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Tino Hanekamp
Autor

Tino Hanekamp war Journalist und Musikjournalist, hat in Hamburg zwei Musikclubs gegründet (Weltbühne, Uebel & Gefährlich), einen Roman geschrieben (‚So was von da‘) und unlängst ein Buch über Nick Cave ('... über Nick Cave'). Er lebt im Süden Mexikos.

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piqer: Tino Hanekamp
Freitag, 01.05.2020

„The animals could use a little social distancing, too.”

Es ist schon ein wenig merkwürdig: Coronakrise auf allen Kanälen, aber ein Thema findet einfach nicht statt – der Zusammenhang zwischen den sogenannten Zoonosen, also von Tieren auf Menschen übertragenen Viren, wie auch der Covid-19 eines ist, und der Massentierhaltung. Bitte nicht am Schnitzel verschlucken: Nach allem, was man weiß, ging der Coronavirus über ein Wildtier auf den Menschen über, ganz genau. Aber die Schweine- und Vogelgrippe kamen aus der Massentierhaltung, und wenn wir darüber nachdenken wollen, wie Pandemien in Zukunft zu verhindern sind, müssen wir auch das Thema Massentierhaltung angehen. Macht aber kaum jemand. Ein prominentes Beispiel: Vor zwei Wochen holte der Beinahe-Chefredakteur des SPIEGEL Ullrich Fichtner in der SPIEGEL-Titelgeschichte "Warum unsere Welt nach der Krise eine bessere sein könnte" zum großen Corona-Umschlag aus und kam in Sachen Pandemieverhinderung zu folgendem Schluss:

Die Hygiene auf Wochen- und Straßenmärkten vor allem in Asien muss den Behörden dort schon aus Eigeninteresse ein vorrangiges Anliegen werden. Es muss auch die Frage erlaubt sein, ohne kulturelle Lektionen erteilen zu wollen, ob der hochriskante Verzehr bestimmter Wildtiere zwingend zu einer Kultur gehören muss.

Punkt. Kein Wort über die Abermillionen zusammengepferchter, hochgezüchteter, mit Medikamenten vollgepumpter Hühner, Schweine und Rinder in den Tierfabriken auch und vor allem der westlichen Welt, in denen ein Großteil unserer Nahrung „entsteht“. Und googelt man ‚Coronavirus Massentierhaltung' findet man ein paar Texte der üblichen Tierrechtsaktivisten – und sonst nichts.

Im englischsprachigen Raum sieht es da ein bisschen anders aus, aber nur ein bisschen. Immerhin, es regt sich was. Als Einstieg empfohlen: Der kurze und sehr unterhaltsame Rant von Bill Maher, dem unerbittlichsten unter den linksliberalen US-Polit-Late-Show-Talkern, dessen Ansage sich so zusammenfassen lässt: Ey, ihr Trottel, checkt das mal, wir züchten uns den Scheiß vor der eigenen Haustür! Tiefer rein geht Jonathan Safran Foers und Aaron S Cross’ hier gepiqter Text im Guardian 'We have to wake up: factory farms are breeding grounds for pandemics.' Noch tiefer geht die Vox-Reportage 'The meat we eat is a pandemic risk, too', in welcher der Arzt Michael Greger, Autor des Buches Bird Flu: A Virus of Our Own Hatching, das Problem so auf den Punkt bringt:

When we overcrowd animals by the thousands, in cramped football-field-size sheds, to lie beak to beak or snout to snout, and there’s stress crippling their immune systems, and there’s ammonia from the decomposing waste burning their lungs, and there’s a lack of fresh air and sunlight — put all these factors together and you have a perfect-storm environment for the emergence and spread of disease. … If you actually want to create global pandemics, then build factory farms.“

Was Greger zu dem charmanten Fazit bringt: „The animals could use a little social distancing, too.”

Noch mehr zum Thema gibt’s hier, hier und hier. Klar ist, dass wir um dieses Thema nicht mehr herumkommen werden, zumal wir nun wissen und leibhaftig erfahren, was auf dem Spiel steht. Und dabei haben wir hier und jetzt über die Umweltschäden durch die Massentierhaltung (Treibhausgase, Landnutzung für Futteranbau, Wasser) und vor allem das Leid der Tiere nicht mal geredet …

„The animals could use a little social distancing, too.”
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Kommentare 4
  1. Daniela Becker
    Daniela Becker · vor 30 Tagen

    Das Problem ist auch die Vernichtung von Ökosystemen. Das hängt natürlich eng mit industrieller Massentierhaltung und der internationalen Fleischindustrie zusammen. https://www.piqd.de/us...

    1. Tino Hanekamp
      Tino Hanekamp · vor 29 Tagen

      Sehr wichtiger Aspekt!

  2. Ole Gerlach
    Ole Gerlach · vor 30 Tagen

    "und vor allem der westlichen Welt,"

    Es gibt jede Menge entsprechender Ställe in Asien und dort sind die Haltungsbedingungen wesentlich schlechter als in z.B. Deutschland (wo es zudem hohe Hygienestandards, Auflagen zur Medikamentengabe etc. gibt). Die Bevölkerung dort ist nur so groß, dass sie durch europäische Schweinehalter mit versorgt werden muss.

    Ich befürchte, dass eine "Entfernung" der Nutztierhaltung aus Deutschland oder Europa eher dazu führt, dass sie nicht verschwindet, sondern eher in andere Regionen verlagert. Und dann entsteht eine Situation, wie wir sie auf dem Textilmarkt haben: aus den Augen, aus dem Sinn. Ab und zu tauchen dann mal Meldungen brennender Fabriken auf oder von den Bedingungen der Texitlarbeiterinnen, aber alles ist so weit weg, dass es beim nächsten Einkauf vergessen ist.

    Die Lösung für all die genanngen Probleme liegt nicht in gegenseitigen Anschuldigungen, die nur zu verhärteten Fronten und Feindbildern führen, sondern in der Zusammenarbeit aller. Leider, dass ist meine Erfahrung im Kontakt mit Beteiligten unterschiedlicher Branchen, sitzen die Feindbilder auf allen Seiten schon so fest, dass ein Blick auf das real dahinter stehende Individuum gar nicht mehr stattfindet.

    1. Tino Hanekamp
      Tino Hanekamp · vor 29 Tagen · bearbeitet vor 29 Tagen

      Na ja, die Lösung ist ja ganz einfach: kein Fleisch essen. Aber da reagiert der Deutsche (und nicht nur der, klar) noch aggressiver, als wenn man ihm ans Auto geht. Deswegen wird da so schnell nichts passieren. Hoffen wir auf Beyond Meat und die jungen Generationen. Aber ob wir so lange Zeit haben? Eher nicht. Dass wir — alles Tierfreunde — das Leid dieser gequälten Geschöpfe wegdrücken können, geschenkt. Geschmacksknospen, Prägung und Kultur wirken stark. Aber wenn wir nicht mal, wenn‘s uns selber an den Kragen geht und die Zusammenhänge doch so offensichtlich sind, unsere Esskultur und ihre Folgen hinterfragen, zumindest das Thema mal angehen und nicht weiter nur wegsehen — hm ...

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