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Daniel Erk
Stv. Redaktionsleiter Tagesspiegel Berliner, freier Journalist und Autor
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piqer: Daniel Erk
Dienstag, 15.05.2018

Wie wir Tiere töten: Das finale Argument gegen Fleisch ist Mitgefühl

Ehrlich gesagt dachte ich, die Zeit der großen vegetarischen Debatte sei vorbei: alle Argumente ausgetauscht und gehört.

Wer jetzt noch Fleisch und Wurst isst, vor allem: Wer jetzt noch Fleisch und Wurst aus Massentierhaltung kauft, der will das alles genau so: Tiere, die ohne Medikamente sofort einen qualvollen Tod sterben würden. Tiere, die betäubt und im Sekundentakt abgestochen werden. Tiere, die direkt nach der Geburt getötet und zerkleinert werden und entweder in Wurst oder Tierfutter landen.

Ich selbst habe das Fleischessen zu 95% eingestellt. Das reicht, dachte ich damals.

Vor mittlerweile acht Jahren haben Theresa Bäuerlein, heute Chefredakteurin von Krautreporter und ebenfalls piqd-Autorin, und ich für Zeit Online eine Serie namens "Gewissensbisse" entwickelt. Die Idee war, möglichst knappe und verständliche Anleitungen für einen besseren, nun ja, Tier- und Tierproduktekonsum zu schreiben. Unsere Fragen (die ich als Redakteur stellte und Theresa beantwortete) waren: Was kostet ein gutes Huhn? Darf ich nur Eier von frei laufenden Hühnern kaufen? Was soll ich kaufen: Biofleisch von Aldi oder das Schnitzel vom Metzger?

Theresa, die 2011 sogar ein Buch mit dem Titel "Fleisch essen, Tiere lieben. Wo Vegetarier sich irren und was Fleischesser besser machen können" geschrieben hat, hat sich gerade für Krautreporter nochmals sehr grundsätzlich dazu geäußert – und mich hat das sehr bewegt. Weil es aufrecht, klar und klug ist. Und statt von oben herab zu moralisieren, die Leser*innen an die Hand nimmt. Mitten in den Schlachthof hinein.

Theresa schreibt heute:

Ein Arbeiter trieb mit einem roten Plastikpaddel die Schweine heran. Dann sonderte er ein Tier ab und drängte es durch eine Klappe, die in eine kleine Box führte. Blitzschnell setzte der Schnurrbärtige die Zange an den Kopf des Schweins, und das Tier erstarrte, das Gesicht verzerrt von einem bizarren Grinsen, weil die Zange Strom durch sein Gehirn schießt.

Ich muss nochmal nachdenken.

Wie wir Tiere töten: Das finale Argument gegen Fleisch ist Mitgefühl
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Kommentare 3
  1. Fabian Goldmann
    Fabian Goldmann · vor 4 Monaten

    Schöner piq-Text obwohl ich noch die obermoralische Position im Angebot hätte: Vegatarier sind auch nur die scheinheilige Version von Fleischfressern. #goVegan Und noch eins oben drauf: Den Massenmord an Tieren beklagen und dann nur das eigene Konsumverhalten ändern, ist auch ziemlich billig. #goTierrechtler Das nur als unmoralisierende Ergänzung, den letzten Anspruch erfülle ich auch nicht. Aber er hier mit so wunderbar hypermoralischen Zitaten wie "Nicht-vegane Freunde habe ich nicht, nein, also ich habe beispielsweise auch keine Rassisten als Freunde". Auch sehr lesenswert oder zumindest unterhaltsam. www.deutschlandfunkkultur.de/vegetarie...

    1. Daniel Erk
      Daniel Erk · vor 4 Monaten

      Da möchte ich deutlich widersprechen: Den einen Fehler einzusehen und zu lassen wird nicht dadurch falsch, dass man einen anderen Fehler macht. Jeder Schritt in die richtige Richtung ist ein Schritt in die richtige Richtung. Und Moral ist in Zeiten von Soja und abgeholzten Urwäldern auch dünnes Eis.

      Für die gute Laune noch ein Wortspiel, das ich mir im Piq noch verboten hatte: Es gibt kein richtiges Leben im *fleischess*

    2. Fabian Goldmann
      Fabian Goldmann · vor 4 Monaten

      @Daniel Erk Nee, so hatte ich das nicht gemeint. Meine Replik sollte keinen whataboutism darstellen, ich fand nur deine Moralisierung inkonsequent: Wenn du schreibst "Tiere, die direkt nach der Geburt getötet und zerkleinert werden", muss davor stehen: "Wer jetzt noch Wurst, Fleisch, Eier, Milch... isst". Aber ansonsten sehe ich das wie du: Soja landet zwar zu 99 Prozent in Rindermägen und Benzintanks aber Sweatshops, Coltan-Minen, Fischflotten usw usf... Vor dem großen Moralgerichtshof sind wir sowieso alle im Arsch. Deshalb: Jede Wurst zählt - fürs Schwein, nicht für die eigene moralische Überlegenheit.