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Fundstücke

Vom Widerstand (mit dem Fön) gegen Raser im ländlichen Raum

Susanne Franzmeyer
Piqer für Radio Features
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Susanne FranzmeyerDienstag, 30.08.2022

"Ein Mann mit gelber Warnweste fönt den Verkehr. Oder wie soll man das nennen, wenn einer mit einem elektrischen Haartrockner auf die Kolonnen von Fahrzeugen zielt, die in hoher Zahl durch die Ortschaft brettern?"

Wunderbar und humorvoll erzählt ist dieses Feature von Fritz Tietz, das zugleich den Blick auf die gravierenden Probleme mit dem Autoverkehr im ländlichen Raum lenkt.

Der Autor fiel mir schon mit diesem Feature auf, das ich vor einiger Zeit bereits empfohlen hatte.

In "Zu viele, zu schnell. Vom Widerstand gegen das Kfz im ländlichen Raum" knöpft sich der Autor den Kampf gegen Windmühlen vor, nämlich die Eindämmung eines zu schnellen und zu starken Autoverkehrs in ländlichen Ortschaften – aus Mangel an Möglichkeiten mit dem Fön:

" 'Was machen Sie hier?' - ' Wir werden hier heute eine Maßnahme zur Verkehrsberuhigung durchführen, und zwar mit diesem Gerät, das man in den Verkehr hält.' - ' Was is'n das für'n Blödsinn?' - 'Ja, dieser Fön ist quasi, um die Autofahrer daran zu erinnern, dass sie eine gewisse Geschwindigkeit fahren, die sie vielleicht nicht fahren sollten.' - ' Ja, aber, wenn die 'nen Fön sehen, dann denken die doch, der hat 'nen Fön.' - ' Ja, das wird sich ja zeigen. Was soll ich machen? Ich (...) habe nur das Mittel, den Fön in den Verkehr zu halten, und hoffe, dass ich dadurch 'ne gewisse Verkehrsberuhigung hier auf der L213 erreichen kann, denn ich finde, dass die Autos hier zu schnell fahren, und – wie er hier – garantiert 70 fahren.' "

So zumindest startet das Feature, das die Hörerschaft damit unterhaltsam auf die folgende knappe Stunde einstimmt, die neben verschmitztem Humor im Kern leider Todernstes zu präsentieren hat, denn die konsequente Missachtung ohnehin zu lascher Tempolimits in Ortschaften durch die Autofahrer ist nicht nur eine permanente Belästigung, sondern sie gefährdet das Leben der Anwohnerschaft.

"Ah, hier sehe ich links das erste Bobbycar. Das ist ja hier so ein verbreitetes Phänomen, dass die Leute eben Kinderspielzeuge an die Straße stellen, um die Autofahrer eben darauf hinzuweisen, oder anzubetteln, sagen wir mal so, hier das Tempo doch etwas runterzunehmen, weil möglicherweise Kinder die Straße kreuzen könnten."

Der Autor spricht mit Betroffenen, mit Anwohner*innen, die in Eigeninitiative Warnschilder aufstellen oder Unterschriften für verkehrsberuhigende Maßnahmen sammeln. Die Aufsteller, Plakate oder sogar digitalen Geschwindigkeitsanzeigen am Ortseingang bringen schier gar nichts. Sie scheinen einen Großteil der Autofahrer nicht die Bohne zu interessieren. Erschreckendes berichtet eine Anwohnerin, die schildert, wie wiederholt Autos durch die Wand ihres Hauses krachten. Eines davon hob regelrecht ab.

"Das waren vier junge Menschen, die hier.... der hing hier oben! Alle vier waren unten auf der Erde. Wie haben die das geschafft aus zwei Meter Höhe? Das Mädchen war so schwer verletzt. Meine Schwiegertochter... die hat... mit meiner Enkelin haben die hier erste Hilfe geleistet. Die saßen hier beide, bis der Krankenwagen kam, um diese jungen Leute immer wach zu halten, damit die nicht... Also, Gott sei Dank, nen Toten hatten wir nicht. Aber das Mädchen war sehr schwer verletzt. (...) Vor allen Dingen auch meine Schwiegertochter, die hat ja doch ein ziemliches Trauma, die wird hier nie wieder schlafen, und auch die Enkelin nicht. Also das Haus ist für uns letztendlich verloren, das habe ich das letzte Mal schon gesagt, wenn da mal wieder einer reinfährt, in dieses Haus, dann schiebe ich es da hinten den Hang runter, aber das darf ich ja nicht, weil es ein denkmalgeschütztes Haus ist, dann darf ich es nur abschließen und es verfallen lassen. Wer will da noch wohnen?"

Deutschland ist ein Autoland, jeder Flecken muss scheinbar per Auto erreichbar sein. Doch während in den Städten zunehmend Maßnahmen zur Verkehrseindämmung und für den Radverkehr getroffen werden, verhallen die Stimmen aus den weniger besiedelten Ortschaften weitgehend, ohne gehört zu werden.

Fritz Tietz widmet sich dem Thema in seinem Feature eine knappe Stunde lang, und dies auf sehr hörenswerte Weise!

Vom Widerstand (mit dem Fön) gegen Raser im ländlichen Raum

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