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Klima und Wandel

Deutschland legt beim Treibhausgas-Ausstoß kräftig zu

Nick Reimer
diplomierter Energie- und Umweltverfahrenstechniker, Wirtschaftsjournalist und Bücherschreiber
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Nick ReimerFreitag, 07.01.2022

Das ist ein schwerer Rückschlag für den Klimaschutz: Der Ausstoß von Treibhausgasen ist in der Bundesrepublik 2021 kräftig gestiegen. Nach Erhebung der Denkfabrik Agora Energiewende betrug er im vergangenen Jahr 772 Millionen Tonnen Treibhausgasäquivalente. Das sind 33 Millionen Tonnen mehr als 2020 – obwohl die Treibhausgas-Produktion doch – gesetzlich vorgeschrieben – eigentlich hätte zurückgehen müssen. Um das deutsche Klimaziel zu erreichen (minus 65 Prozent bis 2020) müssen den Berechnungen zufolge wegen des Anstiegs nun jährlich 37 Millionen Tonnen eingespart werden. Aktuell liegen wir nach 30 Jahren Klimaschutzpolitik bei minus 38 Prozent – also etwa der Hälfte. Lediglich acht Jahre bleiben noch, doch die Experten erwarten, dass bei weiterer wirtschaftlicher Erholung auch in diesem Jahr ein weiterer Anstieg der Emissionen zu erwarten ist.

Ein Grund für den erhöhten CO₂-Ausstoß ist der Rückgang der Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien. 2021 war ein windarmes Jahr, die erneuerbare Stromproduktion ging deshalb leicht zurück, auf knapp 41 Prozent der Bruttostromerzeugung – drei Prozent weniger als 2020. Im letzten Jahr war zudem der Ausbau vor allem der Windenergie hierzulande weiter eingebrochen  – trotz Klimawahlkampf und hehren Worten.

Im Koalitionsvertrag hatte die Ampelkoalition festgeschrieben, dass 80 Prozent des Strombedarfs bis zum Jahr 2030 aus erneuerbaren Energien kommen soll. Aktuell gibt es dabei drei große Hindernisse: Erstens fehlt es an Investoren, das sogenannte Ausschreibungsverfahren durch die Bundesnetzagentur hat dafür gesorgt, dass etwa Bürgerenergiegenossenschaften vom Markt ausgeschlossen sind. Nach dem Kahlschlag der letzten Jahre fehlen zweitens Fachkräfte, etwa Handwerker, die Solaranlagen installieren können. Drittens geht es den Firmen schlecht, die erneuerbare Kraftwerke hierzulande produzieren. So musste Vestas gerade seine Produktion von Windradflügeln in Lauchhammer in der Lausitz einstellen, eine jener Regionen, in der doch eigentlich jetzt der Strukturwandel beginnen soll.

Daneben bleiben die bürokratischen Genehmigungsverfahren und die Akzeptanz vor Ort ein Problem. Die hat das neue Wirtschafts- und Klimaministerium auch bereits adressiert. Aber sie sind eben nur der kleine Teil des Gesamtschlamassels: Ohne Investoren, ohne Anlagen, ohne Handwerker stellen sich diese Fragen nicht. Das ist offenbar auch Wirtschaftsminister Robert Habeck (Bündnisgrüne) bewusst. Der sagte: "Wir werden unsere Ziele vermutlich auch für 2022 noch verfehlen, sogar für 2023 wird es schwer genug."

Deutschland legt beim Treibhausgas-Ausstoß kräftig zu

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Kommentare 4
  1. Dominik Lenné
    Dominik Lenné · vor 7 Monaten

    Der Wiederanstieg war zu erwarten.
    Wenn ich mich so umgucke, stelle ich fest, dass die Dekarbonisierung bei den meisten Leuten noch keineswegs das gemeinsame Projekt ist, das sie sein sollte. Es ist oft noch etwas, was von oben kommt und was man, teils widerwillig, mitmacht.
    Wir sehen jetzt erst, wie zerstörerisch die Verhinderungspolitik der letzten Jahre eigentlich war. Das Abschneiden des Wind-Booms ist eine Wiederholung dessen, was 2013 mit der Photovoltaik angestellt wurde. siehe etwa https://de.statista.co... .
    Ja, die Förderungen haben viel Geld gekostet. Aber Dekarbonisierung kostet nun mal zunächst Geld, das ist bei jeder Investition so. Der Profit ist auch nicht nur in Euros messbar, weil er für die ganze Menschheit stattfindet. Das ist eben typisch für Umweltausgaben: die Belastung des Einzelnen ist konkret, der Nutzen ist eher für die Allgemeinheit.
    Dazu kommt, dass wir im Verkehrs- und Gebäudebereich keine harte Mengenbeschränkung der Emissionen haben, wie sie im EU-ETS zu finden ist. Diese wird erst ab 2026 kommen - wenn Alles gut geht. Die Ampel hat hier die Pläne der Merkel-Regierung nicht verändert. Das ist mMn ein Fehler. Dort wo wir die harte Mengenbeschränkung haben - im Strombereich - sehen wir kräftige und konkrete Emissionsrückgänge. Sie ist auf keinen Fall Alles, insbesondere muss sie unbedingt mit sozialem Ausgleich zusammengehen, und die Akteure müssen auch in die Lage versetzt werden, die nötigen Investitionen zu tätigen, aber ohne gibt es zu viel Raum für Ausweichbewegungen.

    1. Thomas Wahl
      Thomas Wahl · vor 7 Monaten

      Und wenn man dann noch die AKW schließt, scheint es ja auch nicht so schlimm zu sein mit dem CO2. Was anscheinend auch andere große Verursachernationen glauben. Wer hält sich denn noch an das Pariser Abkommen? Da wundert sich der deutsche Michel doch zu Recht?

    2. Dominik Lenné
      Dominik Lenné · vor 7 Monaten

      @Thomas Wahl Das ist eine Abwägung. Bisher war die offizielle Linie: "zu hohes Super-GAU-Risiko und zu große Endlagerprobleme" - Merkels Entscheidung nach Fukushima halt, nie ernstlich diskutiert - bis vor Kurzem.
      Es ist ein bischen die Wahl zwischen Teufel und Beelzebub. Ich persönlich neige eher dazu, die Dinger noch ein paar Jahre laufen zu lassen. Andere vertreten die Ansicht, dass es um "Kernkraft statt Erneuerbare" ginge statt um "Kernkraft plus Erneuerbare" und eine Laufzeitverlängerung den Handlungsdruck in Richtung Erneuerbare verringere. Das sehe ich nicht so. Es gibt mMn in jedem Fall ausreichend Handlungsdruck. Es ist so viel zu tun!

    3. Thomas Wahl
      Thomas Wahl · vor 7 Monaten

      @Dominik Lenné Ich tendiere auch für Kernkraft plus EE. Langfristig kann man dann sehen.

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