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Christian Huberts
mächtiger™ Kulturwissenschaftler und Kulturjournalist
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piqer: Christian Huberts
Mittwoch, 29.03.2017

Schlechter Sex vom anderen Stern – Mass Effect: Andromeda

In der vergangenen Woche ist der langerwartete neue Teil der Mass Effect-Reihe erschienen. Das Science-Fiction-Rollenspiel Andromeda bemüht sich, wie schon seine Vorgänger, um ein möglichst komplexes System von Liebesbeziehungen und sexuellen Begegnungen von Menschen und Aliens. Doch wie Matthias Kreienbrink lesenswert auf Zeit Online darlegt, ist dieser Umgang mit Sexualität so ziemlich stagniert. Der Sex in Mass Effect: Andromeda bleibt eine Kombination aus aktiven, zu optimierenden Dialog-Rätseln und passiven, softpornografischen Zwischensequenzen, selbst wenn Aliens mit im Spiel sind.

Sex ist ein performativer Akt, der weit über den physischen Vorgang hinausgeht. Wie wir Sex haben, mit wem wir Sex haben, wie wir über Sex sprechen, die Vorstellungen von unserem eigenen Körper und seinen Geschlechtsteilen: Das alles sind Diskurse, die erst konstituieren, was wir gerne als naturgegeben annehmen. Sex ist und war wohl schon immer mehr als nur ein Akt der Reproduktion. Diese Fragen nach Normalität und Devianz aber kennt Mass Effect: Andromeda nicht.

Sexualität bleibt so ein bloßes Feature, das weder die Charakterentwicklung noch den generischen Weltrettungs-Plot groß berührt. Vor Jahren konnte das Entwicklerstudio BioWare auf diesem Niveau noch punkten, aber ohne eine konsequente Weiterentwicklung der vergangenen Leistungen, endet der Alien-Sex vorerst in einer Sackgasse. Das zeigt sich auch im holprigen Umgang mit anderen Themen: Die Nebenfigur Hainly Abrams wurde insbesondere von der  Transgender-Community eher negativ aufgenommen, da sie nahezu ausschließlich durch ihre Transgeschlechtlichkeit definiert wird. Die Fortschritte, die das Medium in der Darstellung vielfältiger Sexualität und Geschlechtlichkeit gemacht hat, sind sehr lobenswert, aber Mass Effect: Andromeda zeigt auch, warum man sich darauf nicht ausruhen sollte.

Schlechter Sex vom anderen Stern – Mass Effect: Andromeda
7,5
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