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Fundstücke

Frederik Fischer
Sub-, Pop- und Netzkulturkorrespondent
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piqer: Frederik Fischer
Donnerstag, 10.11.2016

Trump, Brexit und Obama haben eine Gemeinsamkeit: Sie sind Waffen im Kampf gegen "die Eliten".

Community-Mitglied Christoph Weigel wies mich auf diesen Text hin (Danke, Christoph!). Ich hatte erst gezögert seiner Empfehlung zu folgen. Der Autor Glen Greenwald (maßgeblich mitverantwortlich für die Veröffentlichung der Snowden-Enthüllungen) entblößt sich in diesen - zugegeben - sehr emotionalen Tagen, als unerträglicher Klugscheißer. Alles hat er schon lange vorhergesagt und aufgeschrieben. Keiner hört ihm zu. Alle blöd. Außer ihm. Und vielleicht noch seine Mutter. 

Besonders albern versteigt er sich in der Behauptung, Journalisten würden sich weigern die eigene Fehlleistung anzuerkennen. Das Gegenteil ist korrekt (aber auch nicht hilfreich): Nahezu alle Qualitätsblätter ergehen sich gerade in Selbstzerfleischung und schwimmen gefedert im Pech-Pool. 

Aber genug der Kritik. Was den Text letztendlich doch lesenswert macht, sind zwei Kern-Argumente.

Argument #1

Wir müssen aufhören in Links und Rechts zu denken. Obama, Brexit und Trump schöpfen ihre Kraft nicht aus rechten oder linken Lagern, sondern aus einer Wählerschaft, die jede Waffe ergreift, die sie gegen "die Eliten" feuern kann. Die Perspektive ist hilfreich weil sie aufzeigt, dass das bestehende politische System ein verstecktes aber ebenso tödliches Gift ist für unsere Demokratie, wie die Demagogen, die nun offen zum Angriff blasen.

Argument #2

Der Präsident der Vereinigten Staaten hat ein obszönes Maß an militärischer Macht und totalen Zugriff auf die Daten eines Großteils der Erdbevölkerung. Seit Jahrzehnten warnen Aktivisten und Datenschützer vor dem Szenario, das nun eingetreten ist. Wenn man dem Elend etwas Positives abgewinnen möchte, dann vielleicht das: Trump ist das bislang beste Argument um den ausufernden Überwachungsapparat endlich zurückzudrehen. 

Trump, Brexit und Obama haben eine Gemeinsamkeit: Sie sind Waffen im Kampf gegen "die Eliten".
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Kommentare 12
  1. Gurdi (Krauti)
    Gurdi (Krauti) · vor 11 Monaten

    Finde ich gut wie Sie den Hinweis aufgreifen, eindampfen und zur Debatte stellen. Gerne mehr davon.

    Ich kann beide Argumente voll unterschreiben.
    Zu Argument 1: Ich hab dem Kind schon vor einiger Zeit für mich einen eigenen Namen gegeben, abgeleitet aus aktuellen Eindrücken.

    Ich nenne es das Syrien-Syndrom. Warum? Weil in Syrien alle möglichen Parteien ein Zweckbündnis miteinander eingehen und gerne mal die Lager wechseln um am Ende Ihre Ziele zu erreichen. Die Kurden z.B. wurden von der Amerikanern schon mehrfach über den Tisch gezogen in Ihrer Historie. Trotzdem agiert man partiell zusammen. Die Amerikaner protegieren die Taliban in Aleppo, teils direkt, teils indirekt weil sich sonst niemand anderes findet um die eigenen Ziele zu erreichen.

    Donald Trump wurde gewählt um das etablierte System mit dem Hammer zu zerschlagen, es ist egal wer oder wie. Hauptsache kaputt.Warum agieren die Menschen derart irrational? Weil er die einzige Chance auf Erfolg war.

    Trump hat es sogar selbst gesagt, doch niemand war in den Medien in der Lage es zu dechiffrieren. "Ich könnte jemanden auf offener Straße erschießen und würde trotzdem keinen einzigen Wähler verlieren"

  2. Christoph (Krauti)
    Christoph (Krauti) · vor 11 Monaten

    " Nahezu alle Qualitätsblätter ergehen sich gerade in Selbstzerfleischung und schwimmen gefedert im Pech-Pool. "

    Ich kann dir nicht folgen. Was machen die Qualitätsblätter?

    1. Frederik Fischer
    2. Frederik Fischer
      Frederik Fischer · vor 11 Monaten
    3. Gurdi (Krauti)
      Gurdi (Krauti) · vor 11 Monaten

      @Frederik Fischer Ok aber wo sind die großen Blätter? Bis auf die NYT sieht dass doch recht mager aus.

    4. Frederik Fischer
      Frederik Fischer · vor 11 Monaten

      @Gurdi (Krauti) Die sind in den Artikeln verlinkt. Alternativ auch hier noch mal eine Zusammenfassung: www.spiegel.de/kultur/ge...
      Glaubt mir: Es gibt keine nennenswerte Redkaktion, in der nicht mindestens ein Jouranlist / eine Journalistin, sich Vorwürfe über die Berichterstattung macht. Das bringt uns aber jetzt nicht weiter. Die Medien sind nicht mehr das Problem. Dafür stecken sie schon viel zu lange und viel zu tief in der Krise. Ein Großteil der Wähler von Populisten haben sich längst eigene Quellen gesuche und sind für klassische Medien nicht mehr zu erreichen.

