Kanäle
Log-in registrieren
piqd verwendet Cookies und andere Analysewerkzeuge um den Dienst bereitzustellen und um dein Website-Erlebnis zu verbessern.

handverlesenswert

Kuratoren aus Journalismus, Wissenschaft und Politik empfehlen
und kommentieren die besten Inhalte im Netz.

Du befindest dich im Kanal:

Fundstücke

Christian Huberts
mächtiger™ Kulturwissenschaftler und Kulturjournalist
Zum piqer-Profil
piqer: Christian Huberts
Montag, 18.04.2016

»You don’t have to cut off your ear to make a great painting.« – Rami Ismail vs. 80-Stunden-Wochen

Heute beginnt die International Games Week in Berlin – eine schöne Gelegenheit, um die vielfältigen Facetten der Spielkultur einmal aus der Nähe kennen zu lernen. Doch das hier soll kein Werbespot werden. Gleich eine der ersten Sessions auf der Quo Vadis – der Fachkonferenz der Industrie – trägt den Titel »Hey, take care of yourself and don't burn out!«. Denn nicht nur die Spiele selbst erinnern manchmal an Workaholic-Simulatoren, auch bei der Spielentwicklung herrschen zum Teil bittere Arbeitsbedingungen. Der Begriff »Crunch« ist längst zu einem Synonym geworden für die 80-Stunden-Wochen in der Endphase einer Spielentwicklung, für Entwickler*innen, die dabei 10% ihres Körpergewichts verlieren, für Ehepartner, die sich beim Arbeitgeber über die Arbeitszeiten der Partner beschweren müssen und für einen kranken Arbeitsethos, der oft auch noch stolz ist auf den Raubbau an der eigenen Gesundheit. Auch die deutsche Branche ist davon keine generelle Ausnahme: Beim Mobile-Game-Entwickler Goodgame wurde erst Anfang des Jahres die Gründung eines Betriebsrats aktiv verhindert – unter anderem mit Kündigungen und subtilen Drohungen.

Aber es gibt auch offenherzige Apologeten der Selbstausbeutung. Auf VentureBeat schrieb der ehemalige Microsoft-Mitarbeiter Alex St. John jüngst ein flammendes Loblied auf den Burnout mit Ansage und ebenso bissige Kritik an Menschen, die es wagen, nach fairem Lohn zu fragen. Wenn es nach ihm geht, arbeiten nur Menschen in der Gaming-Industrie, die halt Bock auf 80 Stunden/Woche haben und nicht so viel rumheulen wegen ihrer Work-Life-Balance. Dass das – mit Verlaub – großer, priviligierter Bullshit ist, glaube zum Glück nicht nur ich. Der grundsympathische Vlambeer-Entwickler Rami Ismail – in den Worten von St. John ein »lazy millennial hipster game developer« – hat auf jeden Unsinn des selbsternannten Heiligen eine ebenso gute wie unterhaltsame Antwort gefunden:

Art is not mutually exclusive with taking care of yourself.
»You don’t have to cut off your ear to make a great painting.« – Rami Ismail vs. 80-Stunden-Wochen
8
3 Stimmen
relevant?

Möchtest du kommentieren? Werde piqd Mitglied!