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Theater als Arbeitsplatz: Me too und strukturelle Ausbeutung

Michael Hirsch
Philosoph und Politikwissenschaftler, freier Autor und Dozent
Zum piqer-Profil
Michael HirschMontag, 29.03.2021

Der Beitrag von Jakob Hayner nimmt seinen Ausgang von dem spektakulären Rücktritt des Intendanten der Volksbühne Berlin Klaus Dörr nach Vorwürfen sexueller Übergriffe. Der Autor beleuchtet ein Strukturproblem der Arbeitsverhältnisse im Theater und anderen Sparten des Kulturbetriebs als eigentliche Ursache sexuellen Missbrauchs. Er widerspricht damit einer zwar nicht falschen, aber doch zu einseitigen Sicht des Vorgangs in der Öffentlichkeit:

Nun sind sich die Feuilletons der Republik einig, wie der Vorgang einzuordnen ist. Die Ära des alten weißen Mannes ist nun endgültig vorbei, das Modell der Intendanz ein Überbleibsel des 19. Jahrhunderts. Neue Führungskräfte braucht das Land, möglichst unbelastet - jung, weiblich, divers. Das ist zwar eine ansprechende Erzählung. Sie hat allerdings das Problem, dass sie kaum dazu beiträgt, die heutige Lage zu begreifen. Denn die hat mehr mit dem 21. als dem 19. Jahrhundert zu tun.

Und im 21. Jahrhundert sind die Kulturinstitutionen Avantgarde-Institute für prekäre Arbeitsverhältnisse, Deregulierung und neue Typen von Ausbeutung. Es sind typische Orte für neue Arten von Machtverhältnissen, die überall dort entstehen, wo kreative Arbeit und prekäre Beschäftigung koexistieren, und wo die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben fließend werden. Überall dort wird nämlich in erheblichem Maße mit persönlichen Bindungen gearbeitet und gehandelt, die auf unappetitliche Weise mit Versprechen auf ökonomische Vorteile verbunden sind. Wie der Autor richtig betont: Die meist jüngeren Schauspielerinnen und Schauspieler tragen eben nicht nur ihre Arbeitskraft und ihren Geist, sondern auch ihren Körper und seine Anziehungskraft zu Markte.

Und je größer die Konkurrenz und je prekärer die Arbeitsbedingungen, desto anfälliger für Missbrauch sind sie. Insofern gehört die ganze Bandbreite des Missbrauchs von Macht eben tatsächlich noch mehr zum 21. als zum 19. Jahrhundert. Und insofern würden auch neue, anders und divers besetzte Führungskader von Theatern oder anderen Kulturinstitutionen wohl kaum etwas an der Missbrauchsanfälligkeit dieser Arbeitsorte ändern: an der großen Erpressbarkeit der Einzelnen. Daher hat das zeitgenössische Stadttheater, so Hayner, weniger mit den alten Arbeitsverhältnissen als mit der avancierten Arbeitskultur des Silicon Valley und der Start-up-Kultur zu tun:

Das viel gescholtene deutsche Stadt- und Staatstheater hat sich dem in den vergangen Jahren angeglichen, so dass man es mitnichten einfach der Vergangenheit zuschlagen kann. Festanstellungen gehen allerorten zurück, Projektarbeit nimmt zu. Intendanten sind meist gewiefte Kulturmanager städtischer GmbHs. Von ihnen wird keine künstlerische Idee, sondern ökonomische Kennzahlen zur Auslastung verlangt. Sie verwalten große Etats und regeln den Zugang dazu. Ihnen gegenüber steht eine Masse mittelloser Künstler, die schon allein deswegen, weil sie auch von etwas leben müssen, ihre Ideen in Kontakt mit dem lieben Geld bringen müssen.

Dies bedeutet natürlich nicht, dem sexuellen Missbrauch von Frauen durch (in großen Teilen alte weiße) Männer keine erhöhte publizistische, moralische und strafrechtliche Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Es bedeutet aber, dem Strukturproblem der Erpressbarkeit Einzelner in verwilderten Arbeitskulturen auf den Grund zu gehen, anstatt so zu tun, als ob es mit dem Austausch von Führungskräften getan wäre.

Theater als Arbeitsplatz: Me too und strukturelle Ausbeutung

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