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Petra Thorbrietz
Wissenschaftsjournalistin
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piqer: Petra Thorbrietz
Montag, 24.07.2017

Ärzte-Aufstand gegen Lebensmittellobbys

Die Verbraucherorganisation „foodwatch“ hat alle deutschen Ärzte dazu aufgerufen, sich in einem Offenen Brief gegen die Nahrungsmittelindustrie zu wehren. „Mediziner müssen die Stimme erheben“, fordert auch die Deutsche Diabetes-Gesellschaft. Gemeinsam mit dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte verlangen sie eine leichter verständliche Kennzeichnung von Lebensmitteln, Standards für die Kita- und Schulverpflegung und Werbeeinschränkungen bei der Zielgruppe Kinder, wie es sie in Ländern wie Schweden schon längst gibt.

Die Forderungen sind nicht neu, doch passiert ist nichts: Statt Verbote durchzusetzen redete sich die Politik mit "Aufklärung" heraus und setzte Tonnen von Broschüren und Faltblättern zu gesundem Essen in die Welt. Das Ergebnis: Der Anteil übergewichtiger Kinder ist gegenüber den 80er und 90er Jahren um 50 Prozent gestiegen, die Zahl der Diabetiker seit der Jahrtausendwende - selbst altersbereinigt - um 25 Prozent. Der Offene Brief an die Kanzlerin und ihre Minister und das Parlament ist Teil der aktuellen politischen Debatte um Zucker und Fett als Auslöser einer Epidemie von Krankheiten.

Ärzte-Aufstand gegen Lebensmittellobbys
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Kommentare 9
  1. Ralph Diermann
    Ralph Diermann · vor 12 Monaten

    Foodwatch liefert keinen Beleg dafür, dass die wachsende Zahl adipöser Kinder und Jugendlicher auf einen zunehmenden Verzehr von Süßigkeiten oder Limonaden zurück zu führen ist. Werden heute tatsächlich so viel mehr Colas und Snickers konsumiert als noch vor zwanzig Jahren, dass dies diese Entwicklung erklärt? Fällt mir schwer zu glauben. Ähnlich sieht das bei der Diabetes aus: ein Anstieg von 24 Prozent innerhalb von nur 15 Jahren, bedingt durch mehr Zucker in der Ernährung? Auch das bezweifle ich. So richtig seriös klingt die Argumentation für mich nicht. Was nicht heißt, dass eine bessere Kennzeichnung der Lebensmittel nicht eine sinnvolle Sache wäre.

  2. Dario Sarmadi
    Dario Sarmadi · vor 12 Monaten

    Lieber Ralph,
    danke für den Kommentar, auf den wir von foodwatch gerne antworten. Die Wissenschaft ist sich mittlerweile weitgehend einig: Der tägliche Konsum zuckergesüßter Getränke (Cola oder Limonaden) erhöht nachweislich das Risiko für Übergewicht, Fettleibigkeit und Typ-2-Diabetes. Das ist in großen sogenannten Metastudien (Zusammenfassung von verschiedenen Untersuchungen) nachgewiesen worden. Eine Aufstellung der Studien & Fakten gibt es bei der Harvard School of Public Health: www.hsph.harvard.edu/nutrition....
    Vergleichsweise geringe Mengen erhöhen das Risiko für die Entstehung von Übergewicht und chronischen Krankheiten:
    - Erwachsene, die 1 Dose (oder mehr) pro Tag trinken, haben ein 27 Prozent höheres Risiko, übergewichtig oder fettleibig zu werden. (Im Vergleich zu Erwachsenen, die keine Zuckergetränke trinken.) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/19...
    - Erwachsene, die 1-2 Dosen pro Tag trinken, haben ein 26 Prozent höheres Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken. (Im Vergleich zu Erwachsenen, die selten Zucker-Getränke trinken.) www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20...
    Liebe Grüße, Dario von foodwatch

    1. Ralph Diermann
      Ralph Diermann · vor 12 Monaten

      Lieber Dario,
      vielen Dank für die Informationen. Kein Mensch bestreitet (also zumindest nicht ich), dass ein hoher Zuckerkonsum wesentlich zu Übergewicht und Typ-2-Diabetes beiträgt. Was mich gestört hat in Eurem Text: Ihr leitet Eure politischen Forderungen ab aus einer Zunahme der Krankheitsszahlen. Das würde aber nahelegen, dass zugleich auch der Konsum von Limonade und Süßigkeiten zugenommen hätte. Für mich wäre Eure Argumentation glaubwürdiger, wenn Ihr diesen Zusammenhang mit Zahlen belegen könntet. Ich schätze aber mal, dass der Konsum eher zurückgegangen ist (kann da aber zugegebenenmaßen nur spekulieren). Deshalb finde ich es falsch, mit der wachsenden Zahl der Krankheitsfälle zu argumentieren. Wäre auch gar nicht notwendig - gibt ja genug andere Argumente für Eure Forderungen.

