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Klima und Wandel

Ralph Diermann
Energiejournalist
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piqer: Ralph Diermann
Dienstag, 16.08.2016

Alles taut – Reportage aus dem sibirischen Norden

Vor zwei Jahren tat sich im Norden Sibiriens plötzlich die Erde auf. In Folge der Erderwärmung wurden dort mit einem Mal große Mengen an Methan freigesetzt, die im Boden gebunden waren. Es kam zu einer Art Explosion, ein Krater von siebzig Metern Tiefe und zwanzig Metern Breite entstand.

Wissenschaftler fürchten, dass es künftig noch deutlich häufiger zu solchen Vorfällen kommen wird. Bis zu 200 Milliarden Tonnen Kohlenstoff könnten bis Ende diesen Jahrhunderts entweichen, der 15-fache Jahresausstoß der gesamten Zivilisation. Das schreibt Andrea Rehmsmeier in einer langen Reportage für den Deutschlandfunk. Sie ist nach Jamal, eine riesige Halbinsel im Norden Sibiriens, gefahren, um sich anzuschauen, welche Folgen der Klimawandel dort hat.

Auf Jamal ist es so kalt, dass der Boden das ganze Jahr über gefroren ist. So war das zumindest noch bis vor einigen Jahren. Doch der Boden taut. Das bedroht die Lebensgrundlagen des dort lebenden Volkes der Nenzen. Und – als würde sich die Fossilindustrie ihr eigenes Grab schaufeln – auch die Gasförderung. Denn der ursprünglich knüppelhart gefrorene Boden, auf dem die Förderanlagen stehen, muss neuerdings gekühlt werden, weil er wegen der Klimaveränderung auftaut und damit an Stabilität verliert.

Rehmsmeier richtet mit ihrer tollen Reportage den Blick auf einen der Kipppunkte des Klimas: Sollte die Erderwärmung weiter zunehmen, wird der Permafrostboden große Mengen an Methan freisetzen. Das wiederum wird den Klimawandel stark beschleunigen. Einer der von der Autorin interviewten Wissenschaftler formuliert das so: „Nichts von dem, was passiert, wird schnell gehen. Es ist eher so wie bei einem Güterzug: Wenn der sich erst einmal in Bewegung gesetzt hat, dann dürfte es fast unmöglich sein, ihn wieder zu stoppen."

Alles taut – Reportage aus dem sibirischen Norden
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