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Klima und Wandel

Nick Reimer
diplomierter Energie- und Umweltverfahrenstechniker, Wirtschaftsjournalist und Bücherschreiber
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piqer: Nick Reimer
Freitag, 05.01.2018

Deutschlandpremiere: Erstmals 100 Prozent Ökostrom

„Viele junge Leute stellen kritische Fragen. Wir auch. Denn unsere schärfsten Kritiker sind wir selbst.“ So formulierte die Deutsche Stromwirtschaft eine Zeitungsannonce, die am 26. Juni 1993 in den Tageszeitungen platziert wurde. Dann heißt es dort: "Regenerative Energien wie Sonne, Wasser oder Wind können auch langfristig nicht mehr als 4 % unseres Strombedarfs decken."

25 Jahre später ist es soweit: Am Neujahrsmorgen um sechs Uhr wurde Deutschland zum ersten Mal in der Geschichte komplett mit Ökostrom versorgt. Zugegeben: Der Zeitpunkt ist außergewöhnlich, nach den Silvesterfeiern lagen die meisten Bundesbürger im Bett, der Stromverbrauch lag gerade einmal bei knapp 41.000 Megawattstunden – etwas mehr als die Hälfte dessen, was an einem normalen Werktag verbraucht wird. Und dann wehte in diesen frühen Morgenstunden auch ein ordentlicher Wind: Allein die Windräder lieferten 85 Prozent der Stromnachfrage. Wasserkraft und Biomasse besorgen den Rest.

Die Sonne ist an diesem Neujahrstag noch nicht aufgegangen, sie wird erst mittags für zusätzlichen Ökostrom sorgen. Rainer Baake, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium und Wegbereiter der Energiewende sagt:

"Niemand hat erwartet, dass wir die 100 Prozent ausgerechnet an einem Wintertag früh morgens erreichen".

Bislang galten der 1. Mai oder Himmelfahrt mittags als Kandidat.

Dank der kräftigen Brise (und der geringen Nachfrage) mussten andere Kraftwerke ihre Produktion drosseln. In der Lausitz fuhr die Leag beispielsweise ihre Reaktoren um 75 Prozent runter. Kraftwerksvorstand Hubertus Altmann erklärte:

"Entsprechend der volatilen Einspeisung erneuerbarer Energien wurden unsere Anlagen auch zwischen den Feiertagen und über den Jahreswechsel mehrmals an- und abgefahren, um ein Höchstmaß an Einspeisung erneuerbarer Stromerzeugung und die Netzstabilität zu gewährleisten".

Das ist ja nun auch geglückt, ein Blackout, wie ihn die Politik immer wieder bei einem Braunkohleausstieg an die Wand malt, blieb auch diesmal aus.  

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