. Bei der derzeitigen Entwaldungsrate könnte der Regenwald in zirka 15 Jahren die Nobre-Schwelle überschritten haben.

    1. Alexandra Endres
      Alexandra Endres · vor 16 Tagen

      Danke! :-)

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