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Krankenkassen lieben Gesunde – und das ist ein Problem

Silke Jäger
Freie Journalistin und Texterin für Gesundheitsinfos

Ich lebe in Marburg und schreibe über Gesundheit, eHealth, Gesundheitspolitik und den Brexit. Für: Krautreporter, Gute Pillen – Schlechte Pillen und RiffReporter. Non-Profit-Projekt: Podcast http://evidenzgeschichten.podigee.io/

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Silke JägerDienstag, 07.06.2022

Krankenkassen stehen in einem harten Wettbewerb. Sie buhlen um die guten Risiken. So nennt die Versicherungswirtschaft die Menschen, die wenig kosten: junge, gesunde, gut ausgebildete, sportliche Menschen mit gutem Einkommen. Je mehr Versicherte mit diesem Risikoprofil eine Krankenkasse hat, desto gesicherter ist ihre Zukunft. Im Umkehrschluss haben es diejenigen schwerer, die ein schlechtes Risiko sind, also viel kosten. Chronisch kranke Menschen zum Beispiel. Sie müssen oft sehr hart um teure Hilfsmittel oder Medikamente mit den Kassen streiten und ziehen dabei zu oft den Kürzeren.

Je größer der Anteil an guten Risiken im Vergleich zu den schlechten, desto besser die Bilanz der Kasse. Deshalb zeigen Krankenkassen auf Werbeplakaten und auf ihren Websites nicht in erster Linien das, was sie für kranke Menschen tun, sondern versuchen ihr Image auf die begehrte Zielgruppe auszurichten.

Der Wettbewerb der Kassen ist politisch gewollt. (Heute gibt es noch knapp 100 gesetzliche Kassen, 1970 waren es noch über 1.800. Statista, Wikipedia). Er sollte dafür sorgen, dass die Ausgaben für Gesundheit nicht "explodieren". Die Reform der Krankenkassenstruktur stand am Ende eines 20 Jahre dauernden Versuchs, die Kosten im Gesundheitswesen zu senken.

Was die Politik Anfang der 90er Jahre als große Zukunftssicherung des Gesundheitswesens verkaufte, war jedoch in Wahrheit eine Umverteilung. Die Politik versprach, Versicherte zu entlasten. In Wahrheit bekamen sie weniger Leistungen bei steigenden Beitragssätzen. Anders als behauptet, explodierten nicht die Kosten für Gesundheit, sondern die Einnahmen der Krankenversicherung implodierten durch die steigende Arbeitslosigkeit ab Mitte der 70er Jahre. (Die Geschichte dieses Coups erzählt der Autor Chris Vielhaus im ersten Teil zu den Gesundheitsreformen.)

Der Kassenwettbewerb hat nicht nur Nachteile für einzelne Patient:innen, die jetzt Kund:innen heißen. Die Kassen müssen viel mehr Geld für Marketing ausgeben. Dazu gehört auch, dass Leistungen bezahlt werden, die medizinisch gesehen ziemlich sinnlos sind, wie zum Beispiel Homöopathie, aber sehr beliebt bei der begehrten Zielgruppe.

Dieser Text ist einer von drei Teilen zu den Fehlanreizen im Gesundheitswesen. Er bleibt nicht bei der Aufzählung der Probleme stehen, sondern erklärt auch, wie sie entstanden sind und wie die Politik inzwischen versucht, gegenzusteuern.

Krankenkassen lieben Gesunde – und das ist ein Problem

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Kommentare 2
  1. Dirk Liesemer
    Dirk Liesemer · vor 27 Tagen

    Chronisch Kranke kommen vor allem in manche Krankenkassen gar nicht rein, nämlich in die privaten. Schon bei Diabetes heißt es: Tja, Pech gehabt.

    1. Silke Jäger
      Silke Jäger · vor 27 Tagen · bearbeitet vor 27 Tagen

      Ja, bei privaten Krankenkassen ist die Lage noch mal anders. Während gesetzliche Versicherungen verpflichtet sind, alle aufzunehmen, unabhängig von Vorerkrankungen, dürfen Private eine Risikoabschätzung machen und bei zu hohen Risiken auch ablehnen. So lange ein Diabetes etc nicht zum vollkommenen Verlust einer Krankenversicherung führt, wird der Gesetzgeber daran sicher nichts ändern (und vllt auch gar nicht gegen die Versicherungswirtschaft durchsetzen können).
      Was daran ganz generell ziemlich problematisch ist: Chronische Krankheiten können zu Arbeitsplatzverlust und Verarmung führen und je nachdem, wie ungünstig die Geschichte läuft, kann daraus auch ein Verlust der Krankenversicherung werden. Diese indirekte "Abstrafung" von Krankheit kommt auch immer wieder vor. Und es kommt häufig or, dass Versicherte nicht die Hilfsmittel bezahlt bekommen, die sie eigentlich brauchen ...

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