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Kopf und Körper

Barbara Kaufmann
Autorin und Filmemacherin in Wien

Drehbuchstudium an der Wiener Filmakademie, freie Filmemacherin;
langjährige Radiojournalistin bei Ö1, danach Leitende Redakteurin bei NZZ.at, Bloggerin beim Standard.at und Kolumnistin bei der Tageszeitung Kurier.

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piqer: Barbara Kaufmann
Sonntag, 10.03.2019

Die unterschätzten Beschwerden beim Absetzen von Antidepressiva

Zuerst kam der Schwindel. Dann hatte Tim Kribbeln im Bein und schließlich im ganzen Körper und es fühlte sich an, als würde er leichte Stromschläge bekommen. "Brain Zaps" heißen diese Empfindungen und sie sind nur eines der Symptome, mit denen Tim zu kämpfen hatte, als er nach ein paar Jahren sein Antidepressivum unter ärztlicher Aufsicht absetzte. 

Sein Psychiater kannte diese Zustände, über die viele Patienten klagen, sobald sie die Dosis des Antidepressivums verringern. Eigentlich, meinte Tims Psychiater zunächst, müssten sie nach vier, fünf Wochen vorüber sein. Doch die Beschwerden blieben und schließlich entschieden sie sich aufgrund dessen die Dosis seiner Tabletten deutlich langsamer zu verringern, als üblich. 

Tim ist kein Einzelfall. Längst fordern Psychiater EU-weit die Symptome beim Absetzen eines Antidepressivums nicht mehr wie bisher "Absetzsymptome", sondern "Entzugssymptome" zu nennen, weil diese Bezeichnungen den Beschwerden, mit denen etliche Patienten zu kämpfen hätten, eher entsprechen würden. Während im Diagnostischen und statistischen Leitfaden psychischer Störungen 5 , kurz DSM 5, davon die Rede ist, dass die Symptome nach zwei Wochen wieder verschwinden würden, berichten immer mehr Fachärzte, dass dieser Zeitraum nicht mit den Praxiserfahrungen ihrer Patienten übereinstimmen würde. Individuell würde man daher auf die Möglichkeit zurückgreifen, das Medikament so langsam und vorsichtig auszuschleichen, dass es für den Patienten erträglich wäre. In Tims Fall dauert es nun schon fast zwei Jahre. 

Einige Psychiater plädieren dafür, Antidepressiva nur in schweren Fällen zu verschreiben. Auf jeden Fall, so die Fachärzte, müsse sich die Aufklärungsarbeit beim Verschreiben eines Antidepressivums verbessern. Der Patient müsse wissen, was eventuell beim Absetzen des Mittels auf ihn zukommen könnte und dürfe im Fall des Falles mit seinen Beschwerden nicht allein gelassen werden. 

Die unterschätzten Beschwerden beim Absetzen von Antidepressiva
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