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Kopf und Körper

Theresa Bäuerlein
Journalistin. Autorin. Seit (gefühlt) schon immer.
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piqer: Theresa Bäuerlein
Montag, 21.05.2018

Ein Mann im Koma, Antibiotka helfen nicht mehr. Die Rettung ist eine vergessene Behandlung.

Tom Patterson lag im Sterben, infiziert mit einem resistenten Superbug, gegen den keine Antibiotika mehr halfen. Seine verzweifelte Frau, Expertin für ansteckende Krankheiten, schlug den Ärzten im Krankenhaus eine ungewöhnliche, in den USA fast vergessene Behandlungsmethode namens Phagentherapie vor. 

Phagen sind Viren. Sie sind für Bakterien ungefähr, was Ameisen für Blattläuse sind: Sie töten und fressen Bakterien also und hindern sie daran, sich unkontrolliert auszubreiten (deswegen ist die vollständige Bezeichnung auch Bakteriophagen). Das tun sie aber sehr spezifisch, jede Phagenart ist auf eine Bakterienart spezialisiert. 

1917 erkannte der Autodidakt und Mikrobiologie Félix d’Herelle das Potential, auf diese Weise gezielt Krankheiten bekämpfen zu können. Das war eine enorme Entdeckung und eine große Hoffnung, denn bis zur Entdeckung von Penicillin sollte es noch ein Jahrzehnt dauern. 

1933 siedelte d’Herelle nach Georgien um und gründete dort das von Stalin stark unterstützte Eliava Institute of Bacteriophages, Microbiology and Virology. Aber erst nach dem Zerfall der Sowjetunion erfuhren westliche Ärzte, dass am Eliava Institut die Phagentherapie immer noch untersucht wurde. Gerade rechtzeitig, als Antibiotika im Westen zu versagen begannen. Weltweit sterben 700.000 Menschen jährlich aufgrund antibiotikaresistenter Keime, bald werden es wahrscheinlich 10 Millionen sein. 

Patterson hatte Glück: Seine Frau überzeugte die Ärzte davon, ihn per Phagentherapie zu behandeln (in den USA braucht das eine Sondergenehmigung). An einem Donnerstag wurde er behandelt. Am Samstag erwachte er aus seinem Koma und erkannte seine Tochter. Heute ist er gesund.

Ein Mann im Koma, Antibiotka helfen nicht mehr. Die Rettung ist eine vergessene Behandlung.
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