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Kopf und Körper

Silke Jäger
Freie Journalistin und Texterin für Gesundheitsinfos
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piqer: Silke Jäger
Freitag, 13.01.2017

Ist das neu entdeckte Organ wirklich ein Organ? Und ist es überhaupt neu?

Gekröse heißt das, was vor einigen Tagen als "medizinische Sensation" die Runde machte: Ein angeblich neu entdecktes Organ, dessen deutscher Name fast automatisch ein Naserümpfen auslöst. Gekröse! In der Fachsprache ist die Struktur als Mesenterium bekannt, was sich gleich viel eleganter liest. Aber sei's drum.

Als ich die Nachricht von der Neuentdeckung las, steckte ich mitten im Umzugschaos und konnte mich über diese sogenannte Sensation nur ganz kurz wundern. Umso mehr freue ich mich, dass die Süddeutsche die Sache nun nüchtern betrachtet und herausstellt, was an der Meldung vom neuen Organ die eigentliche Nachricht ist. Es handelt sich weniger um eine anatomische Sensation als um eine medizinische Diskussion. Der Vorstoß zweier Mediziner, dem Gekröse einen Organstatus zu attestieren, eröffnete (erneut) das Gespräch darüber, welche Strukturen des Körpers denn nun als Organ bezeichnet werden können und warum.

Als Organ gilt, was eine anatomische und funktionelle Einheit bildet. Beim Mesenterium war man sich lange Zeit sicher, dass es diese anatomisch-funktionelle Einheit nicht bildet und deshalb nicht als eigenständiges Organ bezeichnet werden kann. Die beiden Entdecker des Organstatus stellen das nun in Frage. Dass sie es tun hängt mit der Erkenntnis zusammen, dass sich die funktionellen Einheiten unseres Körper nicht unbedingt an traditionelle anatomische Begriffe halten. Wie anatomische Strukturen im Einzelnen zusammenarbeiten und miteinander kommunizieren ist in weiten Teilen noch unbekannt. Namensvettern wie Niere und Nebenniere haben zum Beispiel weniger gemeinsam als Nebenniere und Hypothalamus.

Das ist hochspannend und die Forschung zu den funktionellen Zusammenhängen der Gewebeeinheiten wird sicher lauter kleine Sensationen hervorbringen – die wahrscheinlich in den seltensten Fällen die große Runde machen werden. Es sei denn, man findet dabei noch mehr neue Organe.

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