    5. Christoph (Krauti)
      Christoph (Krauti) · vor 11 Monaten

      @Frederik Fischer "Ein Großteil der Wähler von Populisten haben sich längst eigene Quellen gesuche und sind für klassische Medien nicht mehr zu erreichen."

      Da hast du sicher recht. Es macht auch deutlich, wie Medienwahl überhaupt funktioniert. Man sucht sich Medien, deren Ton mit der eigenen Stimmung resoniert. Das ist wirklich tragisch, weil es so auch für einen Verleger unattraktiv wird, mehrstimmige Blätter zu arrangieren, deren Melodie dann niemandem mehr gefällt.

      Auf der anderen Seite glaube ich, dass sich viele Menschen für Diskussionen interessieren. Sie sind einfach ein so großer Bestandteil unser aller Leben. Eine Zeitung, die nicht aus durchkonstruierten Artikeln sondern aus gesitteten Diskussionen zwischen Journalisten mit unterschiedlicher Meinung bestünde, stelle ich mir als Antwort auf die Medienkrise vor. Eine Zeitung, die vormacht, wie Menschen miteinander umgehen können, auch wenn sie sich erst einmal nicht einig sind.

      Doch können Journalisten das? Beim Presseclub sind sie kaum besser als in einer politischen Talkshow. Schriftlich, mit mehr Zeit zum Überlegen und Formlieren, gehts vielleicht besser. Ich würde es mir wünschen.

    6. Gurdi (Krauti)
      Gurdi (Krauti) · vor 11 Monaten

      @Christoph (Krauti) Ich finde deinen Ansatz sehr interessant und würde eine solche Zeitung sehr begrüßen.

      Ich lese auch am liebsten eigentlich die Kommentare in den Tageszeitungen.

      Es ist eigentlich schon fast merkwürdig dass noch niemand ein solches Konzept umgesetzt hat.

    7. Frederik Fischer
      Frederik Fischer · vor 11 Monaten

      @Christoph (Krauti) Ich teile deine Analyse ebenso wie die Bedenken, dass Journalisten diese dringend notwendigen Diskussionen anstoßen und leiten können. Ich fände es ja großartig, wenn sich auch die Wissenschaft bei dieser Aufgabe angesprochen fühlen würde. Wissenschaftler und Betroffene können wichtige Stimmen einbringen, werden aber momentan überwiegend nur über Medien kanalisiert und damit häufig instrumentalisiert.

    8. Christoph (Krauti)
      Christoph (Krauti) · vor 11 Monaten

      @Frederik Fischer Nun ich glaube schon, dass seine Rolle die richtige wäre. Meine Zweifel bezogen sich auf die tatsächliche Fähigkeit sich streng argumentativ und nicht polemisch auseinanderzusetzen.
      Ich würde mich freuen, wenn einige Journalisten sich mehr dieser Rolle annehmen würden. Die Rolle des Beobachters muss ja nicht gleich in den Müll. Es können ja mehrere Rollen nebeneinander exisitieren.
      Die neue Rolle wäre die des aufgeklärten Bürgers, der sich informiert und über seine neuen Erkenntnisse berichtet. Er führt gesittete Diskussionen mit anderen Citoyen-Journalisten und leistet so in Stellvertretung die Arbeit, die sich jeder mündige Bürger machen sollte, wenn er die Zeit dazu hätte.

    9. Gurdi (Krauti)
      Gurdi (Krauti) · vor 11 Monaten

      @Frederik Fischer Dann glaube ich Ihnen mal. Mir fehlen auch die Kapazitäten aktuell, dass überall nachzulesen.

      In den Ressorts in denen ich die Berichterstattung im Blick habe, werde ich dass auch die nächsten Monate überprüfen können. Ich bin gespannt, insbesondere wie die Transatlantiker mit der Situation umgehen werden.

    10. Gurdi (Krauti)
      Gurdi (Krauti) · vor 11 Monaten

      Ich konnte jetzt in den Debatten die ich verfolgt habe auch relativ wenig Selbstkritik feststellen, ein wenig Demut hängt Ihr aber an muss ich sagen.(Beschränkt sich auf TV)

      Wozu ich was sagen kann, ist zur heutigen Ausgabe vom Handelsblatt.
      Der Leitartikel von Gabor Steingart war wie erwartet scharfsinnig und eindrücklich und ging offen und selbstkritisch mit der Thematik um.
      Die Ausgabe werde ich zu meinem historischen Archiv legen.

      Gabor Steingart ist wirklich brillant und hat die Zeichen der Zeit schon sehr früh erkannt und auch entsprechende Maßnahmen in seinem Blatt eingeleitet. Details würden jetzt den Rahmen sprengen.

      Auch der Gastkommentar von Joschka Fischer war sehr kontrovers und in klarer Sprache gefasst.Auch wenn ich seine Einschätzung nicht teile, habe ich selten einen so ungeschminkten Kommentar von Ihm gelesen. Selbstkritisch war er jedoch nicht.