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Sonja Wild
Redakteurin, Spielebloggerin

Hat englische und deutsche Literaturwissenschaft sowie Politik in Erlangen studiert. Schreibt auf lostlevels.de über Indie-Spiele und arbeitet in der Redaktion des Bookazines WASD mit. Lebt, spielt und arbeitet in Berlin.

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piqer: Sonja Wild
Sonntag, 18.06.2017

Warum sich amerikanische Spielestudios einen Falkner leisten

Computerspielentwickler haben eine gewisse Faszination für große, jagende Vögel: In Assassin's Creed etwa markieren Adler die Aussichtspunkte, an denen die Karte aufgedeckt wird. In Far Cry 4 zählen Falken zu den unangenehmsten Gegnern, weil sie unvermittelt aus der Luft angreifen – gleiches gilt für die falkenartigen Maschinen in Horizon Zero Dawn. In What Remains of Edith Finch schlüpfen SpielerInnen ins Federkleid einer Eule auf der Jagd, und wer in GTA V den halluzinogenen Peyote-Kaktus konsumiert, kann sich in einen Adler verwandeln.

Doch in der Geschichte, die Simon Parkin für den New Yorker aufgeschrieben hat, geht es nicht um digitale Abbilder, sondern um echte Falken. Einige große Spielestudios in den USA nehmen nämlich die Dienste eines Falkners in Anspruch. Der Meisterfalkner Nricco Iseppi und seine Vögel arbeiten unter anderem für Riot Games, das Studio hinter League of Legends, und Naughty Dog, die Entwickler der Uncharted-Reihe. Iseppis Falken sollen zum Beispiel Tauben und Möwen vom Gelände der Unternehmen fernhalten.

Natürlich passt der vermeintliche Anachronismus des uralten Falkner-Handwerks zur Spieleindustrie und ins hippe Silicon-Valley-Umfeld wie die Faust aufs Auge – umso mehr, als es auch eine Nachhaltigkeitskomponente gibt: Der Einsatz von Falken, so archaisch er wirken mag, ist nämlich auch eine sanftere Alternative zu herkömmlichen Abwehrmethoden wie Gift, Netzen oder Stacheln, bei denen Vögel oft massiven Schaden erleiden. In der lesenswerten Reportage macht Iseppi außerdem interessante Parallelen zwischen den Belohnungssystemen von Computerspielen und denen der Falknerei auf:

Iseppi trains his birds using intermittent reinforcement, rewarding them at random with scraps of meat; games like League of Legends, one could argue, offer players a virtual version of the same. “Video-game design is, to my mind, the art of creating endorphin releases in the brain within a predetermined window,” Iseppi said. “Falconry is similar.”

Warum sich amerikanische Spielestudios einen Falkner leisten
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