    2. Dario Sarmadi
      Dario Sarmadi · vor 12 Monaten

      @Ralph Diermann Lieber Ralph,
      der Zuckergetränke-Koinsum (Erfrischungsgetränke, die zu 60 % mehr als 5 % Zucker enthalten und damit in Großbritannien Gesundheitsabgaben leisten müssen) ist in der Vergangenheit leicht angestiegen und seit ein paar Jahren auf einem hohen Niveau. In der Diskussion um Übergewicht (das wiederum nachweislich als wesentliche Ursache für zahlreiche chronische Krankheiten gilt) ist der Kalorienüberschuss (der durch Zuckergetränke wiederum nachweislich gefördert wird. Die Stichwörter: Leere Kalorien, Heißhunger...)). Die oft genannte These, dass sich die Menschen heute weniger bewegen als noch vor wenigen Jahrzehnten, lässt sich wissenschaftlich nicht belegen. Vielmehr weisen Studien darauf hin, dass die durch Bewegung verbrannten Kalorien heute nicht geringer sind als früher – und auch nicht geringer ist als der Energieumsatz von Bauern in Entwicklungsländern. Ganz anders sieht es bei der Kalorienaufnahme aus: Die hat sich in den vergangenen Jahrzehnten nachweislich verändert. Laut OECD hat die Kalorienaufnahme von Erwachsenen in Deutschland seit 1961 erheblich zugenommen: von durchschnittlich 2887 kcal/Tag (1961) auf 3547 kcal/Tag (2007). Leider wenig Platz f. Quellen...

    3. Dario Sarmadi
      Dario Sarmadi · vor 12 Monaten

      @Dario Sarmadi Du hast natürlich Recht: So einfach ist der Zusammenhang zwischen der wachsenden Zahl der Krankheitsfälle und dem Zuckergetränke-Konsum nicht. Dennoch finden wir es wichtig, diesen Zusammenhang zu erwähnen. Die "Adipositas-Epidemie", von der zahlreiche Fachgesellschaften und Ärzteverbände sprechen, ist ernster denn je – und wir müssen den ernst der Lage erkennen und benennen!
      Liebe Grüße,
      Dario von foodwatch

    4. Ralph Diermann
      Ralph Diermann · vor 12 Monaten

      @Dario Sarmadi ...ja, das ist ja auch völlig richtig! Aber wie gesagt: Ihr stellt einen Zusammenhang her, der sich nicht belegen lässt. Als Instrument einer politischen Kampagne kann ich das ja irgendwie verstehen. Als Journalist finde ich das zweifelhaft...
      Viele Grüße, Ralph

  3. Petra Thorbrietz
    Petra Thorbrietz · vor 12 Monaten

    Lieber Ralph, schau doch mal auf die Seite des renommierten Robert-Koch-Instituts, dort findest Du weitere Informationen zu Zuckerkonsum und -gehalt: GBE kompakt 1/2013: Limo, Saft & Co – Konsum zuckerhaltiger Getränke in Deutschland. Viele Grüße Petra

  4. Theresa Bäuerlein
    Theresa Bäuerlein · vor 12 Monaten

    Ich bin mir unsicher ob Verbote und Kennzeichnungen bei Lebensmitteln wirklich etwas bringen, zumal überhaupt nicht so klar ist, wie oft behauptet wird, dass Übergewicht per se ungesund ist. Fettleibigkeit ja, aber eine paar Kilo mehr, als der BMI-Grenzwert vorschreibt?
    Zum mal der recht willkürlich festgelegt wird.

    1. Petra Thorbrietz
      Petra Thorbrietz · vor 12 Monaten

      Liebe Theresa, das stimmt, dass ein paar Kilo mehr nicht per se ungesund sind. Wir bewegen uns aber auf eine Epidemie von Herzkreislaufkrankheiten und vor allem Diabetes zu (das Alter kombiniert mit Überernährung). Verbote und Kennzeichnung allein bringen nicht viel, solange Menschen nicht auch motiviert werden, ihren Lebensstil zu ändern. Aber die Lebensmittelindustrie sollte meiner Meinung nach schon lange in die Pflicht genommen werden, mehr Wert auf GESUNDE Lebensmittel zu legen und die Kennzeichnung ist ein Schritt dorthin.