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Klima und Wandel

Klimagerechtigkeit

Es kann nicht sein, dass die Länder, die am meisten Treibhausgase produzieren am wenigsten unter dem Klimawandel zu leiden haben, wohingegen diejendigen, die weitgehend nachhaltig, meist in Armut, leben, davon massiv betroffen sind. In diesem Kanal geht es darum, diese Ungerechtigkeit zu beleuchten und Lösungen zu besprechen.

Weitere Informationen zum Thema Klimagerechtigkeit

Die Klimagerechtigkeit fordert als normatives politisches Konzept nicht allein die Einhaltung von Klimazielen, sondern vor allem die gerechte Verteilung der von Menschen produzierten Treibhausgase. Diese beeinflussen das Weltklima negativ, werden aber von Industrienationen pro Kopf in wesentlich stärkerem Umfang produziert als von Entwicklungsländern. Die Klimagerechtigkeit als Teil der Umweltgerechtigkeit setzt sich zum Ziel, den Ausstoß von Treibhausgasen entweder besser auf alle Erdbewohner zu verteilen oder durch Ausgleichszahlungen zu kompensieren. In der Praxis werden beide Regularien angewendet.

Eine wichtige Intention der Klimagerechtigkeit besteht darin, die stärksten Verursacher des Klimawandels in die Pflicht zu nehmen. Das sind ganz eindeutig die Einwohner der Industrienationen, die vielfach nicht so stark unter dem Klimawandel leiden wie Einwohner von unterentwickelten Ländern. Das hat geografische und klimatische Ursachen, ist aber unabhängig von den Ursachen einfach ungerecht. Daher soll Klimagerechtigkeit geschaffen werden.

Den Begriff Klimagerechtigkeit entwickelte ab 1995 das Global Commons Institute, im deutschsprachigen Raum tauchte der Begriff etwa ab 2007 auf. Zuvor war über die „Kohlenstoffgerechtigkeit“ diskutiert worden. Angela Merkel erhob ab 2007 als deutsche Bundeskanzlerin die Klimagerechtigkeit zum Grundpfeiler einer weltweiten Klimaschutzpolitik. Eine Vordenkerin der Klimagerechtigkeit, auf die sich Merkel bezog, war die kenianische Politikerin und Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai. Maathai kommunizierte nachdrücklich, dass Afrika nur sehr wenig Treibhausgase pro Kopf produziert, aber stark unter dem Klimawandel leidet.

Wissenschaftliche Konzepte zur Klimagerechtigkeit kamen unter anderem von der Heinrich-Böll-Stiftung mit den Greenhouse Development Rights. Insgesamt sind sich Wissenschaftler und Politiker darüber einig, dass ein einheitlicher Ausstoß von maximal zwei Tonnen Kohlendioxidäquivalent für jeden Menschen der Welt pro Jahr einen klimagerechten Zustand schaffen würde. Doch die Unterschiede sind enorm, denn der Ausstoß in westlichen Industrienationen übersteigt den in Entwicklungsländern je nach Vergleichsgrundlage (einzelne Länder) um das 10- bis 30-Fache.

Um Klimagerechtigkeit herzustellen, müssten viele Industrienationen ihre Emissionen um 95 % senken, die Entwicklungsländer könnten sie hingegen steigern und damit mehr Wohlstand erzielen. Es gibt wissenschaftliche und politisch akzeptierte Forderungen, so einen Zustand anzustreben, doch Experten halten das für unrealistisch. Vermutlich lässt sich Klimagerechtigkeit nur langfristig herstellen und außerdem mit der Reduktion schädlicher Treibhausgase verbinden, wenn die Industrienationen erhebliche Anstrengungen zum klimafreundlichen Umbau ihrer Energiewirtschaft und des Verkehrs unternehmen und Entwicklungsländer gleichzeitig durch Ausgleichszahlungen der reichen Länder eine klimafreundliche Industrialisierung anstreben.

Es gibt gegenwärtig unterschiedliche Ansätze, die Klimagerechtigkeit herzustellen oder anzustreben, doch die Umsetzung stößt auf erheblichen politischen Widerstand aus den USA, China und Europa. Eine Vorbildrolle nimmt aktuell Indien ein, das Land mit über einer Milliarde Einwohner akzeptiert den oben beschriebenen partizipativen Ansatz und treibt die eigene Industrialisierung so klimafreundlich wie möglich voran. China sträubt sich, die Europäer und Nordamerikaner ringen um politische und technische Lösungen. Lösungsansätze wären ein Ökobonus (Pro-Kopf-Rückverteilung der Einnahmen aus klimaschädlicher Produktion), Emissions-Zertifikate, Ökosteuern und eine Carbon tax. Einige dieser Konzepte werden schon länger praktiziert, genügen aber längst nicht für eine vollständige Klimagerechtigkeit.